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Kultur

«Handwerkliches Geschick – ja, das habe ich»

Künstlerin Esther Kempf zeigte sich im städtischen Atelier nicht schüchtern und bohrt auch mal durch Wände und Schränke.

Die Zürcher Künstlerin Esther Kempf ist seit Frühling im Dübendorfer Atelier einquartiert. Am Wochenende zeigt sie der Bevölkerung ihre Arbeiten.

Foto: David Marti

«Handwerkliches Geschick – ja, das habe ich»

Ausgezeichnete Künstlerin in Dübendorf

Esther Kempf war die letzten Monate im städtischen Atelier zu Gast. Die Künstlerin zeigte sich wenig zimperlich und rückte dem Haus und Mobiliar mit Bohrmaschine und Säge zu Leibe.

«Können Sie gut über einen Haag klettern?» Die Begrüssung von Esther Kempf vor dem Dübendorfer Kunstatelier kommt wie ein Scherz rüber. Aber die Künstlerin hüpft kurz danach in Stiefeletten mit Absätzen übers Zauntor. «Sorry, mein Schlüssel passt nicht.» Auf dem Weg ins Atelier, das ihr die Stadt Dübendorf für sechs Monate zur Verfügung gestellt hat, kommt noch mal ein bisschen was Unerwartetes von ihr: «Drinnen ist es kalt, aber es hat ein Feuer.»

Drinnen lodert das versprochene Feuer im Cheminee, und Kempf setzt sich daneben hin. Seit Frühling wohnt die 43-Jährige im ehemaligen Tennisclub-Haus an der Bettlistrasse, das nun als Atelier dient. Die Stadt vergibt es jährlich und erwartet im Gegenzug von den Künstlern, dass sie sich mit Dübendorf und deren Bevölkerung aktiv auseinandersetzen.

Und genau in dieser Hinsicht konnte man einiges von Esther Kempf erwarten. Eine Künstlerin, die schon Choreografien von blinkenden Strassenlampen inszenierte, synchron fallende Äpfel von Bäumen dokumentierte oder sich selber beim Schneeschaufeln filmte. Sprich: Präsenz in der Öffentlichkeit markierte.

Versandet und ungewiss

Doch die Zürcherin ist nicht aufgefallen mit einer derartigen Aktion in Dübendorf. Versandet sei etwa eine Idee, sich mit dem städtischen Tiefbauleiter Raymond König zu treffen, der die Herzli-Ampel an der Städtlikreuzung montiert habe, sagt sie. Was sie mit ihm vorhatte? «Das wusste ich da noch nicht.»

Und «irgendwas» wollte sie mit den Flutlichtern des Tennisplatzes vor ihrem Kunstatelier machen. «Wie ich die Beleuchtung einschalte, habe ich aber noch nicht herausgefunden. Eine Leiter, um hochzukommen, fehlt mir auch.»

Faul war sie aber deswegen nicht, und die Bezeichnung zögerlich passt auch nicht zu Kempf. Denn ihre Heimwerkerausstattung strahlt Entschlossenheit aus: Tischfräse, Bohrmaschine, Werkzeugkiste, Nägel, Schrauben – die feuchten Träume eines jeden Hobbyschraubers – sind in ihrem Atelier versammelt. Sie borge sich auch öfters Maschinen. Für Schweissarbeiten gehe sie beispielsweise ins Dynamo in Zürich. Selbstbewusst sagt sie über sich: «Handwerkliches Geschick – ja, das habe ich.»

Statt draussen tobte sich die Künstlerin drinnen in ihrem Atelier aus. Kempf zeigt, was sie mit dem Werkzeug gemacht hat. Sie hat Löcher durch die Garderobenschränke gebohrt. «Ich will mit Schnüren und Drähten eine Choreografie der Schranktüren machen», sagt sie und überlegt kurz. «Ich glaube, ich bohre noch durch die Wand.»

Ein Stück Küche heraussägen

Während sie die Küche zeigt, wo sie kleine Textilquadrate auf Bodenfliesen gelegt hat, um sie farblich abzugleichen, bekommt Kempf die nächste Eingebung. Die Struktur der Küchenschränke fällt ihr auf. Die seien passend zu einem Stück Stoff, das sie kürzlich gekauft habe. «Vielleicht säge ich einen Teil des Geschirrkastens raus. Ich mache das jetzt – nein, ich warte, bis Sie weg sind.»

Sie könne ja das Loch hinterher mit einem Stuck Holz reparieren. Das sei keine Zerstörung, sondern Transformation.    

Sie arbeite gerne mit bereits existierenden Sachen wie Möbeln und forme sie um. «Ich verstehe mich als Bildhauerin.»

Von der Kunst allein kann sie aber nicht leben. Sie arbeitet noch im Service des Restaurants Jurablick auf dem Uetliberg und in einer Zürcher Videothek. «Meine Nebenjobs, um Geld zu verdienen, wenn es mit der Kunst grad nicht geht.»

Im Gockhauser Wald auf Möbeljagd

In letzter Zeit geht es für Esther Kempf aber ganz gut. Sie hat kürzlich den jährlichen Werkbeitrag des Kantons Zürich bekommen, den Künstlerinnen und Künstler für ihre Arbeiten erhalten. Der Preis ist mit 24'000 Franken dotiert. Es ist bereits ihre dritte Auszeichnung.

Gelitten habe deswegen zu Beginn ihr künstlerisches Engagement in Dübendorf. Dass sie für diese Auszeichnung nominiert werde und danach eine Werkschau präsentieren müsse, habe sie vor dem Erhalt des Ateliers nicht gewusst. In letzter Zeit habe sie ihre Aktivität aber deutlich steigern können.

Die Ausstellung für die Dübendorfer Bevölkerung sei deshalb auf einem guten Weg. Im Nebenzimmer sind schon die Anfänge aufgebaut (siehe Box). Ansonsten zeigt sie sich wenig zuversichtlich hinsichtlich eines Werks im öffentlichen Raum. «Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass ich noch etwas in Dübendorf schaffe.»

Drei Fotos im Wald.
Die Bildcollage von Esther Kempf zum weggeworfenen Mobiliar in Gockhausen.

Wobei durchaus spontane Aktionen bei ihr drinliegen. Als sie nach dem Treffen von weggeworfenem Mobiliar in einem Waldstück in Gockhausen erfuhr, ging sie sofort hin. «Leider waren die Sachen schon weg», berichtete sie hinterher. Die Künstlerin wusste diesmal jedoch etwas anzufangen mit dem Ausflug und machte aus dem Foto, das sie zu dem Hinweis erhielt, eine Bildcollage.   

Ausstellung für die Dübendorfer

Esther Kempfs Ausstellung beinhaltet viele Elemente. Eine Projektion auf die Aussenwand des Gebäudes zeigt den Titel der Ausstellung und ein kurzes Video mit einer sich öffnenden Tür. Der Titel «If I think of movement I think of you» spielt auf die ehemalige Nutzung des Gebäudes als Haus des Tennisclubs mit dessen sportlichen Aktivitäten an und thematisiert das Hauptthema der Ausstellung: die Bewegung. Ihre dreitägige Ausstellung an der Bettlistrasse 11a wird heute Freitag ab 18 Uhr mit einem Apéro eröffnet. Am Samstag und Sonntag sind Besuche von 14 bis 18 Uhr möglich. Eine Abschlussaktion ist für Sonntag, 17 Uhr geplant. Weitere Infos unter www.estherkempf.com.

 

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