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Kultur

Darum nutzt der Gründer der Powerplay Studios in Maur kein Spotify

Der Schweizer Tonpionier Jürg Peterhans erlebte 50 Jahre Musikgeschichte hautnah. Vom Trio Eugster über Yello bis Lady Gaga.

Jürg Peterhans sitzt an einem Mischpult «Neve 8016» aus dem Jahr 1972.

Foto: Seraina Boner

Darum nutzt der Gründer der Powerplay Studios in Maur kein Spotify

40 Jahre Powerplay Studios in Maur

Jürg Peterhans hat in seinen 50 Jahren als Toningenieur die Entwicklung von Vinyl zu Band über CD bis zu den heutigen Musik-Apps mitgemacht. Ein Vergleich.

Er ist ein Pionier, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat: Musik abmischen und aufnehmen. Jürg Peterhans ist einer der beiden Gründer der Powerplay Studios in Maur. Gemeinsam mit seinem Kollegen Jimmy Duncombe (Jimmy and the Rackets) hat er 1982 den spätdadaistischen Hit «Da da da» aufgenommen.

Der 73-Jährige bezeichnet sich selber aber nicht als Musikproduzenten, sondern eher als Techniker. Ein Pionier ist er alleweil: Er hat ein grosses Stück Musikgeschichte hautnah miterlebt: von Yello über Züri West bis Prince und Lady Gaga.

Jürg Peterhans, warum haben Sie ein eigenes Studio gegründet?

Jürg Peterhans: Ich habe in den frühen Siebzigerjahren nach der Matur beim Schweizer Radio gearbeitet. Da durfte ich eine Art Lehre als Tonmeisterassistent und Orchesterdiener beim Unterhaltungsorchester absolvieren. So um das Jahr 1975 herum wurden Mischpulte und Bandmaschinen etwas erschwinglicher. Gemeinsam mit Jimmy Duncombe reifte der Plan, ein Mehrspurstudio zu gründen. Wir eröffneten 1976 das Powerplay Studio in einem ehemaligen Dow-Chemical-Kühlraum in Horgen – und im Jahr 1983 zügelten wir nach Maur.

Sie haben ja mit den Powerplay Studios einen enormen Schritt in der Pop- und Rockgeschichte mitgemacht. Wie klingt aktuelle Hitparadenmusik in Ihren Ohren?

Vieles tönt für mich heute in der Popmusik so eingeschliffen, glattgebügelt und wenig authentisch. Zum Beispiel gibt es fast keine Stimmen mehr, die nicht gepitcht sind. Man korrigiert Tonhöhen oder manipuliert anderswo. Ich würde sagen: Wir sind ein bisschen im Zeitalter der Fälschung angekommen. Die Stimmen klingen zwar perfekt – aber halt auch künstlich.

Ab wann haben Sie den digitalen Wandel gespürt?

Ende der Achtziger-, Anfang der Neunzigerjahre haben sich schon die ersten Anzeichen der Digitalisierung angedeutet. Wir kauften in der Zeit eine digitale Mehrspurmaschine, damit haben wir einige Jahre lang hybrid gearbeitet, also beides benutzt: Ein Mikrofon wandelt analoge Töne in elektrische Signale, die dann entweder weiter analog oder eben digital verarbeitet werden. Auf digitaler Ebene sind die Möglichkeiten der Manipulation unendlich viel grösser als in der analogen Welt: Heute geht nichts mehr ohne Voice Editing. Ich fand das schon damals bedenklich, denn ich suchte bei meiner Arbeit immer das Realistische, irgendwie auch das Wahre.

Ich habe noch mein ganzes Taschengeld für CDs ausgegeben. War das CD-Zeitalter aus heutiger Sicht eine pure Verschwendung?

Keineswegs! Und ich habe in den Sechzigerjahren mein ganzes Taschengeld in Vinyl-LPs versenkt! Behalten Sie doch die CDs und deren Abspielgeräte. Es könnte ja sein, dass die CD ein ähnliches Revival erlebt wie derzeit das Vinyl. Wenn man die Tonqualität auf einer CD mit Vinyl vergleicht, hört man auf Ersterer viel eher den Sound, den man auch im Studio bei der Abmischung hörte. Vinyl hingegen ist ein Liebhaberprodukt, aber sehr unvollkommen. Man musste als Tontechniker das Rauschen schon bei der Mischung berücksichtigen. Das war jeweils schwer abzuschätzen, wie das nachher wirklich klingt. Dafür waren die Covers viel grösser und so schön gestaltet.

Heute haben alle Spotify. Benutzen Sie eine Musik-App?

Nein, wenn ich bewusst Musik höre, spiele ich sie ab CD oder – in nostalgischer Stimmung – durchaus auch ab Vinyl. Ich höre am liebsten Jazz, Jazzrock oder Klassik. Spotify nutze ich selber nicht. Aber die bessere Tonqualität der App Tidal könnte durchaus eine Möglichkeit sein, dazu müsste ich aber meine digitale Infrastruktur aufbohren.

Cyrill Camenzind und Massimo Buonanno am Mischpult.
Powerplay-Studios-CEO und -Produzent Cyrill Camenzind (links) mit seinem Produktionspartner (Luckytiger Records), dem Schlagzeuger und Produzenten Massimo Buonanno.

Die wenigsten Bands mieten sich heute noch für einen Monat in einem Studio ein. Das jetzige Team der Powerplay Studios hat mit der Veranstaltung der Powerplay Nights neue Einnahmequellen aufgetan. Was würden Sie CEO Cyrill Camenzind und seinem Team raten?

Es liegt mir fern, diesen jungen und talentierten Menschen Ratschläge erteilen zu wollen. Sie wissen viel besser als ich mit den heutigen Verhältnissen umzugehen. Ich kann mich nur bei Cyrill, Reto und Stephi bedanken, dass sie den Mut und den Willen haben, eine Tradition weiterzuführen. Sie bieten den Musikerinnen und Musikern eine Plattform, wo diese ihre Kreativität ausleben können. Letztlich geht es um Musik, und das ist, was zählt.

James Gruntz mit Band an den Powerplay Nights im Tonstudio der Powerplay Studios in Maur.
James Gruntz mit Band an den Powerplay Nights in Maur.

Dem Tontechniker über die Schulter gucken

Selber komponieren, Songs einsingen und auf Tuchfühlung gehen mit weltberühmten Songs und deren Entstehungsgeschichte: Die Powerplay Studios sind offen für Team-Events.

Zudem kann man bei den Powerplay Nights bei einer Live-to-Tape-Session mit dabei sein, den Musikerinnen und Musikern zuschauen, wie sie einen Song einspielen, und der Tontechnikerin und dem Tontechniker beim Abmischen über die Schulter schauen.

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