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In Uster hat die Jazzsaison begonnen – eine Ära mit Zukunft?

In Uster steppt der Bär. Mit der neuen Jazzsaison schwelgt man in Erinnerungen und feiert Usters Geschichte.

Ein lebendiger Rhythmus ist kaum zu ignorieren. Bänz Oester am Bass und Javier Vercher am Saxofon machen es vor.

Foto: Palma Fiacco

In Uster hat die Jazzsaison begonnen – eine Ära mit Zukunft?

Der Ustermer Schwung

Der Hotspot der Jazzszene im Oberland befindet sich in Uster. Die Tradition geht weit zurück – und soll erneut erblühen wie damals schon.

New Orleans, Havanna, Uster. Wer sich das Kulturprogramm um den Greifensee anschaut, der wird einem Begriff immer wieder über den Weg laufen: Jazz. Der Musikstil, der in den Vereinigten Staaten begründet und über Kuba bis in alle Teile der Welt verbreitet wurde, ist in der Region nämlich fest verankert. Und wird durch verschiedene Institutionen reichlich gepflegt.

Eine davon ist der Jazzclub Uster. Er wurde 1963 gegründet, das Interesse um Jazz datiert sich bereits Jahrzehnte zuvor in der Region. Der Club hat regelmässig Konzerte veranstaltet und die Szene im Oberland manifestiert. Nun befindet sich der Jazzclub im Musikcontainer, wo die Saison mit neuem Auftakt begonnen hat.

Neue Saison, neuer Schwung

Das Programm ist grösstenteils von Bernhard Bamert zusammengestellt worden. Er ist Musiker und lebt seit zwei Jahren in Uster. Der Jazzclub Uster habe für ihn eine grosse Bedeutung, denn er spiele dort schon seit Anfang der 1990er Jahre.

Bamert ist zuversichtlich und freut sich auf das Herbstprogramm. «Die Schweiz hat wahnsinnig gute Musikerinnen und Musiker herausgebracht. Solche, die ein internationales Niveau aufweisen.»

Nancy Meier vom Ensemble Nancelot sei eine davon. Sie habe sich mit ihren aussergewöhnlichen und sorgfältigen Kompositionen in den letzten Jahren hervorragend entwickelt. «Nach solch vielversprechenden Musikerinnen muss man unbedingt Ausschau halten und ihnen eine Plattform bieten. Nach diesem Vorhaben richtet sich die neue Saison.»

Im Jazzclub Uster haben Grössen aus aller Welt gespielt. Früher, meint Bamert, sei man auch aus anderen Städten nach Uster gepilgert, denn die Qualität sei schon immer hoch gewesen. Mittlerweile sei es schwierig, Publikum aus anderen Regionen anzulocken. Doch Uster soll wieder zum Hotspot für Jazz werden.

Es gibt viele verschiedene Unterarten des Stils. Der Jazzclub soll ein Ort sein, dem die Leute vertrauen. «Manchmal kennt man die Namen auf den Plakaten nicht, aber das Publikum soll sich sicher sein, dass die Musik gut ist.»

Ustermerinnen und Ustermer wissen, was guter Jazz ist. Denn durch ihren Geschmack konnte sich eine weitere Institution hier niederlassen.

Das Swiss Jazzorama

Ein unscheinbarer Industriebau. Im Gebäude sticht ein chemischer Geruch in die Nase. Ist man hier richtig? Im zweiten Stock befindet sich eine Oase, in der die Aussenwelt schnell vergessen wird. Das Swiss Jazzorama ist ein Archiv, welches sich ganz der Musik widmet. Hier gibt es alles rund um Jazz.

Das Archiv befindet sich seit 2002 in Uster, zuvor war es in Arlesheim bei Basel. Doch wegen Platzmangel wurde es dort aufgelöst. Einer der Initianten, die das Archiv nach Uster verlagerten, ist der Ustermer Fernand Schlumpf, damals schon Mitglied im Basler Verein.

«Am Anfang befand sich das Büro noch im Musikcontainer, und das Archiv war verstreut in verschiedenen Kellern. Beispielsweise beim Nachbarn, beim Kino Qtopia oder sonst wo.» Seit es sich in Uster befinde, würden laufend Zuwendungen ins Archiv kommen.

Diese seien aus privaten Haushalten. Teils von Verstorbenen, teils von Menschen, die gezwungen sind, ihre Sammlung aufzugeben, weil sie ins Altersheim ziehen müssen. Doch immer ist ein Jazzenthusiast dahinter. Manchmal auch ein Musiker selbst.

Bald herrschte auch in Uster Platzmangel, also mietete sich das Jazzorama beim Industriegebäude an der Ackerstrasse ein. Dort hatte man zwar die Fläche, um alles kompakt und sorgfältig zu versorgen. Doch der Missstand war ein anderer.

Lichtblick für die Szene

«Die Miete ist zu hoch, und die Ausgaben stehen in keinem Verhältnis zu unseren Einnahmen. Das Archiv kostet jährlich 120’000 Franken.» Miete, Spesen und Unterhaltskosten. Eine wahrlich hohe Summe, denn die geleistete Arbeit ist ausschliesslich ehrenamtlich. «Das Archiv muss dringend digitalisiert werden. Dazu fehlen uns viele Ressourcen.»

Doch dem Jazzorama wird unter die Arme gegriffen. Die Hochschule Luzern hat sich nämlich bereit erklärt, den Schweizer Teil der Sammlung zu übernehmen und diese zu digitalisieren. Eine Entlastung und grosse Freude zugleich.

Ausserdem zieht das Jazzorama bald um, nämlich ins neue Zeughaus. «Es ist ein viel attraktiverer Ort, denn dort wird Kultur zusammenkommen. Das heisst, wir sind auch für ein Laienpublikum zugänglich», meint Schlumpf. Dass das Zeughaus eine städtische Liegenschaft ist, kommt ihnen sehr entgegen. Nur der Umzug selbst macht ihm noch ein wenig Sorgen, denn es ist viel – auch ohne den Schweizer Teil.

Uster ist besonders

Zürich, Basel und Bern sind grosse Jazzstädte. Sie haben ebenfalls Clubs mit langjähriger Geschichte, Konzerte sowie Festivals. «In Uster gab es immer Interessierte und auch Musiker, die hier lebten. Dadurch konnte sich eine Szene bilden», erinnert sich Schlumpf. Mit dem Jazzclub konnte sich diese entfalten, und das Jazzorama verankerte sie durch Überlieferungen.

«Was ist Jazz überhaupt? Es gibt so viele Unterarten, und diese entwickeln sich immer weiter. Sie werden moderner und mischen sich mit anderen Stilen», sagt Schlumpf. Diese modernen Stile finde man in den grossen Städten. Doch Uster sei anders.

Bernhard Bamert, Programmierer des Jazzclubs, teilt diese Ansicht. In Uster berufe man sich auf einen eigenartigen und hochstehenden Stil, der in der Nachkriegszeit entstanden sei, nämlich den Bebop, wie ihn Charlie Parker initiiert habe. Ein Stil, der eine Kraft ausstrahle wie damals Bach in Zeiten der Barockmusik. «Er hat ganz bestimmte Regeln. Viele Leute wollen ihn spielen und meinen, dass dieser gepflegt werden soll», erklärt Bamert.

Der Jazzclub schaut in die Zukunft

Nach dem nächsten Frühling wird Bamert das Programm nicht mehr allein gestalten. Dass sich ein einzelner Musiker darum kümmere, sei eigentlich nicht die Idee gewesen, denn dies könne zu Interessenkonflikten führen. «Nach der aktuellen Saison wird sich eine Kommission darum kümmern.»

Neben Bernhard Bamert seien dann verschiedene Personen involviert, die unterschiedliche Interessen und Stile vertreten würden. «Es ist gut, wenn mehr Menschen involviert sind. Wenn man sich streitet, dann kommt etwas Gutes heraus. Etwas mit Hand und Fuss.»

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