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Kultur

Kunst bewegt, vom inneren Gefühl bis zum Äussersten

Zwei Malerinnen, zwei unterschiedliche Generationen. Und doch verbindet sie mehr als nur das Malen.

Ein ausdruckstarkes Werk von Vanessa.

Foto: Yara Acklin

Kunst bewegt, vom inneren Gefühl bis zum Äussersten

Kulturspot Wetzikon

Vanessa und Manuela sind zwei Künstlerinnen aus Wetzikon und Grüt. Generationen und Hintergrund unterscheiden sie, doch die Freude am Ausleben ihrer Kreativität haben sie gemeinsam.

Yara Acklin

Vanessa: «Begonnen hat es mit einem Buch, das aus leeren, weissen Seiten bestand.»

Vanessa Krebs ist 20 Jahre alt und wohnt in Wetzikon.

Schon von klein auf lebt sie sich künstlerisch aus. Mit vielen kreativen Ideen setzt sie ihre Projekte um, indem sie näht, malt oder bastelt. Mit 10 Jahren bekam sie ein leeres Skizzenbuch von ihrer Mutter geschenkt. Dieses Buch füllte sie bis zum 13. Lebensjahr mit Zeichnungen, Skizzen und Mustern.

Am Anfang war ein Auge

Einmal zeichnete sie mit Bleistift ein Auge, für welches sie oft gelobt wurde. Das motivierte sie dazu, sich an das realistische Zeichnen heranzuwagen. Zuerst waren es Skizzen und Zeichnungen. Mit der Zeit entdeckte Vanessa dann das Malen und begann vor sechs Jahren, damit auf Leinwände zu gestalten. Mittlerweile hat sie sich breitbandig ausprobiert, mit Gouache, Acryl und Strukturpaste gearbeitet.

Ihre Wohnung hat sie so eingerichtet, dass sie sie auch als Atelier nutzen kann. Momentan ist sie sich in der Ölmalerei am Üben, wobei sie Porträts anfertigt.

«Manche Bilder haben eine tiefere Bedeutung und drücken meine aktuellen Emotionen aus, bei anderen geht es mehr um den Prozess der Erstellung als um das fertige Bild.»

Wichtig dabei ist ihr die Freude am Geschehen und dem Betrachten der Gemälde im Nachhinein. Auch freut sie sich darüber, wenn sie mit ihren Bildern andere Künstler inspirieren kann.

In der Corona-Zeit, als Vanessa und ihre Freunde in Quarantäne waren, nutzten sie die Gelegenheit, an neuen Projekten zu arbeiten. Sie fanden einen Weg, sich trotz räumlicher Trennung gegenseitig herauszufordern. Jeder schrieb ein paar Worte, die ihm gerade durch den Kopf gingen, in einen Gruppenchat. Diese Worte mussten dann in einem Kunstwerk kreativ umgesetzt werden. Dabei entstand ein Bild von Vanessa namens «Nackt und Wolkenkratzer».

Kulturspot Folge 1
«Nackt und Wolkenkratzer» von Vanessa.

Ein wichtiger Punkt, den sie gerne an andere Kunstschaffende weitergeben möchte, hat Vanessa in ihrer kreativen Entwicklung gelernt: «Man soll auf eine gesunde Portion Selbstkritik achten. Selbstkritik kann ein grosser Antrieb für die persönliche Weiterentwicklung sein, oder dich dazu bringen, es gar nicht erst zu probieren. Man sollte sich nicht darin verlieren.

Es wird immer Momente geben, in welchen das Kunstwerk wie ein hoffnungsloser Fall aussieht, doch oft sind es diese Werke, die am Ende Eindruck hinterlassen.»

Manuela: «Es ist mehr als ein Geschenk, es ist ein kleines Wunder, dass es die Menschen so berührt.»

Manuela kommt aus Grüt, ist 55 Jahre alt und wurde vor fast drei Jahren selbst von der Kunst gepackt.
Im November 2020 hatte sie einen schweren E-Bike-Unfall, wobei sie ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt.

Die Heilung ging nur langsam voran. In den ersten paar Wochen konnte sie nichts wie früher tun, jeder Reiz war zu viel. Nach etwa einem Monat hielt sie das Nichtstun nicht mehr aus und versuchte sich im Handlettering. So fand sie etwas, was sie trotz ihrer Einschränkungen in Ruhe machen konnte.

Mit der Zeit stellte sie fest, dass sie immer mehr rund ums Handlettering gestaltete. Dies inspirierte sie dazu, sich dem Malen zu widmen. Sie wollte etwas ausprobieren, was sie bisher nicht konnte und sie herausfordert. Dadurch kam sie auf das Aquarellmalen.

In der Corona-Zeit gab es viele Onlinekurse, was sie zu ihrem Vorteil nutzte. Anfänglich versuchte sie klassische Landschaftsbilder zu malen, merkte dann aber, dass sie lieber in eine andere Richtung gehen möchte. Wie genau sie dazu kam, weiss sie nicht, doch die Gemälde wurden immer floraler, und sie spezialisierte sich auf Blumen.

Malen als Meditation und Ventil

«Für mich hat die Malerei einen meditativen Aspekt.» Sie fand hier ein Ventil, das sie schon lange suchte, wo sie ihren Emotionen Raum geben kann. Persönliche, emotionale Bilder malt sie für sich selbst und veröffentlicht diese auch nicht. Bilder, die aber Freude und Ermutigung ausdrücken, gibt sie auch gerne weiter.

Mittlerweile hat sie ihre Technik gefunden. Sie malt «Aquarell Skatching», was eine Kombination aus Skizzieren und Aquarellmalen ist, und ergänzt ihre Bilder mit ihren Handlettering-Fertigkeiten und ermutigenden Sprüchen.

Wenn die Kunst berührt

Normalerweise fragt Manuela ihre Kunden, ob sie einen Wunsch für ein Motiv oder einen Spruch haben. Eine Frau meinte dann, dass sie sich einfach inspirieren lassen soll. Also liess sich Manuela etwas Zeit, um sich etwas Geeignetes einfallen zu lassen.

Sie hatte im Gespräch mit dieser Frau den Eindruck bekommen, dass diese wohl durch schwere Zeiten ging und Heilung braucht. Deswegen malte sie eine Heilpflanze.

Das fertige Bild berührte die Frau bei der Betrachtung sehr.

Bei einem ähnlichen Auftrag hatte Manuela das Gefühl, dass die Frau, für die das Bild sein sollte, etwas Helles brauche, was Leichtigkeit ausstrahlt. Es wurde ein Margeritenfeld. Als die Frau das Bild bekam, war sie beeindruckt. Sie schickte Manuela ein Foto des Bilds, welches sie ins Büro gehängt hatte und meinte, dass es solch eine Leichtigkeit ausstrahle.

Kulturspot

Kulturspot ist eine gemeinsame Aktion der Zürcher Oberland Medien und Kultur Wetzikon. Junge Reporterinnen stellen in losen Folgen Kunstschaffende und Kunstprojekte aus dem Oberland vor.

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