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Kultur

Fehraltorfer Starproduzent singt jetzt wieder selber

Getextet hat er schon immer, singen liess er aber andere. Jetzt will er wieder selber auf die Bühne - und hat einiges zu sagen.

In Sizilien fühlt sich Starproduzent Sergio Fertitta geerdet.

Foto: Alba Gähler

Fehraltorfer Starproduzent singt jetzt wieder selber

Musik als Sprachrohr

Wer Musik produziert, hält sich meist im Hintergrund auf. So auch Starproduzent Sergio Fertitta. Jetzt kommt er zu Wort.

Sergio Fertitta ist Produzent: Für Musikgrössen wie etwa Coolio, Snoop Dogg oder Frank Ocean hat der Fehraltorfer Melodien erschaffen. Aber auch Texte hat er für unzählige Stars geschrieben. Dabei blieb er meist eine Figur im Hintergrund. Mit seiner neuen Single «Vitamin for My Soul» tritt er nun selbst ins Rampenlicht. Und kehrt zu seinen Wurzeln zurück.

Denn seine Karriere hatte nicht etwa als Produzent oder Songschreiber begonnen, sondern als Sänger. In den Neunzigern wurde er von der Plattenfirma Tudor Recording unter Vertrag genommen. Doch Fertitta fand, dass es Stimmen gab, die besser zu seinen Songs passen würden.

Also verknüpfte er sich mit anderen Musikerinnen und Musiker. «Anfangs arbeitete ich gratis, denn ich musste mir einen Namen in der Szene machen.» Doch bereits als 22-Jähriger konnte er durch sein Engagement seine eigene Firma gründen.

Zurück zum Selbst

Jahrelang arbeitete er im Auftrag anderer und setzte sich mit deren Gefühlen und Themen auseinander. Manchmal waren es gleich acht Aufträge gleichzeitig. Doch jetzt möchte er sich wieder mit sich selbst befassen.

«Es ist essenziell, dass ich mich so in andere hineinversetze, denn ich gebe immer 100 Prozent. Aber es ist auch wichtig, mich in diesen Prozessen nicht zu verlieren.» Es wurde also höchste Zeit, erneut etwas Eigenes, seinen Song zu kreieren.

Den Clip zu «Vitamin for My Soul» hat er auf Sizilien gedreht, der Heimat seines Vaters.

Sergio Fertitta ist in der Schweiz aufgewachsen, aber in seiner Kindheit war er oft in Sizilien. «Der Ort hat mich geerdet.» Denn durch die vielen Aufträge könne man ins Schleudern kommen, nicht aber, wenn man auf seine mentale Gesundheit achte.

In seinem poppigen Song «Vitamin for My Soul» spricht er über Sehnsucht nach dem Feuer, das in ihm entfache, wenn er sich selbst sei. «Man muss auch zu seinem Inneren schauen.» Durch das Singen vermittle er wieder seine eigenen Werte und Gefühle, Vitamine für seine Seele.

Sehnsucht, tiefe Gefühle und Meer. Eine gute Basis für den nächsten Sommerhit.

Kritische Ehrlichkeit

Nicht nur die Single widerspiegle ihn, sondern das ganze Album «Unpredictable», das nächstes Jahr erscheinen werde, meint Fertitta. «Ich bin ehrlich und einfach ich selbst in meiner Musik. Das Album wird auch kritisch der Gesellschaft gegenüber sein.» Er spricht von der Entwicklung in der Musikbranche.

Denn die Digitalisierung habe neben Vorteilen auch ihre Schattenseiten. Musikerinnen und Musiker erhielten nur einen Bruchteil der Einnahmen, welche die Streamingdienste generieren würden.

Fertitta vergleicht das Business mit der Filmbranche, die in Los Angeles wegen unfairer Arbeitsbedingungen und schlechter Entlöhnung bestreikt werde. «Auch in der Musik müssen sich die grossen Labels mehr für die Künstlerinnen und Künstler einsetzen und Verträge anpassen. Die Digitalisierung und auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz sind nicht aufzuhalten. Darum braucht es unbedingt neue Regelungen.»

Der Vergleich kommt nicht von ungefähr, denn Sergio Fertitta verwirklicht sich nicht nur in der Musik, sondern auch im Film.

Jonglieren im Showbusiness

Letztes Jahr hatte Fertitta die Regie im Kurzfilm «Code Different» mit Beat Schlatter übernommen. Dies habe ihn dazu bewogen, einen Spielfilm zu drehen. Drehbücher dazu hat er bereits geschrieben. Doch noch kann er nicht mit Gewissheit sagen, wie sich dies entfalten werde.

Fertitta führt eine Filmproduktion, mit der er bereits etliche Musikvideos gedreht hat. Wenn er Aufträgen für andere Künstlerinnen und Künstler nachgeht, sehe er das Gesamtpaket des Produkts: Musik und Video gehen dabei Hand in Hand. Manchmal sind die Auftraggebenden genauso begeistert von seinen Visionen wie er selbst. Dann übernimmt er nicht nur die Produktion der Musik, sondern auch der Videoclips.

Film und Musik. Zwei Branchen, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Doch wie jongliert der 51-Jährige sein vieles Schaffen? «Ich bin Künstler aus Leidenschaft. Es ist schwierig, und es ist hart. Genau deshalb brauchte ich auch den Ausgleich und habe an meinem Album gearbeitet.»

Sich Zeit für sich nehmen heisst für Sergio Fertitta scheinbar nicht, dass er kürzertritt. Sondern lediglich, dass er auch zu Wort kommt. Seine Musik ist eine Collage aus all den Einflüssen, die er mit seiner Arbeit bisher gesammelt hat. Nur, dass er sich jetzt so ausdrücken kann, wie er will, und sich nicht nach anderen richten muss.

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