Das erwartet Sie am Summer Festival im Kempttal
The Valley feiert drei Tage lang
Auf den Spuren von Julius Maggi wandeln und aus dem Staunen und Geniessen nicht mehr herauskommen.
Früher konnte man zwar riechen, wenn man sich dem Maggi-Areal in Kemptthal näherte, doch sehen konnte man nichts. Dafür sorgte eine umfassende Einzäunung.
Heute ist das anders: Die Zäune wurden abgebaut, die Schranken stehen offen. The Valley, wie das Areal jetzt heisst, ist komplett für die Bevölkerung zugänglich. Mit dem 2022 geschaffenen Event The Valley Summer Festival soll diese Öffnung zusätzlich nach aussen getragen werden.
Seit umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten zogen nach und nach die Unternehmen in die ehemaligen Industriegebäude und hauchten dem einstigen Industriegebiet neues Leben ein. Schlendert man wochentags durch das Areal, wähnt man sich in einem eigenen Mikrokosmos.
Zu den ersten Mietern, die ihre Zelte aufbauten, gehörte die Eventagentur qiip. «Wir sind inzwischen ‹Valleyaner› mit Leib und Seele», beschreibt Daniela Quenzer ihre Begeisterung für das Areal. Sie und ihr Mann Rainer sind die Initianten und Organisatoren des Festivals.
Im Gespräch ist ihre gemeinsame Leidenschaft für diesen Event förmlich greifbar. «Das Areal war für uns Liebe auf den ersten Blick, und mit dem Festival möchten wir es den Menschen näherbringen», so Daniela Quenzer.
Welches Konzept steckt hinter diesem Anlass?
Rainer Quenzer: Der Anlass basiert auf vier Pfeilern: Market, Food, Cinema und Fun. Wir möchten einerseits den Firmen, die im Valley tätig sind, die Möglichkeit geben, ihre Produkte und Dienstleistungen zu präsentieren. Und andererseits natürlich der Bevölkerung aufzeigen, was sie hier alles unter einem Dach vereint finden können. Einige der ortsansässigen Unternehmen sind mit ihren Foodtrucks vor Ort, zwei Fitnesszentren stellen sich vor, bestehende Gastronomien sind geöffnet, Nestlé lädt mit Nespresso im Erlebnis-Pavillon zum Barista-Genuss ein.
Was erwartet die Besucher im Fun-Bereich?
Rainer Quenzer: Man darf sich eine Art Volksfest vorstellen, mit Schiessbuden, Hüpfburg, Formel-1-Karussell, Clown, Seifenblasenshow und Bobbycar-Parcours für Klein und Gross. Die Feuerwehr Winterthur ist mit ihrem «Spritzhäuschen» vor Ort, die Pfadi Winterthur mit dem Harassenklettern. Am Freitag- und Samstagabend haben wir Konzerte von sieben verschiedenen Bands aus der Region, von Pop bis Punkrock, im Programm.
Daniela Quenzer: Den vierten Pfeiler Cinema haben wir in diesem Jahr neu geschaffen. An drei Abenden zeigen wir Evergreens: Herzschmerz für Paare mit «A Star is Born», Klamauk mit «Hangover» und etwas für Autofans mit «Le Mans 66». Und das alles in einem einmaligen Ambiente mit Industriecharme auf 300 Sitzplätzen.
Welche Zielgruppe wird mit diesem Anlass angesprochen?
Daniela Quenzer: Wir haben wirklich für jeden etwas dabei. Das Angebot richtet sich am Freitag und in den Abendstunden an ein buntes Publikum jeden Alters, wobei das Wochenende tagsüber besonders auf Familien ausgelegt ist.
Was wurde seit der Erstauflage verändert?
Rainer Quenzer: Wir haben den letztjährigen Anlass als Start-up genutzt. Danach haben wir selbstkritisch mit allen Partnern das Pro und Kontra abgewogen und Bilanz gezogen. Was unverändert bleibt, ist der Mix aus verschiedenen Gastronomieangeboten mit den Foodtrucks, vom Burger bis zu afrikanischen oder griechischen Spezialitäten. Auch das Familienprogramm kam gut an, weshalb wir es noch weiter ausgebaut haben. So können die Eltern entspannt geniessen, während die Kinder beschäftigt sind.
Abgebaut wurde der Showteil. Warum?
Rainer Quenzer: Letztes Mal hatten wir viele motorisierte Showeinlagen, die einen hohen Geräuschpegel verursacht haben. Aus Rückmeldungen haben wir erfahren, dass dies für viele Familien mit kleineren Kindern belastend war, weshalb wir nun auf «laute» Showelemente verzichten. So werden an der Bike-Trial-Show heuer Mountainbiker statt Motorradfahrer mit ihren waghalsigen Stunts begeistern.



Auch digitalisiert wurde das Festival, auf gewisse Art und Weise.
Daniela Quenzer: Das könnte man so sagen. Denn neu ist auch unser «Treasure Hunt», eine digitale Schatzsuche, auf der man auf den Spuren von Julius Maggi ermittelt. Sein Geheimrezept für die legendäre Maggi-Würze ist verschwunden und soll gefunden werden. Als Belohnung bekommt man nach dem Abschluss zwar nicht das Rezept – dafür aber ein cooles Goody. Am Festival kann eine komprimierte Version des Trails gratis absolviert werden.
Das heisst, der Abenteuerpfad wird ausgebaut?
Daniela Quenzer: Ja. Ab September kann er für 15 Franken pro Team jederzeit selbständig auf dem Areal gemeistert werden. Eine stete Aktualisierung der Posten sorgt dafür, dass der «Treasure Hunt» als langfristige Attraktion nie langweilig wird.
Alles andere als langweilig dürften die Konzerte werden.
Rainer Quenzer: Das hoffen wir. Sie werden neu auf der Rail Stage, einem alten Maggi-Bahnwagen, durchgeführt. Das Riesenrad werden wir leider nicht mehr aufbauen, die Auf- und Abbauarbeiten strapazierten das Tagesgeschäft der ortsansässigen Firmen zu sehr und zu lange.
Wie wurden die Musiker ausgesucht?
Daniela Quenzer: Die Künstler haben sich erstaunlicherweise alle selbst «beworben». Letztes Jahr hatten wir bekanntere Grössen am Start. Der erhoffte Zulauf ihrer Fans war aber ernüchternd. Deshalb entstand die Idee, den grossen Platz für ein Open-Air-Cinema zu nutzen und die Musik-Acts auf eine kleinere Bühne zu verschieben – in einem persönlichen, charmanten Rahmen, der Strassenmusik nahekommt.
Der Eintritt ist, mit Ausnahme des Open-Air-Cinema, immer noch frei?
Rainer Quenzer: Ja, das war uns sehr wichtig, gerade im Hinblick auf die vielen Familien. Eine Abriegelung des Areals würde, abgesehen vom organisatorischen Aufwand, auch unserem Konzept der offenen Tore widersprechen. Beim Open-Air-Cinema sehen wir uns gezwungen, Eintritt zu verlangen, nur schon aufgrund der Filmrechte, die rund ein Drittel der Ticketpreise verschlingen.

Das vierköpfige qiip-Team hat das Summer Festival 2022 ins Leben gerufen. Entstanden ist die Idee aus der Not heraus: «Wir haben das Corona-Loch, das die meisten Eventagenturen zu beklagen hatten, für die Konzepterarbeitung genutzt», so Rainer Quenzer. Die Idee gefiel den Investoren von The Valley und wurde unter dem gleichnamigen Brand von qiip umgesetzt. Die Premiere war ursprünglich für 2021 geplant, ist aufgrund der unsicheren Lage jedoch auf 2022 verschoben worden.
Gegründet wurde die Agentur qiip von Rainer Quenzer 2012. Sie ist sowohl im Projekt- und Baumanagement tätig als auch in der Planung von temporären Infrastrukturen für Grossveranstaltungen und in der umfassenden Beratung. Gemeinsam mit seiner Frau Daniela führt Rainer Quenzer zudem die Rooftop-Bar Silo im ehemaligen Maggi-Erbs-Silo. (ks)
