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«Ein bewusst geschossenes Bild bleibt für immer im Kopf»

Im Interview sagt Vereinspräsident Peter Jenni, was ihn an Aktaufnahmen fasziniert und wo das Handy einer Spiegelreflexkamera hinterherhinkt.

Eine Nachtaufnahme der Glatt im Zentrum von Dübendorf.

Foto: Martin Jung

«Ein bewusst geschossenes Bild bleibt für immer im Kopf»

100 Jahre Dübendorfer Fotoklub

Seit 100 Jahren gibt es den Fotoklub Dübendorf. Im Interview sagt Vereinspräsident Peter Jenni, weshalb ihn Leute im Dunkeln ansprechen und wo das Handy einer Spiegelreflexkamera hinterherhinkt.

Herr Jenni, die heutigen Smartphones ermöglichen vieles. Braucht es denn noch teure Spiegelreflexkameras und Objektive?

Peter Jenni: Mich überrascht es auch immer wieder, wie gut Handys mittlerweile sind. Bei unserem vereinseigenen Jahreswettbewerb haben Mitglieder schon gesagt, dass sie ihre Aufnahmen mit dem Handy gemacht haben. Das ist auch nicht verpönt. Allerdings stossen Smartphones an ihre Grenzen, wenn es um die Vergrösserung eines Fotos geht. Die Bilder haben im Vergleich zu einer Spiegelreflexkamera eine schlechtere Auflösung. Ansonsten muss ich zugeben, dass die Smartphones mehr und mehr zu vollwertigen Kameras werden. Selbst bei der Tiefenschärfe sind die Hersteller schon so weit, dass sich Porträtaufnahmen von Personen mit unscharfem Hintergrund machen lassen.

Greifen Sie selber auch ab und zu zum Smartphone?

Ja. Erst kürzlich habe ich bei der Taufe meiner Enkelin versucht, ein Foto mit der Spiegelreflexkamera zu schiessen. Weil aber die Lichtverhältnisse sehr schwierig waren – vorne zu hell, hinten zu dunkel –, gelang es mir lange nicht, die richtige Belichtungseinstellung zu finden. Mit dem Handy war das aber kein Problem. Es hat die Kontraste von allein ausgeglichen.

Welche Bilder gefallen Ihnen persönlich am besten?

Ich finde Dokumentationen von Städten sehr interessant, die zeigen, wie sich ein urbanes Gebiet im Lauf der Zeit verändert hat. Street-Fotografie ist spannend, das mache ich auch in Dübendorf. In den letzten Jahren habe ich mich zudem vermehrt auf Aktfotografie konzentriert. Doch der Grat bei diesem Genre ist sehr schmal.

Wie meinen Sie das?

Dass ein Aktfotograf nicht ins Erotische oder Schlüpfrige abgleitet. Obwohl mir natürlich bewusst ist, dass dieses Empfinden bei jedem Menschen unterschiedlich ist. Ganz wichtig ist dabei die Ästhetik.

Haben Sie auf Ihre Bilder mal ein negatives Feedback eines Betrachters erhalten?

Nein, nicht direkt. Dennoch spreche ich immer mal wieder mit Betrachtern darüber und erkläre, worauf ich bei einer solchen Aufnahme Wert lege. Nämlich den Einsatz von Licht, Formen und Strukturen. Vorher war es für einige vielleicht nur eine nackte Frau, danach sehen sie das Bild mit anderen Augen.

Die Mitglieder des Fotoklubs haben verschiedene Nachtaufnahmen in der Stadt Dübendorf gemacht. Im Dunkeln mit einer Kamera unterwegs zu sein, wirft doch sicherlich Fragen auf.

Tatsächlich interessieren sich in der Stadt sofort Leute dafür, spätestens wenn wir das Stativ aufstellen. Viele verstehen nicht, dass wir ein solches für die Langzeitbelichtung brauchen. Sie staunen dann, wenn sie auf meinem Kameradisplay eine Aufnahme mit mehreren Lichtspuren sehen. Meist fehlt ihnen das technische Verständnis, weil sie selber nur noch das Handy benutzen.

Fotoklub feiert Bestehen mit Wettbewerb

Der 70-jährige Peter Jenni ist Präsident des Fotoklubs Dübendorf. Aufs 100-Jahr-Jubiläum hat der Verein einen Wettbewerb mit Geldpreisen für die breite Bevölkerung lanciert. Teilnahmeschluss ist der 1. September. Weitere Infos und Bedingungen unter www.fotoklub-duebendorf.ch. In einer vierteiligen Serie stellt der Fotoklub einen Teil seiner Arbeit im «Glattaler» vor.

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