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Das Ustermer Kulturhaus Central steht vor einer Zäsur

Wenn's am Schönsten ist, sollte man gehen – findet der Noch-Präsident der Kulturgemeinschaft. Doch so schön ist es aktuell eigentlich gar nicht. Deshalb.

Das Kulturhaus Central spielt im kulturellen Leben der Stadt Uster eine zentrale Rolle. (Archiv)

Foto: Seraina Boner

Das Ustermer Kulturhaus Central steht vor einer Zäsur

Trägerverein gibt auf

Seit 2015 führt die Kulturgemeinschaft Uster den Theatersaal des Kulturhauses Central. Nun wird sie den Vertrag mit der Stadt auflösen, um Platz für Neues zu machen. Nur für was?

«Die Kultur in Uster ist nicht tot, die Szene ist sehr aktiv», sagt François With. Was sich wie eine Kampfansage liest, ist nur eine nüchterne Feststellung. Der Noch-Präsident der Kulturgemeinschaft Uster (KGU) mag nicht schwarzmalen. Er ist Realist.

In diesem Sinn ist denn auch die Medienmitteilung zu verstehen, die der Verein an diesem Montagmorgen verschickt hatte. Darin gibt der Vorstand bekannt, dass die KGU den Leistungs- und Bewirtschaftungsvertrag für das Kulturhaus Central per Sommer 2024 auflösen wird.

Die Begründung: «In den vergangenen Jahren ist es leider nicht gelungen, neue, speziell jüngere Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen.»

Tatsächlich wird François With an der Generalversammlung vom 28. Juni zurücktreten, ebenso seine Gremiumskolleginnen Andrea Hassur und Christine Wegmann. Er sagt: «Ich erreiche jetzt die Alterslimite von 75 Jahren, die ich mir gesetzt hatte. In meiner Karriere habe ich schon genug überalterte Präsidenten gesehen. Da muss ich nicht auch noch selbst einer werden.»

Vorderhand wird der Verein von den verbleibenden drei Mitgliedern geführt, zwei davon übernehmen dessen Leitung im Co-Präsidium. Im operativen Bereich bleibt die Verantwortung bei der bisherigen Geschäftsleiterin und ihrem fünfköpfigen Team.

Mitgliederzahlen schwinden

With sieht das Glas halb voll: «Ich bin optimistisch, dass sich mit einem Wechsel neue Möglichkeiten für Junge ergeben. Es ist auch eine Chance, um das Kulturangebot in der Stadt weiterzuentwickeln.»

Seine Aussage impliziert, dass es bei der Kulturgemeinschaft Uster just mit dem Fortschritt zuletzt harzte. Die Besucherzahlen mögen sich nach der Corona-Pandemie zwar wieder erholt haben, die Mitgliederzahlen aber bleiben rückläufig. Deutlich über 1000 Mitglieder zählte der Verein in seinen besten Zeiten, heute sind es noch rund 400.

Eine Mann tritt aus einem Vorhang heraus.
François With präsidiert die KGU seit 2015. Nun gibt er sein Amt ab. (Archiv)

Trotz den Zuschüssen durch den Staat – rund 110'000 Franken kommen jährlich von der Stadt, 90'000 Franken vom Kanton – war es finanziell schwierig, neue Akzente zu setzen. Mehr eigene Produktionen zu ermöglichen, wie es das städtische Kulturleitbild vorsieht, kostet. Und zwar nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Arbeit, die der Verein ehrenamtlich investiert.

«Wir haben versucht, gewisse Dinge anzustossen, etwa im Bereich des Tanzens. Doch bis neue Formate anlaufen, braucht es etwas Ausdauer und dementsprechend finanzielle Ressourcen», sagt With und ergänzt: «Unsere Reserven neigen sich dem Ende entgegen.»

Vor dem Hintergrund, dass die gesamte Kulturszene dereinst ins Zeughausareal dislozieren werde – der offizielle Horizont dafür ist, Stand heute, das Jahr 2028 –, sei der Zeitpunkt für einen Wechsel nun günstig.

Trägerschaft wird neu ausgeschrieben

Bei der Stadt zeigt man sich von der Ankündigung nicht überrascht. Man sei stets im engen Austausch mit dem Verein und wisse um die Herausforderungen, mit denen sich dieser konfrontiert sehe.

«Die Kulturgemeinschaft Uster hat in ihrer 77-jährigen Geschichte das kulturelle Leben der Stadt mit ihren vielen Veranstaltungen geprägt. Natürlich ist es traurig, wenn sich eine solche Institution zurückziehen muss», sagt der Ustermer Kulturbeauftragte Christian Zwinggi.

Umgekehrt, so erklärt er, würden dadurch auch wieder Ressourcen frei. Man werde die ausserterminliche Kündigung des Vertrags, der noch bis 2025 laufe, akzeptieren und die Trägerschaft neu ausschreiben.

Ein leerer Stuhl steht auf einer Bühne.
Verwaist? Nein, im Kulturhaus Central wird auch künftig Kultur geboten. (Archiv)

Diese soll sich dann auch gezielt auf das geplante Kultur- und Begegnungszentrum auf dem Zeughausareal ausrichten können. Auf die Frage nach neuen Schwerpunkten mag Zwinggi nicht ins Detail gehen. Stattdessen betont er: «Elementar ist, dass ein eigenständiges und lebendiges Kulturangebot entsteht, das zu den Ustermerinnen und Ustermern passt.»

Wer konkret in die Bresche springen könnte, ist derzeit noch offen. Die Aufgabe ist durchaus anspruchsvoll. Vonseiten der Stadt werden erste Fühler ausgestreckt. Und der zurücktretende KGU-Präsident François With ist zuversichtlich, dass sich eine gute Lösung finden wird.

Dabei schliesst er nicht einmal ein Comeback der Kulturgemeinschaft gänzlich aus. «Die Zukunft des Vereins wird sich im nächsten Jahr klären – vielleicht entscheidet man sich dann auf einmal doch noch dazu, sich wieder zu bewerben», sagt With.

Der Kulturbeauftragte Zwinggi mag dagegen nicht spekulieren. Für ihn steht aktuell anderes im Vordergrund: «Ich freue mich auf eine fulminante letzte Saison voller toller Veranstaltungen. So, wie es die Kulturgemeinschaft Uster nach 77 Jahren verdient hat.»

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