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Die ehemalige «verbotene Stadt» lädt ein zum Gartentag

Ist das Kunst oder kann das weg? Bei der Kawamata-Brücke in Uster stellt sich diese Frage nicht. Im Gegenteil.

Der Zellweger-Park am Aabach wurde ab 2005 zum Wohngebiet umgebaut.

Foto: Paulo Pereira

Die ehemalige «verbotene Stadt» lädt ein zum Gartentag

Führung und Konzerte im Zellweger-Park

Die Schweizerische Gesellschaft für Gartenkultur feiert ihr 40-Jahr-Jubiläum in zwei umgenutzten Industriegebieten – eines davon ist in Uster. Damit möchte sie neuartige Landschaftsarchitektur des 21. Jahrhunderts zelebrieren.

2005 wurde das ehemalige Industriegebiet am Aabach in ein Wohn- und Arbeitsquartier umgewandelt. Fünf Architekturbüros arbeiteten an der Neugestaltung des rund 17 Fussballflächen umfassenden Zellweger-Areals mit – darunter grosse Namen wie Herzog & de Meuron.

Daneben haben sich auch der Pavillon auf dem Weiher, die Kawamata-Brücke und die mächtige Baumallee mittlerweile zu architektonischen und landschaftlichen Attraktionen gemausert. Nun feiert die Schweizerische Gesellschaft für Gartenkultur (SGGK) den ersten Teil ihres 40-Jahr-Jubiläums in der ehemaligen «verbotenen Stadt».

Zur Geschichte des Zellweger-Parks

1824 errichtete der «Spinnerkönig» Heinrich Kunz auf dem Gelände des heutigen Parks eine Grossspinnerei. Künstlich angelegte Weiher und ein Kanalsystem lieferten die nötige Energie. Seit 1925 gehört das Gelände der Zellweger Uster AG, welche 1993 mit der Luwa AG zur Zellweger Luwa AG fusionierte. 2003 erfolgte erneut eine Umstrukturierung: Die Zellweger Park AG übernahm das gesamte Industrieareal. Mit der Zellweger AG wuchs in den folgenden Jahren der grösste Arbeitgeber Usters heran, der seinen Betrieb nach 1945 weiter ausbaute und eine «verbotene Stadt» hinterliess, die nur die Arbeitnehmer betreten durften. Erst 1990 wurde das Verbot aufgehoben, und die Bevölkerung durfte die parkähnlichen Anlagen erkunden. Die Transformation des Industrieareals zu einem lebendigen Wohn- und Arbeitsquartier wurde 2005 entwickelt und seither konsequent in die Tat umgesetzt.

Damit möchte der Verein neuartige Gärten des 21. Jahrhunderts ins Zentrum stellen, wie Toni Raymann, Präsident ad interim der SGGK, erklärt. Er hat den Anlass gemeinsam mit Ruth und Roger Girod ins Leben gerufen.

Herr Raymann, was interessiert Sie persönlich an der Landschaft im Zellweger-Park?

Toni Raymann: Mich fasziniert, dass die Natur natürlich gewachsen ist und zurückhaltend aussieht. Ich würde zum Beispiel nicht «Garten» dazu sagen, denn man kann nicht genau feststellen, was neu angebaut und was organisch gewachsen ist. Rund um die Wohnhäuser Gigon/Guyer zum Beispiel wirkt die Landschaft sehr parkähnlich und natürlich. Diese Art von Gartenkultur hat die Masse noch nicht erreicht, deswegen empfinde ich dies als ein spannendes Feld. Zudem bietet der Zellweger-Park ein wichtiges Stück Industriegeschichte. Der Weiher im Zentrum des Parks sowie die Umwandlung des Areals in ein Wohnquartier bestechen.

Es stehen gleich zwei Industrieareale an einem Tag im Fokus, warum zwei Orte?

Wir haben uns von der Euphorie des musikalischen Leiters Roger Girod anstecken lassen. Morgens finden ein Konzert und eine Tanzperformance auf der Kawamata-Brücke im Zellweger-Areal statt, und abends treten weitere Künstlerinnen und Künstler im MFO-Park in Oerlikon auf. Ich erwarte nicht, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer den ganzen Tag bleiben. Da die Konzerte an öffentlichen Orten stattfinden, muss man sich dafür nicht anmelden. Wir gehen davon aus, dass viele Menschen spontan dazukommen werden und sich mitnehmen lassen von den Klängen. Für die Führungen sollte man sich jedoch anmelden.

Für wen ist die Veranstaltung?

Unser Verein richtet sich an Besitzerinnen und Besitzer von eigenen Gärten, allgemein interessierte Menschen, an Laien sowie Fachleute. Mit diesem neuen Konzept möchten wir auch eine neue Bevölkerungsschicht ansprechen, die die SGGK kennenlernen will.

Auf welchen Programmpunkt freuen Sie sich besonders?

Ich bin sehr gespannt, wie sich die Musik an den beiden einstigen Industriegebieten anfühlt. Der Morgen im Zellweger-Park auf der Kawamata-Brücke wird wohl wie ein Aufeinandertreffen aus zwei Kontinenten sein. Asiatische Tai-Chi-Bewegungen treffen auf westliche Saxofonklänge. Ich bin sehr gespannt, wie Musik, Tanz und der Ort gemeinsam wirken. Die Kawamata-Brücke wurde ja von einem Japaner gebaut. Auch freue ich mich allgemein auf die improvisierte Musik, sie wird so kein zweites Mal gespielt. Musikerinnen und Musiker nehmen somit direkten Bezug zur Umwelt. Da liegt auch eine gewisse Spannung drin, denn niemand weiss, wie es dann wirklich klingen wird.

Der Gartentag nennt sich «Poetische Orte in einstigen Industriegebieten»: Was ist denn so poetisch zum Beispiel am Betonbau von Herzog & de Meuron?

Das darf man sicher auch mit einem Augenzwinkern betrachten. Herzog & de Meuron sind preisgekrönte Architekten, da wollten sie wahrscheinlich auch etwas Spezielleres bauen. So haben sie also eine wahre Burg designt. Ich denke, dass es viele Menschen gibt, die gerne sagen, sie lebten in einem Haus von Herzog & de Meuron. Das zieht dann auch spezielle und kunstaffine Menschen an.

Das Gebäude von Herzog & de Meuron ist aus Beton und hat runde Erker.
Das Gebäude von Herzog & de Meuron bietet eine ungewöhnliche Architektur.

Gartentag am 3. Juni ab 8 Uhr

Zum 40-jährigen Bestehen der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur (SGGK) trifft man sich an zwei landschaftsarchitektonisch interessanten Orten. Der Zellweger-Park in Uster und der MFO-Park in Zürich stehen beide für den Wandel von Industriearealen zu neuartigen Landschaften mit speziellen Gärten des 21. Jahrhunderts. Es gibt Diskussionen, Führungen und Kultur.

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