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«Und alle Schweizer haben gekifft»

Erfahren sind sie ja, die drei Hamburger, die schon an die Tür zu ihrem 50. Lebensjahr klopfen. Dass sie ortsfremd sind, konnten sie in Dübendorf hingegen schlecht verbergen.

Die Band Fettes Brot rappte am Mittwochabend in der Dübendorfer Mehrzweckhalle The Hall. Sie will Ende Jahr aufhören.

Foto: Seraina Boner

«Und alle Schweizer haben gekifft»

Band Fettes Brot in The Hall

Das deutsche Hip-Hop-Trio Fettes Brot machte auf seiner Abschiedstournee Halt in Dübendorf. Die Band erinnerte sich an die kiffenden Schweizer und das Publikum an «Schwule Mädchen».

Wer ein Nimmerwiedersehen verkündet, sollte vorher doch mal «Grüezi» gesagt haben. Das fand auch die deutsche Hip-Hop-Band Fettes Brot, die am Mittwochabend ein selbstbewusstes «Grüezi, Züri» in den Saal von The Hall posaunte. Erfahren sind sie ja, die drei Hamburger, die schon an die Tür zu ihrem 50. Lebensjahr klopfen. Dass sie ortsfremd sind, konnten sie hingegen schlecht verbergen. Schliesslich war nicht Zürich, sondern Dübendorf Austragungsstätte des Anlasses.

«History Tour» nennen Dokter Renz, König Boris und Björn «Schiffmeister» Beton den Rahmen ihrer Adieu-, Tschau, tschau – oder was auch immer – Abschiedssause. Ende Jahr soll Schluss sein, rund 31 Jahre nach der Gründung. Da liessen sich die Fans nicht zweimal bitten: Das Konzert war ausverkauft. Vielleicht wollten einige noch mal mit eigenen Augen sehen, ob der ewig jung aussehende Boris nicht doch ein paar Fältchen bekommen hat.

Die Zeichen des Alters liessen sich die Mitglieder der Band auf der Bühne nicht anmerken. Wie eh und je machten sie Stimmung, schliesslich mussten sie ihrem Ruf als «Mutter aller Partybands» gerecht werden, den sie zuvor kurzerhand verkündet hatten.

Nordsee-Sound

Das Publikum sang «Emanuela», «An Tagen wie diesen» oder – den Klassiker schlechthin – «Nordisch by Nature» im Einklang mit der Band. Zu Letzterem passte auch der Fischkutter auf der Bühne, der als Kulisse diente.

Wieso machen wir diesen Scheiss – ach ja, wegen der Mädchen.

Dokter Renz, Mitglied Fettes Brot

König Boris erinnerte sich zwischen zwei Songs noch genau daran, wie er das erste Mal in die Schweiz gekommen war. 1995 sei es gewesen. «Und alle Schweizer haben gekifft», sagte er. Davon war allerdings in The Hall nichts zu sehen, ausser ein paar wenigen E-Zigaretten-Rauchern liess sich niemand zu einem Verstoss gegen das Rauchverbot hinreissen.

Noch nie die falsche Stadt geehrt?

Dokter Renz fiel kurz vor Ende ein, wieso sie den «Scheiss» – also die Musik – in den 1990er Jahren eigentlich angefangen hatten: «Ach ja, wegen der Mädchen.»

Und Björn «Schiffmeister» Beton war stolz, dass er noch nie während eines Konzerts die jeweilige Stadt falsch benannt hat. Diesen vermeintlichen Triumph wollte ihm das Publikum so kurz vor der Bandauflösung nicht nehmen. Es verzichtete auf Protestrufe und liess Dübendorf Zürich sein. Es gab ja ausser der kleinen geografischen Bildungslücke nichts an der Performance der Band zu mäkeln.

Dankend nahm es den Song «Schwule Mädchen» entgegen, mit dem das Trio vor 20 Jahre ein Zeichen gegen frauenfeindliche und homophobe Hip-Hopper setzte. Und nach Zugaben und «Machs gut, Züri!»-Abschiedsworten war Fettes Brot weg. Einige Konzertbesucher sangen noch eine Weile «Schwuuule Mädchen», bevor sie sich von Dübendorf auf den Weg nach «Züri» machten.

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