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Kultur

Fischli/Weiss färben Uster ein

Bunt projizierte Lichtbilder mit symmetrischen Blumen, die doch nicht so perfekt sind, wie sie scheinen. Das Duo arbeitete immer mit einem Augenzwinkern.

Geometrische Figuren aus Licht schaffen zufällige Momente.

Foto: Eleanor Rutman

Fischli/Weiss färben Uster ein

Bunte Vernissage

Das international bekannte Künstlerduo Fischli/Weiss zeigt mit magischen Lichtinstallationen und schwebenden Plexiglaskuben die Lust am Unperfekten.

Peter Fischli und David Weiss zeigen ihr Werk in den Räumen der Bechtler-Stiftung. Die bunt projizierten Lichtbilder ziehen einen sofort in den Raum hinein. Sie wirken wie perfekt orchestrierte Umlaufbahnen von Planeten oder symmetrische Lichtblumen. Wer genauer hinschaut, bemerkt jedoch kleine Abweichungen wie minimale mechanische Störungen.

Von Hand angekurbelte Kunst

Diese Lichtstreifen sind alles andere als perfekt. Kein Wunder, denn die Bilder sind nicht mit Computerprogrammen entstanden, sondern mit spielzeugartigen Vorrichtungen: Diese werden sogar von Hand angekurbelt.

Kleine Arme rotieren dabei in alle Richtungen, an deren Enden sind kleine LED-Lämpchen angebracht. Eine Kamera zeichnet in Langzeitbelichtung auf: Faszinierend, wie sie in knalligen Farben ihre Umlaufbahnen hinterlassen. «Surrli» nennt sich das spielerisch-bunte Werk des Künstlerduos. Es ist Teil der Ausstellung «Ein ruheloses Universum».

Zwei Männer im Tierkostüm im Museum

Im selben Raum befinden sich zwei schwebend wirkende Glaskuben. Schwarzes Plexiglas spannt die Zuschauerin und den Zuschauer geheimnisvoll auf die Folter. Erst beim zweiten Hinschauen erkennt man in den Kuben zwei Tierkostüme: eine Ratte und einen Bären. Es sind die Originalkostüme einer der ersten Performances des Duos.

Die beiden Künstler haben die Kostüme 1981 zu Beginn ihrer Karriere in Los Angeles gemietet. Diese waren auch der Antrieb, warum das Duo seinen ersten Film drehte: «Der geringste Widerstand», entstanden mit einer Super-8-Kamera.

Zwei Taugenichtse in Ratten- und Bärenkostüm schlendern durch ein Museum in Hollywood, sprechen dabei über das Scheitern und die Aussichtslosigkeit des Lebens. Dabei stellen sie sich viele Fragen, die vom Alltäglichen ins Philosophische schwappen.

Die Vernissage von Fischli und Weiss in der Bechtlerstiftung 2023
Viele der damaligen Fragen sind heute im Büchlein «Findet mich das Glück?» verewigt.

Um nicht in einer existenziellen Krise zu versinken, erfinden die beiden Tierfiguren grafische Diagramme, um sich an etwas festhalten zu können. So schwimmen sie in absurden Erklärungen, fühlen sich damit aber sicher.

Das Künstlerduo Fischli/Weiss

Peter Fischli und David Weiss († 2012) arbeiteten von 1979 bis 2012 zusammen und gehören zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern der Schweiz. Das Thema von Fiktion und Authentizität zieht sich durch ihre Arbeiten, immer begleitet von einem Augenzwinkern. Sie sind die Autoren des bekannten Geschenkbüchleins «Findet mich das Glück?». Darin werfen sie alltägliche bis tiefgründige Fragen auf und begegnen philosophischer Schwere mit spielerischer Ironie: Gibt es zu viel des Guten? Driftet alles auseinander? Wie wirke ich? Soll ich untertauchen? Bin ich ein Sonderling? Oder: Was denkt mein Hund? Weltbekannt wurden Fischli/Weiss mit ihrer Videoarbeit «Der Lauf der Dinge» (1987), die sie zum ersten Mal an der Documenta 8 in Kassel zeigten. Das Konzept des spielerischen Kreislaufs wurde danach oft kopiert, etwa von der Power-Pop-Band OK Go mit dem Video «This Too Shall Pass».

Ausstellung in der Bechtler-Stiftung

Die Vernissage findet am Samstag, 15. April, von 11 bis 15 Uhr in Anwesenheit von Peter Fischli statt.
Anschliessend wird die Ausstellung «Ein ruheloses Universum» von Fischli/Weiss bis zum 17. September 2023 zugänglich sein.
Die Bechtler-Stiftung in Uster ist jeweils von Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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