Pfäffiker Bikers Base: Wie der Traum zum Alptraum wurde
Die Geschichte hinter dem Konkurs
Wegen Konkurs musste der Motorradtreff in Pfäffikon schliessen. Tausende von Franken gingen verloren, Freundschaften zerbrachen deswegen. Der Hintergrund.
«Wir haben Blut, Schweiss und Tränen geschwitzt.» Es waren feierliche Worte, mit denen Marco Caviezel den Motorradtreffpunkt Bikers Base in Pfäffikon im September 2020 eröffnete. Er wollte Corona trotzen, die Base zum Szene-Treff machen.
Die Bikers Base soll einerseits von einem Gastrobetrieb leben, andererseits aber auch von kleineren Unternehmen, die sich in der Halle einmieten – so zum Beispiel ein Barber-Shop, ein Tattoo-Studio oder eine Zigarren-Lounge.
Zwei Jahre später ist der Betrieb am Ende. Die McEvents AG, Betreiberin der Bikers Base, ist Konkurs. Im Juli wurde das Verfahren aufgrund diverser Betreibungen eröffnet. Im Dezember war klar, dass nicht genügend Geld vorhanden ist, um die Gläubiger auszubezahlen – das Verfahren wurde eingestellt.

Der Traum von Marco Caviezel liegt in Trümmern, vom geplanten Szene-Treffpunkt ist nichts mehr übrig. Tausende von Franken sind für immer verloren. Einstige Freunde und Geschäftspartner sprechen nicht mehr miteinander.
Die Halle inklusive Inventar geht zurück an den Eigentümer, der gleichzeitig auch Vermieter war.
Doch wie konnte es zum Scheitern kommen? Eine Spurensuche.
Ein Mann, ein Wort
Pfäffikon im September 2016. Marco Caviezel hat einen grossen Traum: Die erste Bikers Base der Schweiz in Pfäffikon zu eröffnen. Eine Lokalität, die in erster Linie Motorradfans, aber auch sonstige Interessierte anlocken soll.
Um seinen Traum wahr werden zu lassen, möchte Caviezel Chrigi Kessler an seiner Seite haben.
Der Gründer der Highland Games und Betreiber des Restaurants Speck in Fehraltorf gilt als Lokalmatador. Er ist in und ausserhalb der Region gut vernetzt, kennt gefühlt jeden – und jeder kennt ihn. Er und Caviezel werden Freunde und nehmen die Realisation des Projekts gemeinsam in Angriff.

Kessler ist es dann zu verdanken, dass auch andere auf das Projekt aufspringen. «Ein Mann, der sein Wort hält», wird ihm später nachgesagt. Man vertraut ihm – und somit also auch Caviezel, um dessen Traum es bei der Bikers Base schliesslich geht.
Zu jenen, die vertrauen, gehören auch Dominik Mäder aus Dürnten und Daniel Baumgartner aus Pfäffikon. Mäder liefert einen Grossteil des benötigten Holzmaterials, Baumgartner war interessiert, sein Whiskey- und Zigarrenangebot zukünftig in der Base anzubieten. Beide helfen zudem eigenhändig beim Auf- und Ausbau der Halle mit.
Das Projekt schreitet voran, man versteht sich gut– bis der damals 63-jährige Chrigi Kessler im Januar 2020 dem Krebs erliegt. Sein Tod reisst nicht nur ein Loch in die Herzen vieler Menschen – er markiert auch den Anfang vom Ende der Bikers Base.
Ein Traum begann zu bröckeln
Kessler wäre in der Base für die Gastronomie verantwortlich gewesen und sollte der Firma von Marco Caviezel beitreten. Der gesamte Umsatz des Gastro-Betriebs wäre dann in die McEvents AG geflossen.
Bevor es soweit kam, starb Kessler jedoch. Caviezel brauchte einen Plan B. Dieser resultierte in einem Vertrag mit einem Pächter, wie er sagt. Er sei zwar erleichtert gewesen, eine Lösung gefunden zu haben – aus finanzieller Sicht war diese aber nicht befriedigend. «Die Miete ging an mich, den Gastro-Umsatz strichen sie selber ein» – Geld, das Caviezel in der eigenen Kasse fehlte.

Damit blieben Caviezel nur noch vereinzelte Einnahmequellen, zum Beispiel die Mieten seiner Untermieter oder die Einnahmen aus dem eigenen Merchandise-Shop.
Aufgeben war dennoch keine Option für ihn. «Das hätte Chrigi nicht gewollt. Das Projekt war zu weit fortgeschritten, um den Stecker zu ziehen», so Caviezel.
Mit einem Versprechen verschuldet
Die finanziellen Probleme nahmen derweil immer grössere Ausmasse an, wie Dominik Mäder und Daniel Baumgartner aus eigener Erfahrung sagen können. Bei beiden verschuldete sich Caviezel bereits vor Eröffnung der Bikers Base.
Wir vertrauten Marco – Chrigi tat es schliesslich auch.»
Dominik Mäder, Gläubiger
Im Frühling 2020 lieh Caviezel sich von Mäder 40'000 Franken. Zudem bezahlte Baumgartner für den Base-Betreiber eine ausstehende Rechnung beim Sanitär von 37'000 Franken, da dieser sonst nicht weitergearbeitet hätte.
«Marco versprach uns, dass wir unser Geld zurückerhalten, sobald der Betrieb Fahrt aufnimmt. Wir vertrauten ihm – Chrigi tat es schliesslich auch», sagt Mäder.
Baumgartner ergänzt: «Wir haben weiter an das Projekt geglaubt und waren überzeugt davon, dass Marco die Kurve noch kriegt. Schliesslich steckten wir mitten im Beginn einer Pandemie, da kann der Aufbau eines neuen Unternehmens gewisse Schwierigkeiten mit sich bringen.»
Offene Rechnung und eine letzte Hoffnung
Hinter dem Projekt Bikers Base stand weder eine Bank noch ein grosser Investor. Das bestätigt Marco Caviezel. Die Base wurde mittels Eigenkapital von seiner Frau und ihm, den Einnahmen aus einem Crowdfunding und diversen Darlehen aus dem Bekanntenkreis finanziert.
Weiter wollten zwei Personen die Abschlussrechnungen verschiedener Handwerker und Lieferanten übernehmen. Beide sind dann abgesprungen. «Sie begründeten den Entscheid damit, sich in Zeiten von Corona zuerst um ihre eigenen Firmen kümmern zu müssen.»
Ohne finanzielles Polster und trotz vieler offener Rechnungen eröffnete Caviezel die Bikers Base im September 2020. Er hoffte, die anderen Bereiche der Base – Events und selbst organisierte Reisen – würden das Loch in der Kasse stopfen. «Darauf waren wir angewiesen», sagt er rückblickend.
Einige Wochen darauf dann der nächste Schock: Der Bundesrat schickt die Schweiz zum zweiten Mal in einen Shutdown. Damit fielen auch die geplanten Reisen und Veranstaltungen vorerst ins Wasser – das Loch in der Kasse wurde grösser und grösser.
Auf das Vertrauen folgt der Frust
Dennoch gab Caviezel nicht auf – eine Schliessung war für ihn keine Option. Er glaubte nach wie vor an seinen Traum, suchte nach neuen Geldgebern und anderen Lösungen, um an Geld zu kommen. «Ich habe die Firma Monat für Monat mühsam gerettet.»
Immer wieder versprach er Mäder, Baumgartner und weiteren Gläubigern, das Geld komme bald, er habe eine Lösung in petto. Anfangs haben Mäder und Baumgartner noch daran geglaubt – im Mai 2021 hatte Mäder genug von den leeren Versprechungen und leitete die Betreibung gegen die McEvents AG ein. «Er baute sich seinen eigenen Traum auf Kosten anderer auf. Das finde ich einfach nur arrogant und egoistisch», so der Dürntner.
Die vermeintlichen Investoren sagten ab oder vertrösteten mich.»
Marco Caviezel, Betreiber der ehemaligen Bikers Base
Caviezel verteidigt sich. «Ich habe unzählige Gespräche geführt mit Investoren oder potenziellen Geldgebern.» Von allen Seiten hiess es, er erhalte Hilfe, was er immer wieder an die Gläubiger weitergab.
Aber es kam keine rechtzeitige Zusammenarbeit zu Stande. «Die vermeintlichen Investoren sagten mir ab oder vertrösteten mich und ich musste das so an die Gläubiger weitergeben.
Die Notbremse wollte er dennoch nicht ziehen. Das Konzept der Base habe sich schliesslich bewährt. «Der Betrieb lief gut, die Hütte war regelmässig voll. Auch während der Zertifikatspflicht.»
Ein Ende mit Schrecken
Es half jedoch alles nichts: Am 5. Juli wurde das Konkursverfahren gegen die McEvents AG eröffnet. Infolgedessen wurde Caviezel von seinem Vermieter aufgefordert, ein Sicherheitsdepot von sechs Monatsmieten, also 60'000 Franken, zu hinterlegen – ansonsten drohe ihm die fristlose Kündigung. Geld, das Caviezel aus eigener Tasche bezahlte.

Er hält konsequent an seinem Traum fest, trotz zermürbendem Kampf und viel Geld, das verloren ging. Nicht verloren gehen sollen die 60'000 Franken. Geld, das ihm seiner Meinung nach zusteht. Deshalb hat Caviezel ein Betreibungsverfahren gegen seinen ehemaligen Vermieter eingeleitet.
«Ich habe die Miete bezahlt, kann den Laden aber nicht nutzen. Das nehme ich so nicht hin.» Erhält er vor Gericht Recht, will er das Geld verwenden, um einen Teil seiner Schulden zu tilgen.
«New Bikers Base» soll kommen
Gleichzeitig ist er bereits auf der Suche nach einem neuen Standort für die «New Bikers Base». Ob dieser im Zürcher Oberland liegen wird, wird sich zeigen.
Das Konzept der Base finde Anklang – schliesslich sei der Treff regelmässig gut besucht gewesen. Daran will Caviezel anknüpfen, weshalb er aktuell abermals auf der Suche nach Investoren ist und eine Arbeitsgruppe gegründet hat. Die Erfahrung in Pfäffikon hat ihn aber vorsichtiger werden lassen. «Künftig schaue ich mir ganz genau an, mit wem ich zusammenarbeite.»
