Kürbisausstellung auf dem Juckerhof: Kritik wegen happigen Eintrittspreisen
Eintrittspreis löst Aufschrei aus
Die Herbstzeit ist auch Kürbiszeit. Niemand im Oberland lebt dieses Mantra so sehr wie der Juckerhof in Seegräben. Doch ab diesem Jahr kostet der Eintritt zur Kürbisausstellung.
Tausende Besucher strömen in das kleine Seegräben an die Gestade des Pfäffikersees. Grund dafür: die sehr beliebte Kürbisausstellung des Juckerhofs. Doch während in den vergangenen Jahren der Overtourismus und das Verkehrschaos für erhitzte Gemüter im Dorf gesorgt haben, schlagen dieses Jahr die kürzlich veröffentlichten Ticketpreise bei den Besucherinnen und Besuchern hohe Wellen.
In den früheren Jahren war der Eintritt zur Ausstellung gratis. Im Frühjahr forderten die Anwohner in Seegräben mittels einer Petition, dass etwas gegen die vielen Besucherinnen und Besucher und die Verkehrsproblematik gemacht werde. Über 150 Seegräbnerinnen und Seegräbner unterstützten diese Forderung.
Der Hof reagierte und führte in Zusammenarbeit mit der Gemeinde mehrere neue Massnahmen ein. Eine davon sind eben die neuen Tickets. Und genau diese sorgen nun wieder für erhitzte Gemüter.
Online ist man nicht zufrieden mit den Preisen
«Sorry, ein Kunde weniger, das finde ich völlig überrissen», kommentierte ein User unter einem der letzten Instagram-Beiträge des Juckerhofs. «Ziemlich extreme Eintrittspreise», stimmt ein anderer zu. Online werden die neuen Preise harsch kritisiert. Ein User merkte gar an: «Das werdet ihr bereuen …».
Während Tickets im Vorverkauf zwischen 8 und 10 Franken kosten, legt man ab dem Ausstellungsbeginn am 21. September für ein Ticket am Wochenende 20 Franken auf den Tisch. Unter der Woche beträgt der Preis 16 Franken. Will man also spontan mit den Kindern und den Grosseltern die Kürbisfiguren betrachten, zahlt man nun schnell mal 80 Franken.
20 Franken kostet der Tageseintritt
Dass man künftig für die Kürbisausstellung zahlen muss, ist also keine Neuigkeit. Der im April angedeutete Preis für Tickets im Vorverkauf blieb zwar bei 8 Franken. Dass der Tageseintritt nun gar das doppelte und am Wochenende 20 Franken kostet, wurde damals noch nicht kommuniziert.
«Ja, der Tageseintritt vor Ort an den Wochenenden ist für Familien gross», sieht Nadine Gloor ein. «Doch der Eintritt ist für Kinder bis 16 Jahre gratis, und die Mehrheit der Familien kommt mit jüngeren Kindern», führt die Leiterin Marketing und Kommunikation des Hofs aus. Dieses Jahr sei eine Testphase, der Preis könne sich im kommenden Jahr wieder verändern.

«Da die Dauer der Ausstellung von acht auf vier Wochen verkürzt wurde, versuchen wir diese fehlenden Einnahmen mit dem Preis aufzufangen. Auch das Ticketing-Personal und der an Wochentagen vom Juckerhof finanzierte Shuttlebus nach Seegräben kosten Geld», erklärt Gloor die Preise weiter. Auch die Kürbisfiguren würden generell viel Geld kosten.
Nun gibt es doch keine Besucherlimitierung
«Wenn man bei uns online ein Ticket kauft, ist das preiswerter», sagt Gloor. Auch der Onlineeintritt während der Ausstellung werde billiger sein. «Den genauen Preis wissen wir noch nicht, aber den werden wir in den kommenden Wochen bekannt geben.»
«Im Idealfall kaufen alle Besucher online ein Ticket, so können wir besser planen.» Ziel all dieser Massnahmen ist es, den Overtourismus im Dorf zu bekämpfen. Doch während im April noch von einer limitierten Ticketanzahl gesprochen wurde, sieht die Juckerfarm von diesem Schritt nun wieder ab.
Nun wird also die Ausstellung nur durch den Preis beschränkt. Führt das nun nicht dazu, dass in der verkürzten Zeit doppelt so viele Besucher kommen, der Hof viel verdient und das Problem gar verschärft wird? «Theoretisch ist das möglich», sagt Gloor.
Falls wir sehen, ein Tag hat ein hohes Besucheraufkommen, können wir die Tickets für diesen Tag auch beschränken.
Nadine Gloor
Leiterin Medien und Kommunikation Juckerhof
Aber durch den Online-Verkauf könne man die Besucheranzahl besser einschätzen. «Falls wir sehen, dass diese an einem Tag hoch sind, können wir die Ticketanzahl für diesen Tag dann auch beschränken.» Aber eine Limitierung im Vorhinein bringe nichts, wenn man nicht wisse, wie viele Menschen kommen.
«Wir vermuten auch, dass sich der Ansturm auch auf die Wochentage verteilt, da die Tickets dort günstiger sind», hofft Gloor. Alle Massnahmen seien zudem mit der Gemeinde abgesprochen worden. Auch Marc Thalmann, Gemeindeschreiber von Seegräben, merkt an, dass es wohl eine Konzentration der Besuchenden geben werde. «Aber es ist auch im Interesse des Juckerhofs, nicht mehr Gäste zuzulassen, als sie aufnehmen können.»
Dieses Jahr sieht er als Übergangsjahr. «Wir sind sicher auf einem guten Weg, aber wir müssen bestimmt noch nachjustieren.» Nach der Kürbisausstellung werden Gespräche stattfinden. In welcher Form werde der Gemeinderat noch bestimmen.
Wird der Hof nun zur abgesperrten Festung?
Was bedeuten diese Massnahmen für die Anwohner und Spaziergänger? Für Spaziergänger werde der Hof während der Ausstellung nicht mehr zugänglich sein. «Diese müssen dann auf den Weg beim See ausweichen.» Anwohner kommen mit ihrer Anwohnerkarte jedoch gratis an die Ausstellung.
Der Juckerhof werde jedoch nicht zur abgezäunten Festung. An den Eingängen werde das Personal bereitstehen und die Besucherinnen und Besucher kontrollieren. Metallgitter sind keine geplant. «Wir vertrauen unseren Kundinnen und Kunden.
Mit den neuen Ticketpreisen macht der Hof einen Schritt auf die Bevölkerung Seegräbens zu, um den Besucheraufmarsch zu begrenzen. Gleichwohl macht die Juckerfarm aber auch, glaubt man den Onlinekommentaren, einen Schritt weiter weg von seinen Besuchern. Ob sich das neue Eintrittsregime bewährt, wird sich am 21. September zeigen. Dann startet die diesjährige Kürbisausstellung.
«Ganz grosses Kino» in Seegräben
Am 21. September startet die diesjährige Kürbisausstellung auf dem Juckerhof. Unter dem Motto «Ganz grosses Kino» sind diverse Figuren aus Hollywood zu sehen. Tickets sind sowohl online als auch vor Ort erhältlich. Da in Seegräben nur wenige Parkplätze bereitstehen, empfiehlt der Hof eine Anreise per ÖV. Neu ist auch der Überlaufparkplatz in Aathal gesperrt.