Kokain und Schnäuze in Illnau-Effretikon
« Das ist das erste Mal, dass ich so etwas in Illnau-Effretikon erlebe » , sagt Kantons- und Gemeinderat René Truninger (SVP). Als er am Montagmorgen an seinen Kantonsrats-Wahlplakaten vorbeifuhr, stellte er fest, dass diese Vandalen zum Opfer gefallen waren. « Profit-Marionetten » steht auf einer Wand, die Truninger mit den Parteikollegen Daniel Huber und Roland Wettstein teilt. « Bei Kokainbedarf melden, FCK SVP » auf einer anderen.
Links-radikale Sprayer?
Truninger vermutet hinter den Sprayern Personen aus der links-radikalen Ecke: « Das sieht man an den Sprüchen. » Die Täter sind seiner Einschätzung gemäss politisch nicht uninteressiert: « Mit dem Kokain-Spruch spielen die vermutlich auf die Affäre um den SVP-Nationalrat Luzi Stamm an. »
Der Kantonsrat hat für diese Art Meinungsäusserung wenig Verständnis: « Alle Parteien sollen Werbung für ihre Sache machen dürfen. Dass ausgerechnet jene Kreise, die sonst immer die Demokratie und freie Meinungsäusserung beschwören, Plakate verunstalten, ist nicht in Ordnung. »
Mitbetroffen sind nebst der SVP auch die FDP, CVP und EDU. So wurden die Gesichter der Kantonsratskandidierenden Matthias Müller und Kilian Meier (beide CVP) mit gekringelten Schnäuzen versehen.
« Wer Wahlplakate versprayt, nimmt nicht am politischen Diskurs teil, sondern entzieht sich diesem. »
Kilian Meier, Kantonsratskandidat (CVP)
Meier nimmt die Aktion mit Humor: «Über solche Einzelfälle kann ich nur lachen.» Ganz klar verurteile er aber systematische Verschandelungen von Wahlplakaten: « Unsere Demokratie lebt vom Mitmachen und vom Streit um das bessere Argument. Wer Wahlplakate versprayt, nimmt aber gerade nicht am politischen Diskurs teil, sondern entzieht sich diesem. »
Anzeige in Betracht gezogen
Meier plädiert stattdessen für ein Mitwirken der Andersdenkenden:« In der Zeit, in der die Täter die Plakate anderer Parteien versprayt haben, hätten sie auch ein eigenes Plakat mit eigenen Anliegen aufstellen können. » Davon hätten alle profitiert.
René Truninger hat sich überlegt, die Plakate hängen zu lassen. « Damit die Bevölkerung sich selbst ein Bild davon machen kann, welche Kreise einen unfairen Wahlkampf betreiben. » Nun werde er die Plakate wohl aber ersetzen.
Zudem erwäge er, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Für Kilian Meier ist dies derzeit noch kein Thema. «Solange es bei Einzelfällen bleibt.»
Auch SP wurde schon getroffen
Kantons- und Gemeinderätin Brigitte Röösli (SP) sieht diese Art Vandalismus nicht zum ersten Mal: «Auch vor vier Jahren kam es zu Vandalismus.» Damals habe es auch die SP getroffen. «Es kam zu massiver Sachbeschädigung.» Der Polizei habe man aber damals trotz hoher Kosten nichts gemeldet.
Dass Truninger für die aktuelle Plakatbeschädigung Links-Radikale verantwortlich macht, ist gemäss Röösli indes nicht nachgewiesen: «In Illnau-Effretikon gibt es ja gar keine links-radikale Parteien.» Zu verurteilen sei aber eine solch mutwillige Beschädigung in jedem Fall.