Klarer Fokus, deutlich bessere Zahlen und viel Zuversicht
ZO Medien AG
Das Geschäftsjahr 2024 der ZO Medien AG steht im Zeichen des Turnarounds. Fokussierung auf die Region und Kostendisziplin sorgten für ein ausgeglichenes Betriebsergebnis.
Für die 125 Aktionärinnen und Aktionäre, die am Freitagabend den Weg ins «Rössli» in Illnau gefunden hatten, gab es schon im Vorfeld der Generalversammlung eine gute Nachricht. Die Zürcher Oberland Medien AG schüttet wieder eine Dividende von 15 Franken je Aktie aus. Vor einem Jahr hatte man darauf verzichtet – «weil nichts zum Verteilen da war», wie Verwaltungsratspräsidentin Karin Lenzlinger damals unverblümt sagte.
Die Generalversammlung genehmigte die Ausschüttung mit grossem Mehr, wie sie auch sämtliche übrigen Traktanden schlank, zügig und mit grossen Mehrheiten absegnete. 15 Franken machen beim aktuellen Kurs der Aktie immerhin eine Bruttorendite von 3,5 Prozent aus. «Die Arbeit bleibt herausfordernd», sagte Karin Lenzlinger, «aber das gilt für die ganze Medienwelt.»
Positiv hervorzuheben sei die Geschäftsleitung mit CEO Ralph Brechlin, Chefredaktor Michael Kaspar und Finanzchef Roman Mordasini, so Karin Lenzlinger: «Wir haben die Zahlen jetzt klar und transparent im Griff. Damit lässt sich das Business besser steuern.» Die Zahlung einer Dividende für das Geschäftsjahr 2024 darf durchaus als Zeichen dafür gewertet werden.



Nachdem im Geschäftsjahr 2023 noch ein deutlich negativer Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen) von 279’000 Franken resultiert hatte, konnte dieser Trend im vergangenen Jahr zwar noch nicht gedreht, aber gestoppt werden. Der Betriebsverlust beträgt noch 9000 Franken. Eine «schwarze Null».
Zugpferd des Oberländer Medienhauses sind nach wie vor die Tageszeitungen «Zürcher Oberländer» und «Anzeiger von Uster». Die Erträge im Inserategeschäft sind zwar weiter rückläufig, aber die Abo-Erlöse haben sich 2024 über Erwarten gut entwickelt. Und die Anzahl der E-Paper- und Online-Abos steigt leicht, aber kontinuierlich. Dazu kommen grosse Einsparungen dank neu ausgehandelten Verträgen mit Partnerfirmen und Lieferanten, die den Deckungsbeitrag im Vergleich zum Vorjahr deutlich ansteigen liessen.
Auch bei den digitalen Medien konnte 2024 ein besseres Ergebnis erzielt werden. Sichtbares Zeichen für die Aufbruchstimmung im Digitalbereich ist der Neubau des Online-Portals, das nicht mehr zueriost.ch heisst, sondern vor wenigen Tagen unter dem Brand ZO Online neu lanciert wurde. Der Digitalbereich wurde auf das Kerngeschäft zurückgefahren, unrentable Angebote wurden eingestellt und die Kosten dadurch drastisch reduziert.
Ergebnis um 700’000 Franken verbessert
Insgesamt erwirtschaftete die Zürcher Oberland Medien AG im Geschäftsjahr 2024 einen betrieblichen Ertrag von 16,929 Millionen Franken. Die betrieblichen Aufwendungen betragen 16,938 Millionen. Unter dem Strich – nach Abschreibungen und einem ausserordentlichen Aufwand, verursacht durch eine Sonderabschreibung auf Informatikanlagen – bleibt ein Jahresverlust von 272’000 Franken.
Im Vorjahr hatte der Verlust zwar «nur» 248’000 Franken betragen. Allerdings wurden damals Reserven von rund einer halben Million aufgelöst. Ohne Sondereffekte hat die Zürcher Oberland Medien AG im Jahr 2024 ein um rund 700’000 Franken besseres Ergebnis erzielt als im Vorjahr.
«Mittel, in neue Projekte zu investieren»
Sehr erfreulich, so CEO Ralph Brechlin, sei die Entwicklung des Cashflows, der von 142’000 auf 456’000 Franken gesteigert werden konnte: «Das verschafft uns die Mittel, in neue Projekte zu investieren und wieder zu wachsen.»
Das Medienhaus mit Sitz in Wetzikon legte nicht nur in Franken und Rappen zu, sondern auch bei der Leserschaft: Die von der AG für Werbemedienforschung jährlich erhobenen Zahlen zeigen einen Anstieg von täglich 41’000 Leserinnen und Lesern der Printausgabe von ZO/AvU im Jahr 2022 auf 45’000 im vergangenen Jahr. «Das ist nur wenigen Medienhäusern gelungen. Dafür möchte ich auch der Redaktion ein Kränzchen winden», so Chefredaktor Michael Kaspar.
Zurück zu den Franken und Rappen: Für 2025 und 2026 versprach CEO Brechlin nochmals markant bessere Zahlen und begründete diese Annahme mit verschiedenen Massnahmen. Als Erstes nannte er den Fokus aufs Kerngeschäft: Die Zürcher Oberland Medien wollen informieren und einordnen. «Wir liefern qualitativ gute Inhalte aus der Region und über die Region», so Brechlin.
Deutlich schlanker und gleichzeitig leistungsfähiger wurde der Bereich IT, und die verbesserten Prozesse im Controlling beginnen zu greifen. Und dann war da im vergangenen Jahr noch die Fertigstellung des ZO-Hauses und die Rückkehr der Redaktion nach Wetzikon. «Diese Immobilie wird uns noch lange Freude bereiten», meinte Brechlin. Für das laufende Geschäftsjahr 2025 setzt sich der CEO eine schwarze Null auf Stufe Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) sowie einen Cashflow von einer Million zum Ziel: «Wir sind auf dem richtigen Weg und werden ein gutes Jahr hinlegen.»
Ein wichtiger Schritt steht im kommenden Jahr an: Ab Januar 2026 werden die Printtitel der Zürcher Oberland Medien AG nicht mehr in Zürich, sondern in Haag im St. Galler Rheintal gedruckt. Der Wechsel hängt mit der Schliessung des Druckzentrums der TX Group in Zürich zusammen. Die Druckerei in Haag gehört der Südostschweiz-Gruppe in Chur, deren Angebot sowohl beim Druck als auch bei der Logistik überzeugte und laut Brechlin «zu grossen Kosteneinsparungen» führen wird.
Herausforderung «Fake News»
Chefredaktor Michael Kaspar widmete seinen Part an der Generalversammlung dem Thema «Fake News». «Wir versuchen, Gegensteuer zu geben», so Kaspar. «Auf Social Media muss man sich heute bei jedem Bild, das man sieht, fragen, ob es echt ist oder nicht.»

Als Gesprächspartner holte er zwei junge Männer auf die Bühne, die sich genau zu diesem Thema ihre Gedanken gemacht hatten. Leonardo Soares Sousa und Marlon Mathieu vom KV Luzern haben mit ihrer Idee einer App die MyIdea-Challenge im Frühjahr 2025 gewonnen. Die angedachte App überprüft Nachrichten mithilfe von künstlicher Intelligenz, indem sie im Internet nach Bestätigungen sucht.
Fake News ist ein Thema, das heutzutage jedes seriöse Medienunternehmen beschäftigt. Für Michael Kaspar ist eines klar: «Der Name Zürcher Oberland Medien AG steht für ein vertrauenswürdiges Unternehmen. Und deshalb sind uns vertrauenswürdige Informationen wichtig.» Vielleicht noch wichtiger als eine schwarze Null.