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Gesellschaft

Kirchenfusion im Tösstal rückt näher – Antworten auf die wichtigsten Fragen

Die katholische Kirchgemeinde Zell hat turbulente Jahre hinter sich. Eine Fusion mit Turbenthal soll ihre Zukunft sichern. Das müssen Sie dazu wissen.

Zwei Gotteshäuser, bald eine Gemeinde? Die Katholischen Kirchgemeinden Turbenthal (links) und Zell verhandeln über eine Fusion.

Fotos: Noah Salvetti/Bettina Schnider

Kirchenfusion im Tösstal rückt näher – Antworten auf die wichtigsten Fragen

Pläne der Katholischen Kirchgemeinden

Die Kirchgemeinde Zell soll endlich zur Ruhe kommen – und zwar mit einer Fusion. Die Verhandlungen mit den Nachbarn in Turbenthal sind auf der Zielgeraden. Was Sie jetzt dazu wissen müssen.

Im Tösstal kommt es demnächst zur Abstimmung über eine Kirchenfusion: Die Katholischen Kirchgemeinden Turbenthal und Zell planen die Zusammenlegung. Nachdem die Bürger beider Gemeinden vor gut einem Jahr Verhandlungen zugestimmt hatten, fanden inzwischen erste Gespräche statt. Am Mittwochabend hat die Steuerungsgruppe, bestehend aus Vertretern beider Kirchenpflegen, die Mitglieder informiert.

Warum wollen die Kirchgemeinden fusionieren?

Den Fusionsverhandlungen vorausgegangen ist eine turbulente Vorgeschichte der Kirchgemeinde Zell. Nach mehreren internen Konflikten und Rücktritten schien der Gemeinde die Kontrolle zu entgleiten.

Als 2023 die Kirchenpflege geschlossen zurücktrat, entzog der Synodalrat der Gemeinde die Selbstverwaltung – ein Sachwalter übernahm die Führung. Seit letztem Dezember sind zwar wieder zwei Kirchenpflegemitglieder im Amt, doch damit ist die Behörde noch immer nicht vollständig besetzt. Um die aus Sicht des Synodalrats «unbefriedigende Situation» zu beheben, rief er zu Verhandlungen auf.

Weiterer Grund für die Fusion ist eine Grenzproblematik: Die Katholikinnen und Katholiken aus Rämismühle und Zell sind nämlich seit je der Pfarrei Herz Jesu in Turbenthal zugeteilt, besuchen also die dortigen Gottesdienste oder den Religionsunterricht – obwohl sie rechtlich Teil der Kirchgemeinde Zell sind. Daher haben sie in Turbenthal kein Stimmrecht.

Wie steht es um die Finanzen der beiden Kirchgemeinden?

Massgebend für die Fusion ist auch die Grösse der zwei Kirchgemeinden. Bei beiden handelt es sich um kleinere Gemeinden, die finanziell von der Kantonalkirche abhängig sind. Im kantonalen Schnitt stammten 2023 die Mittel der Kirche zu rund 45 Prozent aus solchen Beiträgen. Deshalb, so der Finanzverantwortliche Martin Üre Villoria, seien eine Fusion und damit eine Verschlankung der Behörde auch aus finanzieller Sicht sinnvoll.

Finanziell ist vor allem die Kirchgemeinde Zell seit der Abspaltung der Bürger aus Weisslingen und Kyburg unter stärkerem Druck. Man suche deshalb bereits vor einer Fusion nach Einsparmöglichkeiten, betonte Sachwalter Markus Wagner.

Auch nach einer Fusion würde die Gemeinde Gelder aus Zürich erhalten. Die Steuerungsgruppe rechnet mit Beiträgen im heutigen Umfang.

Wie geht es für die Katholiken aus Weisslingen und Kyburg weiter?

Bis vor Kurzem waren auch die Bürger aus Weisslingen und Kyburg Teil der Kirchgemeinde Zell. Eine Umfrage in Weisslingen bestätigte, dass eine grosse Mehrheit der Katholikinnen und Katholiken statt eine Fusion mit Turbenthal einen Anschluss an die Kirchgemeinde Illnau-Effretikon bevorzugt hat. Mitte September stimmten beide Gemeinden zu. Seit Anfang Jahr sind Weisslingen und Kyburg damit Teil der Katholischen Kirche St. Martin.

Was ändert sich für die Kirchgänger?

Von der Fusion betroffen wäre in erster Linie der Verwaltungsapparat. Es gäbe fortan nur noch eine Kirchenpflege mit sieben Mitgliedern. Es soll weiterhin zwei Pfarreien mit je einem separaten Pfarreileben geben. Trotzdem will man bei einem Ja verstärkt zusammenarbeiten, etwa in der Jugend- und Seniorenarbeit, aber auch im pastoralen Bereich. Der Zeller Pfarrer Oliver Stens erwähnte, er befinde sich im Austausch mit seinem Turbenthaler Pendant und könne sich gemeinsame Projekte vorstellen. Die neue Kirchgemeinde hätte rund 2600 Mitglieder und würde noch immer zu den kleineren Gemeinden im Kanton gehören. Neu würde sie den Namen «Kirchgemeinde Mittleres Tösstal» tragen. Die Gottesdienste sollen sonntags nach wie vor an beiden Orten stattfinden, künftig eine Stunde voneinander versetzt, und sich unter der Woche nicht überschneiden.

Wie kommen die Fusionspläne an?

Am Informationsabend gab es mehrere kritische Voten, darunter Befürchtungen, dass das kirchliche Leben in einer grösseren Gemeinde unpersönlicher werden könnte. Kirchenpflegepräsidentin Anna Maria Caldarulo betonte die Chancen eines Zusammenschlusses, die sich in einem breiteren Angebot für die Gemeinschaft und einem «florierenden Pfarreileben» bemerkbar machen würden.

Abgesehen von dem grösseren administrativen Aufwand für die Kirchenpflege habe die Fusion kaum Nachteile, beantwortete die Steuerungsgruppe. Das finanzielle Einsparpotenzial konnte sie nicht genau beziffern.

Trotz Optimismus der Behörde: Ob die Fusion eine Chance hat, hängt wesentlich davon ab, wie gut die Kirchen ihre Mitglieder für die Abstimmung mobilisieren können. Bis diese ansteht, sollen die Gemeinschaften aber schon ein bisschen zusammenrücken. So planen die Kirchen Ende März etwa einen gemeinsamen Gottesdienst.

Was geschieht bei einem Nein?

Lehnen die Bürger die Fusion ab, bleiben die beiden Kirchgemeinden weiter bestehen. Wie die Zukunft jener in Zell mit ihrer unvollständigen Kirchenpflege aussähe, hängt laut Sachwalter Wagner auch davon ab, wie lange der Synodalrat die aktuelle Situation noch zulässt. Unklar ist, ob dieser einen Zusammenschluss auch verfügen könnte.

Wie geht es weiter?

Der Zusammenschlussvertrag befindet sich zurzeit in Ausarbeitung. Die Kirchenpflegen werden ihn voraussichtlich im März verhandeln. Im Anschluss wird ihn die Kantonalkirche prüfen. Die Bürger stimmen in Turbenthal am 22. Juni, in Zell am 25. Juni darüber ab. Für die Umsetzung braucht es ein Ja aus beiden Gemeinden plus die Zustimmung der Synode. Bei einem doppelten Ja stimmt sie Anfang Dezember darüber ab. Starten soll die neue Kirchgemeinde am 1. Januar 2026, im Idealfall bereits mit einer vollständigen Kirchenpflege.

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