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Kein Kopftuch an öffentlichen Schulen

Das Kopftuch sei kein harmloses Kleidungsstück, sondern das sichtbare Zeichen des politischen Islamismus. Deshalb gehöre es an öffentlichen Schulen verboten, fordert «Tribüne»-Autorin Andrea Gisler.

Ein Mädchen mit Kopftuch – ob das Kleidungsstück auch an öffentlichen Schulen getragen werden darf, ist umstritten. (Symbolbild)

Fotos: zvg und Pixabay

Kein Kopftuch an öffentlichen Schulen

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Das Kopftuch sei kein harmloses Kleidungsstück, sondern das sichtbare Zeichen des politischen Islamismus. Deshalb gehöre es an öffentlichen Schulen verboten, fordert «Tribüne»-Autorin Andrea Gisler.

Zur Autorin: Andrea Gisler ist GLP-Kantonsrätin und wohnt in Gossau

Die Debatte um das Tragen eines Kopftuchs an öffentlichen Schulen kreist hauptsächlich um die Religionsfreiheit und die staatliche Neutralität. Dies greift klar zu kurz. Es geht im Kern um die Gleichheit der Geschlechter. Für diese Errungenschaft haben wir Frauen – und auch viele Männer – jahrelang gekämpft.

Das Kopftuch ist nicht einfach ein harmloses, simples Kleidungsstück. Es ist auch kein religiöses Symbol. Es ist das sichtbare Zeichen des politischen Islamismus. Im politischen Islamismus sind die Frauen nicht gleichberechtigt. Er schränkt das Leben von Frauen stark ein, er beschneidet ihre Freiheiten und ihre Selbstbestimmung. Frauen wird vorgeschrieben, sich zu verschleiern, um nicht das sexuelle Verlangen von Männern zu wecken. Das ist eine reaktionäre, frauenfeindliche Ideologie.

Die Schule hat als staatliche Institution den Auftrag, dafür zu sorgen, dass Kinder sich frei entwickeln können. Mädchen und Knaben sollen gleiche Chancen haben. Das Kopftuch signalisiert dem Mädchen, dass sein Körper problematisch ist und verhüllt werden muss, und es zeigt ihm, dass es weniger Freiheiten hat als seine Brüder und seine Schulkameradinnen. Dies steht im Widerspruch zum staatlichen Bildungsauftrag. Und ebenso wenig geht es an, dass eine Lehrerin an einer öffentlichen Schule ein sichtbares Zeichen trägt, das der Gleichstellung der Geschlechter zuwiderläuft.

Ein Kopftuchverbot bedeutet für die Mädchen eine Entlastung. Unter dem familiären und sozialen Druck ist es ihnen kaum möglich, eine freie Entscheidung für oder gegen das Kopftuch zu treffen. Abhängigkeit und Angst vor Sanktionen führen dazu, dass sie sich so verhalten, wie es von ihnen erwartet wird. Die Schule ist einer der wenigen Orte, wo der Staat zum Schutz der Mädchen eingreifen kann. Ein Kopftuchverbot schafft klare Verhältnisse. Schulleitung und Lehrpersonen müssen keine Diskussionen mehr mit Eltern führen, die unter dem Vorwand der Religion ihre Töchter diskriminieren und sie daran hindern, in einer entscheidenden Lebensphase ein gesundes Selbstwert- und Körpergefühl zu entwickeln. In unserem Nachbarland Frankreich hat das Verbot seit der Einführung im Jahr 2004 zu besseren schulischen Leistungen der muslimischen Mädchen geführt und eine integrationsfördernde Wirkung erzielt.

Und noch ein Blick in den arabischen Raum: Dort kämpfen tagtäglich Frauen gegen das Kopftuch. Zum Beispiel im Iran. Viele setzen ihr Leben aufs Spiel im Kampf gegen die Unterdrückung und für die Freiheit von Frauen. Sie würden unsere Diskussionen nicht verstehen …

Es ist jetzt an der Zeit, bei uns zu handeln: Es braucht ein Kopftuchverbot an unseren Schulen.

 

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