Kanton will Wohnhaus in Bauma abreissen – wegen eines Trottoirs
Strassenbau in Bauma
Die Sternenbergstrasse in Bauma muss sicherer werden. Deswegen plant der Kanton umfassende Eingriffe. Einem Gebäude könnte es deshalb an den Kragen gehen.
Zu Fuss entlang der Sternenbergstrasse zu gehen, ist ein gefährliches Unterfangen. Lediglich ein schmaler Streifen von nicht mal einem Meter Breite bietet dafür Platz, die talwärts kommenden Autos fahren mit erlaubten 50 Sachen an den Fussgängern vorbei.
Der Kanton will gegen diese Situation vorgehen und hat ein Vorprojekt für den Abschnitt vom Bahnübergang über die Tössbrücke bis zur Sternenbergstrasse 37 ausgearbeitet. Ab hier existiert ein Fussweg bis in den Ortsteil Hörnen. Auf einer Länge von zirka 230 Metern soll ein 2 Meter breites Trottoir entstehen. Dafür braucht es neben einer leichten Anpassung des Strassenverlaufs eine neue talseitige Stützmauer.
Schlechte Sicht wegen Haus
So weit, so unaufgeregt. Doch die Pläne des Tiefbauamts reichen weiter. Laut dem Technischen Bericht will es das Haus an der Sternenbergstrasse 22 abreissen lassen. Es ist als ehemaliges Webergebäude und Wohnhaus aus der alten Häusergruppe Höhle kommunal inventarisiert, ist im Eigentum des Kantons und bis Ende März an die Gemeinde vermietet. Aktuell ist es noch bewohnt.
Nun soll es für ein paar Meter Gehweg weichen. Eine Massnahme, die auf den Laien radikal wirkt.
Thomas Maag, Mediensprecher der Zürcher Baudirektion, relativiert: «Der Rückbau des Gebäudes ermöglicht nicht nur den Bau des Trottoirs, sondern verbessert für die Verkehrsteilnehmenden auch die Sichtverhältnisse in der Kurve.»
Denn das Haus steht direkt in der Kurve oberhalb des Abzweigers Sonnenhaldenstrasse. Nur ein paar Zentimeter trennen die Aussenwand von der Strasse. Seine Lage sorgt aus beiden Richtungen für eine Behinderung der Sicht – insbesondere, wenn Autofahrer von der Sonnenhalden- in die Sternenbergstrasse einbiegen wollen oder auch bei der Zufahrt zum benachbarten Haus Nummer 21.


Das Tiefbauamt hatte auch eine Variante ohne Hausabbruch geprüft, sich aber gegen diese entschieden. Zum einen würde sich die Verkehrssicherheit nicht verbessern, da das Gebäude weiterhin die Sicht beeinträchtigt.
Zum anderen wären dann für den Bau des Trottoirs grosse Anpassungen am Terrain nötig. Um diese zu realisieren, müsste der Kanton im Vergleich zur Abbruch-Variante mehr Land von Privaten erwerben. Das wiederum würde die Baukosten in die Höhe treiben.
Von kommunaler Seite gibt es bisher keinen Gegenwind zu den Plänen. Die Gemeinde befürworte das Vorhaben, erklärt Maag. Dass es zu Widerstand aus der Bevölkerung kommen könnte, befürchtet er nicht. «Wir sind der Meinung, dass das Projekt gut und im Sinne der Bevölkerung ist, weil es die Verkehrssicherheit erhöht.»
Temporeduktion war kein Thema
Obwohl der Technische Bericht den besagten Abschnitt der Sternenbergstrasse weder als Unfallschwerpunkt identifiziert noch von vielen Fussgängern ausgeht, ist dem Tiefbauamt das Thema Sicherheit ein grosses Anliegen. Insbesondere wegen der Einwohnerinnen und Einwohner von Hörnen.
Obwohl der Ortsteil in den letzten Jahren stark gewachsen ist, sind sie bis heute vom Baumer Zentrum abgeschnitten. Es gibt keine durchgehende Fusswegverbindung über die Töss zum Bahnhof und zu den Schulhäusern.
Ein Gehweg würde die Sicherheit für die Menschen in Hörnen erhöhen, «insbesondere auch für die schulpflichtigen Kinder», sagt Maag und ergänzt: «Das neue Trottoir entspricht auch einem Wunsch der Gemeinde.»


Die Frage, ob eine Reduktion der momentan erlaubten 50 Kilometer pro Stunde ebenfalls eine denkbare Massnahme gewesen wäre, verneint der Mediensprecher. Der Kanton passe die Tempolimiten häufig an, um den Lärmschutz zu verbessern. «Bei diesem Projekt gibt es aber keine Grenzwertüberschreitungen, sodass eine Temporeduktion nicht untersucht wurde.»
Da das zwei Meter breite Trottoir auf der Hangseite entstehen soll, muss die Fahrbahn um ebendieses Mass in Richtung Tal verschoben werden. Diese Breite entspricht den Standardvorgaben des Kantons Zürich. Wie Maag erklärt, ist sie auf die Nutzung des Trottoirs abgestimmt – so wurde etwa berücksichtigt, dass zwei Kinderwagen problemlos aneinander vorbeikommen.
Zwei Gehwege für die Tössbrücke
Für die Sicherung der Strasse ist auf einem Abschnitt von etwa 185 Metern eine neue Stützmauer nötig. Zudem erhält die Brücke auf beiden Seiten einen Gehweg, damit Fussgänger vom Bahnhof her bis zur Sennhüttenstrasse gelangen können, ohne die Sternenbergstrasse zu überqueren. Kurz vor dem Abzweiger soll dann eine Querung entstehen, in welcher Form, ist noch offen.

Um das Trottoir-Vorhaben zu realisieren, muss der Kanton Land aus Privatbesitz und von öffentlich-rechtlichen Grundeigentümern erwerben. Konkret geht es um Flächen von rund 520 Quadratmetern. Voraussichtlich werden weitere 860 Quadratmeter vorübergehend als Arbeits-, Installations- und Lagerflächen beansprucht.
Stand heute rechnet das Tiefbauamt mit Projektkosten von knapp 4,5 Millionen Franken. Diese trägt der Kanton vollumfänglich. Gemäss dem Kostenvoranschlag ist über die Hälfte davon, sprich gut 2,6 Millionen, für die Bauarbeiten vorgesehen. Der Landerwerb soll 852’000 Franken kosten.
Baubeginn frühestens Mitte 2025
Das Mitwirkungsverfahren der Bevölkerung findet im Rahmen des Vorprojekts statt. Die Pläne liegen noch bis zum 25. März bei der Gemeinde auf. Bisher seien noch keine Reaktionen eingegangen, sagt Mediensprecher Maag.
Sollte es dabei bleiben, können die nächsten Schritte in Angriff genommen werden. Die Ausarbeitung des Bauprojekts ist ab Mai vorgesehen, die öffentliche Auflage des definitiven Projekts im Oktober, die Festsetzung und die Bewilligung bis Juli nächsten Jahrs. Die Arbeiten würden dann frühestens Mitte 2025 beginnen und knapp ein Jahr dauern.
Das Projekt des Kantons nutzt die Gemeinde Bauma, um ein eigenes Vorhaben voranzutreiben. Sie will den bestehenden Fussweg zwischen der Sternenbergstrasse 37 und Hörnen, dessen Zustand schon länger ein Politikum ist, ausbauen.
Da er durch eine Naturschutzzone führt, sind nur sanfte Massnahmen möglich, also kein asphaltierter Gehweg und keine zusätzliche Beleuchtung. «Die sanfte Sanierung wird im Schatten der Kantonsbaustelle ausgeführt, aber eher gegen Ende der gesamten Bauzeit», sagt Susanne Graf, die stellvertretende Gemeindeschreiberin.
Welche Massnahmen genau ausgeführt werden, ist noch offen. «Es wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt, mit verschieden Varianten der Wegführung», erklärt Graf. «Je nach gewählter Variante sind verschiedene beziehungsweise andere Arbeiten nötig.»