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Kanton lenkt ein und prüft neue Standorte für Parkplatz Auslikon

Eigentlich hätte noch dieses Jahr das Bauprojekt für den Parkplatz aufliegen sollen. Doch der Kanton ändert seine Pläne. Deshalb.

So hatte sich der Kanton den Parkplatz am Dorfrand von Pfäffikon bereits vorgestellt. Doch jetzt kommt alles anders.

Visualisierung: Baudirektion Kanton Zürich

Kanton lenkt ein und prüft neue Standorte für Parkplatz Auslikon

Kampf und Petition zeigen Erfolg

Der Streit um die Verlegung des Parkplatzes in Auslikon beschäftigt die Bevölkerung schon lange. Jetzt kann sie – zumindest vorläufig – aufatmen.

Durch die Pfäffiker Aussenwacht Auslikon dürfte ein Schrei der Erleichterung fahren. Der Kampf des gallischen Dorfs gegen die Verlegung der Parkplätze aus dem Moorschutzgebiet nahe der Badi Auslikon an den Siedlungsrand zeigt Erfolg. Denn wie der Kanton am Freitag mitteilt, unterbricht er das Projekt.

«Aufgrund der Reaktionen an einer Informationsveranstaltung im vergangenen Juli und einer anschliessend eingereichten Petition mit über 800 Unterschriften hat sich der Kanton entschieden, den Projektierungsprozess zu unterbrechen», heisst es in einer Mitteilung. «Er will weitere Ersatzstandorte sowie
den konkreten Platzbedarf noch einmal überprüfen.»

Ein langer Kampf

2019 präsentierte der Regierungsrat das Konzept «Mobilität und Umwelt Pfäffikersee». Nebst diversen Massnahmen – unter anderem die Bewirtschaftung der Parkierungsanlagen rund um den See, die Verbesserung der Busverbindungen nach Seegräben oder die Aufhebung des Campingplatzes Auslikon – war darin auch eine Verlegung der Parkplätze aus dem Moorschutzgebiet vorgesehen.

Rund 750'000 Besucher strömen jedes Jahr an den Pfäffikersee. All diese Besucherinnen und Besucher generieren Verkehr und dieser Verkehr beeinträchtigt den Erholungs- und Naturwert dieser einmaligen Landschaft. Zwischen motorisiertem Individualverkehr (MIV) und Fuss- und Veloverkehr ergeben sich an Ausflugstagen immer wieder erhebliche Konflikte.

Das Projekt Mobilität und Umwelt Pfäffikersee soll dazu beitragen, das Gebiet in seiner Landschafts-, Natur- und Erholungsqualität zu erhalten und aufzuwerten, indem es Aktivitäten und Massnahmen im Umfeld des Pfäffikersees mit Einfluss auf den Freizeitverkehr definiert und koordiniert. So sollen durch Parkplätze beanspruchte Flächen innerhalb des Moorschutz-Perimeters zurückgewonnen und aufgewertet werden. Auch durch die Schliessung des Campingplatzes Auslikon wird ein bedeutender zusätzlicher Beitrag zu Gunsten des Moorschutzes geleistet.
Die Verkehrsarten werden auf verschiedenen, für die Erholungsnutzung wichtigen Strecken entflochten. Damit wird die Verkehrssicherheit für den Fuss- und Veloverkehr erhöht, dessen Attraktivität wird mit weiteren, gezielten Massnahmen gesteigert. Mit einer besseren ÖV-Erschliessung von Seegräben, die auf den Freizeitverkehr der Jucker Farm ausgerichtet ist, soll der Anteil des ÖV deutlich erhöht werden.

Diese Ziele sollen mit insgesamt sieben Umsetzungs-Paketen erreicht werden: Verbesserung der ÖV-Erschliessung in Seegräben, Ersatz für wegfallende Parkierungsflächen im Aathal sowie zeitliche Ausweitung und einfachere Einrichtung der «Phase Rot»; Verkehrsberuhigungsmassnahmen im Weiler Ruetschberg und Verlegung der Kleinstparkplätze entlang der Ruetschbergstrasse auf das ARA-Areal zugunsten eines Radrundwegs; Flächendeckende Einführung der Parkplatzbewirtschaftung; Verlegung der Parkierungsanlagen in Auslikon Nord; Reduktion der Parkierungsanlagen in Auslikon Süd; Einrichtung neuer Veloabstellanlagen und eines Veloverleihsystems; Umgestaltung der Badi Auslikon, Betrieb des Campingplatzes wird auf Ende 2023 eingestellt.

(lcm)

Konkret bedeutete dies: Die vereinzelten Parkplätze im Gebiet Ruetschberg werden gestrichen, der heutige Parkplatz Auslikon Nord auf Pfäffiker Seite der Badi mit über 250 Plätzen wird ebenfalls aufgehoben und auf 160 Parkplätze verkleinert an den Dorfrand verschoben.

Parkplatz Situation in Auslikon Grafik
Der Ist-Zustand mit den beiden Parkplätzen Auslikon Nord und Bootssteg sowie beim westlichen Dorfausgang, die Zukunftsmusik: der geplante Parkplatz Auslikon Dorf. 

Den Auslikern ist dieses Vorhaben seit vielen Jahren ein Dorn im Auge. Bereits Ende der 90er Jahre, als das Thema erstmals aktuell wurde. Die Gründe? Der vor das Dorf verschobene Parkplatz komme kaum jemandem zugute. Sondern die betroffene Parzelle sei auch eine Fruchtfolgefläche, also für den Ackerbau gut geeignet. Zudem würde der neue Parkplatz weiterhin im Moorschutzgebiet zu liegen kommen.

Anfang 2020 reichten die Ausliker eine Petition bei der Volkswirtschaftsdirektion ein. In dieser forderte sie unter anderem, dass auf diese Verschiebung verzichtet werden soll. Über 400 Personen hatten die Petition damals unterschrieben.

Lesen Sie hier den historischen Abriss, was in dem Konflikt bereits geschehen ist.

Doch obwohl der Regierungsrat ihre Argumente jedes Mal abwies, gaben die Dorfbewohner nicht auf. An einer Informationsveranstaltung Mitte Juli präsentierte der Kanton den Auslikern die Ergebnisse einer vom Tiefbaumt in Auftrag gegebenen Vorstudie für den idealen Parkplatzstandort. Weit über 150 Auslikerinnen und Ausliker wohnten dem Anlass bei. Und verschafften ihrem Ärger Luft.

Dieser bewegte den Kanton zum Umdenken, wie er schreibt. «Aufgrund der mehrheitlich ablehnenden Reaktionen an der Veranstaltung» sowie einer mit über 800 Unterschriften eingereichten Petition haben sich Tiefbauamt, das kantonale Amt für Mobilität und die Gemeinde Pfäffikon für einen vorläufigen Unterbruch des Projekts entschieden.

Keine Auflage in diesem Jahr

Eigentlich war geplant gewesen, nach der Informationsveranstaltung im Juli jetzt im Herbst das Vorprojekt und Ende Jahr das Bauprojekt öffentlich aufzulegen. Jetzt will der Kanton in den kommenden Monaten nochmals prüfen, wie gross der Bedarf für den Ersatzparkplatz ist und ob es nicht geeignetere Standorte für diesen gebe.

Eines stellt der Kanton jedoch klar: Ganz verschwinden werden die Parkplätze nicht. «Der Kanton wie auch die Gemeinde Pfäffikon halten aber am vereinbarten Grundsatz fest, dass das Parkplatzangebot am Pfäffikersee erhalten wird.»

>> Lesen Sie im Verlauf des Tages auf zueriost.ch, wie die Beteiligten auf den Entscheid des Kantons reagieren.

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