Kampf gegen Parkplatz geht weiter
Die Ausliker geben nicht auf
Langsam nehmen die Pläne konkrete Formen an: Am westlichen Dorfausgang von Auslikon soll ein neuer Parkplatz entstehen. Die Bewohner machen nun mit einer IG mobil.
Die Pfäffiker Aussenwacht Auslikon wurde nicht umsonst schon als kleines Dorf in Gallien bezeichnet, das sich gegen eine Grossmacht wehrt. Anders als bei Asterix und Obelix sind es zurzeit aber nicht die Römer, welche die Dorfbewohner bedrohen, sondern die Auswirkungen des Konzepts «Mobilität und Umwelt Pfäffikersee», welches der Regierungsrat im Herbst 2019 präsentierte.
Nebst diversen Massnahmen – unter anderem Bewirtschaftung der Parkierungsanlagen rund um den See, Verbesserung der Busverbindungen nach Seegräben oder die Aufhebung des Campingplatzes Auslikon – ist darin auch eine Verlegung der Parkplätze aus dem Moorschutzgebiet vorgesehen.
Das Projekt Mobilität und Umwelt Pfäffikersee soll dazu beitragen, das Gebiet in seiner Landschafts-, Natur- und Erholungsqualität zu erhalten und aufzuwerten, indem es Aktivitäten und Massnahmen im Umfeld des Pfäffikersees mit Einfluss auf den Freizeitverkehr definiert und koordiniert. So sollen durch Parkplätze beanspruchte Flächen innerhalb des Moorschutz-Perimeters zurückgewonnen und aufgewertet werden. Auch durch die Schliessung des Campingplatzes Auslikon wird ein bedeutender zusätzlicher Beitrag zu Gunsten des Moorschutzes geleistet.
Die Verkehrsarten werden auf verschiedenen, für die Erholungsnutzung wichtigen Strecken entflochten. Damit wird die Verkehrssicherheit für den Fuss- und Veloverkehr erhöht, dessen Attraktivität wird mit weiteren, gezielten Massnahmen gesteigert. Mit einer besseren ÖV-Erschliessung von Seegräben, die auf den Freizeitverkehr der Jucker Farm ausgerichtet ist, soll der Anteil des ÖV deutlich erhöht werden.
Diese Ziele sollen mit insgesamt sieben Umsetzungs-Paketen erreicht werden: Verbesserung der ÖV-Erschliessung in Seegräben, Ersatz für wegfallende Parkierungsflächen im Aathal sowie zeitliche Ausweitung und einfachere Einrichtung der «Phase Rot»; Verkehrsberuhigungsmassnahmen im Weiler Ruetschberg und Verlegung der Kleinstparkplätze entlang der Ruetschbergstrasse auf das ARA-Areal zugunsten eines Radrundwegs; Flächendeckende Einführung der Parkplatzbewirtschaftung; Verlegung der Parkierungsanlagen in Auslikon Nord; Reduktion der Parkierungsanlagen in Auslikon Süd; Einrichtung neuer Veloabstellanlagen und eines Veloverleihsystems; Umgestaltung der Badi Auslikon, Betrieb des Campingplatzes wird auf Ende 2023 eingestellt.
Konkret bedeutet dies: Die vereinzelten Parkplätze im Gebiet Ruetschberg werden gestrichen, der heutige Parkplatz Auslikon Nord auf Pfäffiker Seite der Badi mit über 250 Plätzen wird ebenfalls aufgehoben und auf 160 Parkplätze verkleinert an den Dorfrand verschoben.
Den Auslikern ist dieses Vorhaben seit vielen Jahren ein Dorn im Auge. Bereits Ende der 90er Jahre, als das Thema bereits erstmals aktuell wurde. Anfang 2020 haben sie eine Petition bei der Volktswirtschaftsdirektion eingereicht, in der sie unter anderem fordern, dass auf diese Verschiebung verzichtet werden soll. Über 400 Auslikerinnen und Ausliker hatten die Petition damals unterschrieben.

Doch obwohl der Regierungsrat ihre Argumente jedes Mal abwies, geben die Dorfbewohner nicht auf. An einer Informationsveranstaltung Mitte Juli, organisiert vom Kanton Zürich, machten weit über 150 versammelte Ausliker ihrem Ärger Luft.
Nicht nur komme ein verschobener Parkplatz kaum jemanden zugute. Sondern die betroffene Parzelle sei auch eine Fruchtfolgefläche, also für den Ackerbau gut geeignet. Zudem würde der neue Parkplatz weiterhin im Moorschutzgebiet zu liegen kommen.
Zusammenschluss zur IG
«Um unserem Anliegen noch mehr Gewicht zu verleihen, haben wir mittlerweile die Interessensgemeinschaft ‹Kein Parkplatz am Dorfrand von Auslikon› ins Leben gerufen», sagt Willi Schellenberg. Der Ausliker hatte 2020 die Petition gemeinsam mit Valerian Walser eingereicht.
«Mir könnte der Parkplatz eigentlich egal sein, ich wohne nördlich der Hauptstrasse», sagt Schellenberg. Auch gehe er immer nur zu Fuss an den See. «Aber es ist schlicht daneben und eine Zumutung für die Ausliker Bevölkerung, dass wir im Planungsprozess im Gegensatz zu vielen anderen Interessenten nie angehört wurden und nun so einen grossen Parkplatz vor unser Dorf hingepflanzt bekommen sollen.»
Zwar gehen die Meinungen innerhalb der IG teils auseinander, was das Schicksal des heutigen Parkplatzes Auslikon Nord angeht. «Aber wir sind uns alle einig, dass wir keinen neuen Parkplatz wollen.»
Mit der IG erhoffe man sich, dem Anliegen, das verschiedene Auslikerinnen und Ausliker auch schon in kleineren Delegationen an die Behörden getragen haben, mehr Gewicht zu verleihen. «Zudem kommt es zu einem gesunden Austausch und guten Diskussionen innerhalb der Gruppe.»
Es ist absolut unanständig, die Bedürfnisse der Ausliker über 20 Jahre hinweg zu ignorieren.
Hans Hess
Mittlerweile haben Schellenberg und Walser prominente Mitstreiter gefunden, die ebenfalls in Auslikon wohnen und vom Projekt direkt vor der Haustür betroffen sind. So etwa Hans Hess, ehemaliger Präsident von Swissmem, dem Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, und Vizepräsident von Economiesuisse.
Vom Fenster seines Arbeitszimmers sieht er genau auf die Parzelle, wo der neue Parkplatz einst zu liegen kommen soll. «Zwar würde es mich ärgern und meine Liegenschaft an Wert verlieren, wenn der Parkplatz tatsächlich vor meinem Garten realisiert wird», sagt Hess. «Vielmehr wehre ich mich aber gegen das Projekt, weil es absolut unanständig ist, die Bedürfnisse der Ausliker über 20 Jahre hinweg zu ignorieren. Viele von uns haben sich wie ich gegenüber den Behörden erfolglos kritisch geäussert. Aber jetzt ist genug.»
Respekt vor Arbeit der Behörden, aber…
Er kritisiere nicht das Konzept an sich, betont Hess. «Und ich habe grossen Respekt vor dem komplizierten Planungsprozess mit so vielen Akteuren.» Das Resultat finde er im Grossen und Ganzen denn auch gut.
«Wenn mir jemand einen wirklich guten Grund nennen kann, warum der Parkplatz genau vor Auslikon gebaut werden soll, würde ich gar in den sauren Apfel beissen und die Situation akzeptieren. Nur hat mir noch nie jemand einen wirklich guten Grund nennen können.»
Er habe seit Jahren immer wieder das Gespräch mit den Behörden gesucht. «Doch das Resultat war bisher stets ein Nuller, nicht einmal ein Kompromiss.»
Ein Parkplatz nur für Spaziergänger?
Er ist überzeugt: Der neue Parkplatz würde nur einer kleinen Gruppe von Besuchern zugutekommen. Wer in die Badi will, werde nicht einen Fussmarsch von rund einem Kilometer bis zum See in Kauf nehmen. «Bestimmt nicht etwa Familien, die mit kleinen Kindern, viel Gepäck oder gar Stand-up-Paddle-Boards in Richtung Badi pilgern.»
Und mit dem Ende des Campingplatzes im Herbst fallen zusätzliche Besucher eines Parkplatzes weg, sagt Hans Hess. «Am Schluss wären es nur auswärtige Spaziergänger, die vom neuen Parkplatz profitierten – und diese könnten ihre Autos geradeso gut an alternativen Standorten wie etwa im Wetziker oder Pfäffiker Industriegebiet abstellen. Dort sollten die neuen Ersatz-Parkplätze entstehen.»
Wer das Konzept genau liest, merkt schnell, dass alle von den geplanten Massnahmen profitieren – ausser wir in Auslikon.
Rita Fuhrer
Seine Nachbarin ist eine noch bekanntere Persönlichkeit und ebenfalls Teil der neuen IG: alt Regierungsrätin Rita Fuhrer. «Ich hatte 2020 zwar auch die Petition unterzeichnet, aber ich muss nicht überall von Beginn weg an vorderster Front mitkämpfen», sagt sie.
Nun befinde sich das Projekt aber in einem Stadium, in dem sie mit ihrer politischen Erfahrung einen Beitrag leisten könne. Und in ihrer Kritik geht sie sogar noch einen Schritt weiter als ihre Kollegen.
«Wer das Konzept genau liest, merkt schnell, dass rund um den Pfäffikersee scheinbar alle von den geplanten Massnahmen profitieren – ausser wir in Auslikon.» Man habe sie nicht als Ort mit Bedürfnissen wahrgenommen, nicht in die Verhandlungen miteinbezogen.
«Und nur Auslikon wird neu belastet, bei uns werden die ungeliebten Parkplätze abgeladen.» Ihre Kritik richtet sich somit klar gegen den Pfäffiker Gemeinderat, der sich ihrer Meinung nach zu wenig eingesetzt hat.
Umsetzung der Rothenthurm-Initiative
Ein Vorwurf, der Gemeindepräsident Marco Hirzel (SVP) klar zurückweist. «Durch die Reduktion der Parkplätze auf fast die Hälfte und deren Bewirtschaftung wird sich der Verkehr in Auslikon ebenfalls fast um die Hälfte reduzieren, wovon Auslikon profitiert.»
Die Opposition der Ausliker Bevölkerung überrasche ihn nicht, mit einigen Auslikerinnen und Auslikern hatte er bereits Gespräche geführt. «Aber ich bin doch immer wieder überrascht, dass sich viele scheinbar der Tragweite des Konzepts Mobilität und Umwelt Pfäffikersee nicht bewusst sind und erst jetzt, Jahre nach der Information der Bevölkerung, eine Reaktion erfolgt.»



Das Konzept ermögliche eine Gesamtbilanz der Schutzgebiete rund um den Pfäffikersee. «Der Gemeinderat hat sich dabei dafür eingesetzt, dass gangbare Kompromisslösungen gefunden werden können. Sonst hiesse es einfach: Alles muss aus der Schutzzone raus.»
So bedeute die Verschiebung der Parkplätze letztlich die Umsetzung der Rothenthurm-Initiative, die den Schutz von Mooren und Moorlandschaften sicherstellt. «Dass die Parkplätze aus dem inneren Schutzgürtel weichen müssen, ist der grosse Kompromiss, damit die Badi Auslikon überhaupt weiter eine Konzession erhält.»
Erste Auflage im Herbst
Im Herbst soll das konkrete Baugesuch für den neuen Parkplatz erstmals öffentlich aufliegen. Doch die Möglichkeiten, sich gegen die Pläne der Bau- und Volkswirtschaftsdirektion zu wehren, sind nach wie vor eingeschränkt. «Mit grösster Wahrscheinlichkeit werde nicht einmal ich als direkter Nachbar berechtigt sein, eine formelle Einsprache dagegen einzureichen», sagt Hans Hess.
«Bei der Auflage können alle Personen, Interessensgruppen oder Verbände Einwendungen und Anregungen machen», sagt Thomas Maag, stellvertretender Leiter Kommunikation der Baudirektikon. «Diese Einwendungen werden – wenn für sinnvoll erachtet – ins definitive Bauprojekt eingearbeitet.»
Ziel sei es, dieses Bauprojekt Ende 2024 öffentlich aufzulegen. «Bei dieser Auflage werden dann nur noch Einsprachen von gemäss dem Verwaltungsrechtspflegegesetz direktbetroffenen Personen, der Gemeinde oder einspracheberechtigten Verbänden behandelt.» Neben den Anrainergemeinden Pfäffikon, Seegräben und Wetzikon ist dies etwa die Regionalplanung Zürcher Oberland.
Der Regierungsrat entscheide dann mit der Baubewilligung über diese Einsprachen und setzt das Projekt fest. «Sofern dagegen keine Rechtsmittel ergriffen werden, könnte 2025 mit dem Bau begonnen werden.»
Ob die Ausliker nun also einspracheberechtigt sind, ist damit nach wie vor nicht ganz klar. «Trotzdem werden wir es versuchen und zahlreiche Einsprachen einreichen», sagt Willi Schellenberg.
Nächster Schritt Kantonsrat
Und Rita Fuhrer hat einen zusätzlichen Plan, wie sie ihre Erfahrung und ihr Netzwerk zugunsten des Dorfs einsetzen will. «Sollten nach der ersten Auflage des Projekts keine unserer Einwendungen Einzug in das Projekt gefunden haben, werde ich mich an einen Verband wenden, der einspracheberechtigt ist, damit er unsere Interessen vertritt. Und dass ich so einen finde, garantiere ich.»
Da es als Einzelpersonen – oder auch als IG – schwierig sei, in einem solchen Projekt wirklich einflussreich zu sein, wolle sie zusätzlichen politischen Druck aufbauen, indem sie das Thema in den Kantonsrat trägt. Zwar nicht persönlich, aber: «Ich bin bereits im Gespräch mit Kantonsräten, die einen entsprechenden Vorstoss allenfalls initiieren würden. Dann kann eine richtige Diskussion entstehen.»
Lesen Sie hier den historischen Abriss, was in dem Konflikt bereits geschehen ist und unseren Kommentar zum Thema.