Einbrecher stehlen Edelmetallvorrat eines ehemaligen Dübendorfer Gemeinderats
Fette Beute
Trotz Gitter, Panzertür und Alarmanlage wurde bei «Jetzer Gold» in Dübendorf ein Tresor mit Edelmetall gestohlen. Aufrecht-Politiker Patrick Jetzer spricht von einem siebenstelligen Verlust und setzt 200'000 Franken Belohnung aus.
Der Edelmetallhändler Patrick Jetzer hatte nahezu sein gesamtes Vermögen in seinem Geschäft Jetzer Gold an der Überlandstrasse 111 in Dübendorf gelagert – nun ist es weg. Einbrecher haben es sich in der Nacht auf den 1. April geholt. Dabei überwanden sie vergitterte Fenster und eine gepanzerte Tür und überlisteten eine professionelle Alarmanlage, wie Jetzer erzählt.
Die Edelmetalle, geformt in Barren und Münzen, lagerte der ehemalige Dübendorfer Aufrecht-Gemeinderat, der vor drei Jahren ins Toggenburg zog, in einem Hochsicherheitstresor. Diesen rissen die Einbrecher aus der Wand und nahmen ihn mit. «Der Tresor wog mit Inhalt über eine halbe Tonne», sagt Jetzer.
Vom Einbruch erfuhr er durch einen Anruf in der Tatnacht um 2.30 Uhr. Es war der Sicherheitsdienst, der via Alarmanlage über «Stromschwankungen» im System informiert wurde und Jetzer darüber aufklärte.
Ich wollte den Bettel hinwerfen und gar nicht mehr arbeiten.
Patrick Jetzer
Edelmetallhändler
Er habe den Sicherheitsdienst nach einer Einschätzung der Situation gefragt. Weil dieser entspannt geklungen habe und solche Vorfälle bereits zuvor gelegentlich vorgekommen seien, habe er auf eine Alarmierung der Polizei verzichtet. «Ich wollte keinen Fehlalarm auslösen.» Ein Fehler, wie Jetzer Stunden später erfuhr, als ihn ein anderer Mieter der Liegenschaft über den Einbruch informierte.
Belohnung für Tresorinhalt
Noch auf dem Weg von seinem Wohnsitz hat der Edelmetallhändler die Polizei angerufen, die er dann in Dübendorf antraf, wo sie bereits die Spuren sicherstellte. Die Polizisten seien zuversichtlich gewesen, dass die Täter irgendwann gefasst werden würden. «Das nützt mir wahrscheinlich nichts mehr, weil dann die Beute bereits weg ist.»
Die Höhe seines Verlusts will Jetzer nicht genau beziffern. Dieser belaufe sich jedoch auf einen «siebenstelligen Bereich», was einen wesentlichen Teil seines wirtschaftlichen Lebenswerks ausmache. Deswegen hat er eine fürstliche Belohnung von bis zu 200'000 Franken ausgesetzt für Hinweise, die dazu führen, dass er seine Wertsachen zurückerhält.
Patrick Jetzer war kurz nach dem Einbruch am Boden zerstört. «Mir sind schlimme Gedanken durch den Kopf gegangen. Ich wollte den Bettel hinwerfen und gar nicht mehr arbeiten», sagt der 54-Jährige. Doch das Risiko der Altersarmut sei ihm doch zu gross. Zumal das Geld der Pensionskasse und der 3. Säule im Geschäft stecken, das er 2019 gegründet hat.
Fragezeichen um Versicherung
Warum aber hat der ehemalige Dübendorfer ein derart grosses Vermögen nicht versichert? Lag es an den hohen Versicherungskosten oder den strengen Auflagen? Er habe mehrere Anläufe unternommen, eine Versicherung abzuschliessen, sagt Jetzer. Doch die Versicherer hätten ohne Begründung abgelehnt.
Nach den trüben Gedanken sei sein Kampfgeist nun wieder erwacht, sagt Jetzer ein paar Tage nach dem Vorfall. Er spricht von seiner «persönlichen Osterauferstehung». Künftig will der Edelmetallhändler sein Geschäftsmodell jedoch anpassen. Es sollen nur noch Kunden mit zuvor telefonisch vereinbarter Kaufabsicht vorbeikommen – und das Edelmetall wird aus Sicherheitsgründen nicht mehr vor Ort, sondern extern gelagert.
Ein Teil seines Vermögens ist Jetzer in Form von Guthaben bei Lieferanten und Produzenten noch geblieben. Den Webshop mit Versand betreibt er weiterhin wie bisher.
