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Justiz

Bürgermeister von Wetzikons Partnergemeinde verhaftet

Schon zum zweiten Mal werden Nicola Parretta, dem Bürgermeister von Badolato, Verbindungen zur Mafia vorgeworfen. Die Stadt Wetzikon hat die Zusammenarbeit mit ihrer Partnergemeinde sistiert.

Nicola Parretta – hier am Stadtfest in Wetzikon im letzten Jahr – steht seit Ende Januar unter Hausarrest. (Archiv)

Foto: Christian Merz

Bürgermeister von Wetzikons Partnergemeinde verhaftet

Wegen Mafiaverbindungen

Schon zum zweiten Mal werden Nicola Parretta, dem Bürgermeister von Badolato, Verbindungen zur Mafia vorgeworfen. Die Stadt Wetzikon hat die Zusammenarbeit mit ihrer Partnergemeinde sistiert.

Die Beziehungen zwischen Wetzikon und dem süditalienischen Städtchen Badolato sind eng. Vielleicht enger als bei manch anderen Partnergemeinden. Viele Ex-Badolatesi wohnen in der Oberländer Stadt und bilden den grössten Teil der italienischen Gemeinschaft. In den 1950er Jahren sind die ersten Badolatesi auf der Suche nach Arbeit in die Region gezogen.

Inzwischen gibt es mit Virtus Badolato sogar einen Fussballklub in Wetzikon, der den Namen des 2800-Einwohner-Dorfs trägt. Am Wetziker Stadtfest spielten im letzten Jahr badolatesische Musiker. Bürgermeister Nicola Parretta sprach auf der Bühne.

Der Wetziker Stadtpräsident Pascal Bassu (SP) reiste wiederum erst im Dezember zum Gegenbesuch nach Kalabrien. Er sollte dort an der Einweihung des «Percorso dell’emigrante» teilnehmen, einer Strasse für die Ausgewanderten. Wetzikon hatte sich an der Finanzierung der Strassenschilder beteiligt. Das Fest fiel allerdings wegen des Wetters ins Wasser.

Jetzt wird die Beziehung der beiden Gemeinden aber zum wiederholten Mal erschüttert. Gleich mehrere Behördenmitglieder von Badolato befinden sich aktuell unter Hausarrest. Darunter Bürgermeister Nicola Parretta, sein Vize Ernesto Menniti sowie der Präsident des Kommunalrats. Dies berichten mehrere italienische Medien.

Schlag gegen Mafiaorganisation

Festgesetzt wurden sie im Rahmen eines grösseren Schlags der italienischen Carabinieri gegen die kalabrische Mafiaorganisation ’Ndrangheta und deren Verbindungspersonen. Insgesamt 44 Personen hat die Polizei Ende Januar verhaftet, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet. 15 davon befinden sich im Gefängnis, die restlichen 29 unter Hausarrest.

Die vom Gericht in Catanzaro gelisteten Vorwürfe gegen den Bürgermeister von Badolato beziehen sich auf die Kommunalwahlen von 2021, bei denen er nach einem Unterbruch mit der Liste der lokalen Bürgerbewegung Vivi Badolato wieder in das Amt gewählt wurde. Parretta soll durch Verbindungen zur Mafia die Wahl beeinflusst haben. Den mutmasslichen Kontaktpersonen werden unter anderem Korruption, Einschüchterungsversuche und Gewaltandrohung vorgeworfen.

Die Zeitung «Il Fatto Quotidiano» berichtet von einem Treffen Parrettas mit Antonio Paparo. Paparo ist mutmasslich Mitglied des sogenannten Gallace-Clans und sitzt inzwischen im Gefängnis. Beim Treffen soll es um das Erstellen von einer zusätzlichen Wahlliste gegangen sein. Dabei soll es sich gemäss den Untersuchungen um eine Tarnliste gehandelt haben, da mit nur einer Liste das für die Gültigkeit der Wahl nötige Quorum nicht erreicht worden wäre. Das Gespräch wurde offenbar von der Polizei abgehört.

Die Wahl gewann Parretta anschliessend mit einem Stimmenanteil von 92,1 Prozent. Ernesto Menniti, der Kandidat auf der zweiten Liste Uniti per Badolato, erhielt das Amt des Vizebürgermeisters. Der «wahre Bürgermeister von Badolato» sei anschliessend aber Paparo gewesen, schreibt die Zeitung und bezieht sich dabei auf Erkenntnisse der Untersuchungsbehörden. Parretta habe in erster Linie als Strohmann fungiert.

Von einer seit Jahren bestehenden engen Beziehung zwischen Parretta und Paparo berichtet auch die Zeitung «Corriere della Calabria». Die Gemeindeverwaltung sei zuletzt quasi unter der Kontrolle des Gallace-Clans gestanden. Via Parretta und Menniti habe Paparo sowohl politische als auch administrative Entscheide beeinflusst, um unrechtmässige Gewinne für die Mafiaorganisation zu erzielen.

Freispruch in ähnlichem Fall

Es sind nicht die ersten negativen Schlagzeilen für Nicola Parretta. Der heute 68-Jährige war bereits von 1977 bis 1980 Bürgermeister von Badolato. 2008 kehrte er ins Amt zurück und wurde 2013 wiedergewählt. Kurz darauf ermittelte die Staatsanwaltschaft bereits ein erstes Mal wegen Verbindungen zur Mafia gegen ihn. Das Innenministerium stellte die Gemeinde gar unter Zwangsverwaltung. Erst im Jahr 2015 folgte der Freispruch.

Parretta sprach im Anschluss gegenüber dieser Redaktion von «absurden Vorwürfen». Trotzdem kündigte er an, sich aus der Politik zurückzuziehen. 2021 folgte dann das Comeback. Er kandidierte wieder für das Bürgermeisteramt – und erzielte den deutlichen Wahlsieg.

Parretta streitet Vorwürfe ab – Wetzikon sistiert Partnerschaft

Wie in jedem Justizverfahren gilt für die Angeschuldigten die Unschuldsvermutung. In einer ersten Anhörung am Mittwoch hat Parretta alle Vorwürfe zurückgewiesen. Dennoch wirken sich die Ereignisse in Italien bereits jetzt auf die Beziehung zwischen Badolato und Wetzikon aus.

Die Gemeindepartnerschaft liegt für den Moment auf Eis, wie der Wetziker Stadtpräsident Pascal Bassu bestätigt. Das betreffe die Zusammenarbeit in sämtlichen Behördenbereichen. Ein geplanter Besuch des Gesamtstadtrats in Italien im Juni wird nicht stattfinden.

Impressionen vom Freitagabend des Stadtfests Wetzikon 2024
Der Wetziker Stadtpräsident Pascal Bassu (links) eröffnete im letzten Jahr gemeinsam mit Bürgermeister Nicola Parretta das Stadtfest. (Archiv)

Bassu zeigt sich betroffen. «Es ist sehr bedauerlich.» Der Austausch zwischen den Gemeindebehörden habe zwar nur punktuell stattgefunden. «Aber man kennt sich.» Direkten Kontakt zu Vertretern aus Badolato hatte Bassu in den vergangenen Tagen nicht mehr. Von der Verhaftung Parrettas habe er durch eine Mitarbeiterin der Stadt Wetzikon aus Badolato erfahren und sich dann über die Medien und offizielle Stellen informiert.

Grosse Aufregung herrsche in der Gemeinschaft der Badolatesi in Wetzikon. «Sie haben eine schwere Zeit. Das tut mir leid», sagt Bassu. Von aussen sei die Lage in Italien aber schwierig einzuschätzen. «Wir warten nun ab, was passiert.» Generell infrage stellt Bassu die Partnerschaft, die seit 2011 besteht, aber nicht.

Sorge um den Ruf Badolatos

Ähnlich beurteilt die Situation Diana Cundò. Sie war früher Präsidentin der Associazione Gemellaggio (Partnerschaftsverein) in Wetzikon. Den Verein gibt es nicht mehr. Cundò steht aber weiterhin der Partnerschaft Badolato-Wetzikon vor, die den Austausch zwischen der Bevölkerung der Partnergemeinden fördert und beispielsweise regelmässig Reisen organisiert.

Häuser eines Hügeldorfs und der Ausblick in die Landschaft.
Malerischer Blick auf das Meer: das Städtchen Badolato in Kalabrien. (Archiv)

«Die Vorwürfe treffen jeden in der Community», sagt Cundò. «Das geht nicht einfach so an einem vorbei.» Im Sommer reise jeweils ein grosser Teil der Exil-Badolatesi nach Italien, um Familie und Freunde zu besuchen. Das schweisse zusammen – in guten wie in schlechten Zeiten.

Wie bei so vielen Wetziker Badolatesi schlagen auch in Cundòs Brust zwei Herzen. «Wenn man von solchen negativen Nachrichten erfährt, hat man natürlich keine Freude», sagt sie. Das sei für die ganze Gemeinschaft unangenehm.

Gleichzeitig betont sie, dass die Lage noch sehr unübersichtlich sei. Man solle darum niemanden vorverurteilen, bevor alle Fakten auf dem Tisch lägen. Schon jetzt sorgt sich Cundò wegen der aktuellen Meldungen aber um den Ruf Badolatos. Dieser hatte bereits beim letzten Verfahren vor gut zehn Jahren gelitten, obwohl es letztlich zu einem Freispruch kam. Sie unterstreicht darum: «Es ist ein schöner Ort, in dem es den Leuten gut geht – genauso wie Wetzikon.»

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