Bezirksgericht Hinwil verurteilt zwei Männer nach Neonazi-Treffen in Rüti
Rechtsextremismus
Das Bezirksgericht Hinwil hat zwei mutmassliche Organisatoren eines Neonazi-Treffens in Rüti verurteilt. Es sprach bedingte Geldstrafen aus.
Mitte Juni 2022 trafen sich im Pfadiheim in Rüti Dutzende Neonazis. Die Polizei löste das Treffen auf. Die Mehrheit der Rechtsextremen war aus dem Ausland angereist. Wie der «Blick» damals berichtete, kontrollierte die Polizei mindestens 53 Personen. Es war der grösste Neonazi-Aufmarsch in der jüngeren Zeit.
Bei dem Treffen im Zürcher Oberland waren gemäss Anklage insgesamt sogar 57 Personen aus diversen Kantonen sowie Deutschland und Frankreich anwesend. Darunter befanden sich auch mehrere polizeibekannte Neonazis, die der Staatsanwalt an der Verhandlung aufzählte. Ein Anwohner hatte antisemitische Parolen gehört und die Polizei alarmiert.
Bei der Miete gelogen
Nun standen zwei Männer im Zusammenhang mit dem Treffen vor dem Hinwiler Bezirksgericht. Der Richter sagte am Mittwoch, dass die beiden Beschuldigten für die Durchführung des Neonazi-Abends gesorgt hätten. Der 31-Jährige habe sich gegenüber der Polizei als Vermittler ausgegeben und Aufräumarbeiten im Pfadiheim geleistet.
Er solle auch gesagt haben, dass die kurzfristige Anmietung des Pfadiheims wegen eines Wasserschadens in einer anderen Hütte «natürlich gelogen» gewesen sei.
Der zweite Angeklagte, ein 30-jähriger Mann, habe die Hütte reserviert. Von ihm stamme die Telefonnummer auf der Reservation. Auf seinem Computer sei zudem die Kommunikation mit dem Verwalter des Pfadiheims gefunden worden.
Rassistische Parolen
Den Beschuldigten ist gemäss Anklage auch die Band bekannt gewesen, die an der Veranstaltung aufgetreten sein soll. Diese ist klar rechtsextrem. Der Richter ging darum davon aus, dass die beiden Schweizer strafbare Äusserungen erwarten konnten und diese billigten.
Die Anwälte bezweifelten in ihren Plädoyers, dass man mit rassistischen Parolen habe rechnen müssen. Auf dem Video eines Anwohners sei zudem lediglich ein Lied mit Gitarre zu hören und unbestimmte Personen, die Parolen gerufen hätten.
2022 war sogar von zwei Bands die Rede. Am Anlass hätten gemäss «Blick» die deutschen Musikgruppen Oidoxie und F.I.E.L. auftreten sollen. Beide seien Teil des militanten Neonazi-Netzwerks Blood and Honour und würden Texte voller Hass und Gewalt verbreiten. Auch der Grossteil der Feiernden in Rüti stamme aus dem Netzwerk, darunter ältere Kadermitglieder.
Ob ein Konzert einer rechtsextremen Band stattgefunden habe, sei nicht bewiesen, sagte einer der beiden Verteidiger an der Verhandlung. Er sprach der Veranstaltung auch den öffentlichen Charakter ab, der beim Antirassismus-Artikel eine wichtige Rolle spielt.
Trotzdem hat das Bezirksgericht Hinwil die zwei mutmasslichen Organisatoren des Neonazi-Treffens verurteilt. Es sprach bedingte Geldstrafen in Höhe von 100 und 110 Tagessätzen aus. Der Staatsanwalt hatte ursprünglich noch höhere Geldstrafen gefordert, während die Verteidiger Freisprüche verlangten. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. (sda/muc/lel)

