Über Strukturen der «Maurmer Post» soll jetzt der Bezirksrat entscheiden
Gemeinderat informiert
Der Gemeinderat Maur hat zu den Strukturen der Dorfzeitung umfangreiche Abklärungen vorgenommen. Involviert war auch das Gemeindeamt des Kantons, welches eine klare Haltung vertritt.
Kommt jetzt Ruhe in die Dorfzeitung in Maur, die «Maurmer Post»? Auf jeden Fall gibt es eine neue Entwicklung, wie die Gemeinde mitteilt.
So haben umfangreiche Abklärungen ergeben, dass die Gemeindepublikation in ihrer heutigen Form auf einer rechtlich unsicheren Basis steht. Deshalb soll nun der Bezirksrat entscheiden.
Brodelnde Vorgeschichte
Zu einer emotionalen Debatte und einem grossen Knatsch war es unter anderen gekommen, weil der im März 2023 befristet angestellte Chefredaktor Thomas Renggli sich im Februar dieses Jahrs auf seine Stelle neu bewerben musste. Für die fünfköpfige Kommission, welche seit Januar die redaktionelle Hoheit innehat, war das «ein völlig normaler struktureller Prozess».
Der Konflikt eskalierte, als der stellvertretende Chefredaktor Christoph Lehmann unter dem Titel «Tod im Sponstürli» einen ausführlichen Bericht über das Tötungsdelikt in Maur vom 24. Februar verfasst hatte. Im April gab der Gemeinderat bekannt, die Aufsicht über die wöchentliche Zeitung zu übernehmen, Lehmann wurde bis zu seiner Pensionierung im September freigestellt.
Renggli derweil veröffentlichte eine weitere Dorfzeitung: «Muur Pur», untertitelt als «Die Zeitung für Maur – unabhängig, unzensuriert». Und das Blättchen soll bleiben. Ungefähr zehn Erscheinungen seien pro Jahr geplant. Für die Finanzierung ist die Gründung eines gleichnamigen Vereins vorgesehen.
Lesen Sie hier die Chronologie der Ereignisse rund um die «Maurmer Post».
Fachexperten beigezogen
In den vergangenen Wochen wurden derweil verschiedene Fragen zur «Maurmer Post» an den Gemeinderat herangetragen. Eine Arbeitsgruppe hat deshalb die Strukturen und Prozesse des Gemeindeblatts überprüft. Dabei wurden auch Fachexperten beigezogen und eine Stellungnahme des kantonalen Gemeindeamts eingeholt. Ein Zwischenresultat der umfangreichen Abklärungen liegt nun vor.
In seiner Stellungnahme zur «Maurmer Post» führt das Zürcher Gemeindeamt aus, dass eine Gemeinde keine «investigative Zeitung, die kritisch über die Vorgänge in der Gemeinde und über die Gemeindebehörden berichtet», herausgeben sollte. Ausserdem hält es fest, dass «Journalisten, die investigativ über die Gemeinde und die Gemeindebehörden berichten, nicht Angestellte der Gemeinde sein können».
Aufsichtsbeschwerden sind hängig
Die Einschätzung des Zürcher Gemeindeamts hat Gewicht, ist aber nicht bindend, wie die Gemeinde Maur schreibt. Die rechtlichen Fragestellungen seien jedoch eindeutig zu klären, bevor über die künftigen Strukturen und das Inhaltskonzept der «Maurmer Post» entschieden werde.
Eine solche Klärung müsse aus Sicht des Gemeinderats und der beigezogenen Fachexperten der Bezirksrat herbeiführen. Entsprechende Aufsichtsbeschwerden sind dort bereits hängig, und die Gemeinde wird dem Bezirksrat ihrerseits weitere Informationen aus dem Gemeinderat zukommen lassen.
Weil die Besetzung der Chefredaktion einen direkten Bezug zu den Strukturen und dem Inhalt der Publikation hat, muss auch mit diesem Schritt bis zum Entscheid des Bezirksrats zugewartet werden. In der Zwischenzeit wird die «Maurmer Post» weiterhin durch Dörte Welti als Chefredaktorin ad interim und ihr Team geführt. Der Gemeinderat werde die Bevölkerung über die nächsten Schritte informieren, sobald der Entscheid des Bezirksrats vorliege, heisst es weiter.