Eine tote Frau, ein grosser Prozess und die Analyse eines Profis
Pfäffiker alt Regierungsrat als Autor
Er war Regierungsrat und zuvor unter anderem Staatsanwalt, nun hat er ein Buch geschrieben: Der Pfäffiker Christian Huber analysiert einen aufsehenerregenden Mordfall.
Fast auf den Tag genau vor 90 Jahren starb in Zürich Luise Näf unter unklaren Umständen. Umstände, die nun in einem Buch aus dem Zürcher Oberland ausgeleuchtet werden.
Eine Gasvergiftung – oder ein Mord?
Luise wird von ihrem Mann Johann Näf eines Morgens leblos auf dem Küchenboden gefunden. Ein herbeigerufener Arzt diagnostiziert eine Vergiftung durch Gas, das vom offenbar defekten Herd ausströmen konnte.
Die Polizei geht vorerst von einem Selbstmord aus. Bald darauf jedoch wird Johann Näf als Mörder seiner Gattin beschuldigt. Er habe sie umgebracht, um ans Geld aus der Lebensversicherung der Frau zu kommen, wirft ihm der Untersuchungsrichter vor.
Keine Chance mit Unschuldsbeteuerungen
In einem aufsehenerregenden Prozess am damals noch existierenden Geschworenengericht wird der Zürcher zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt – auch, weil sein Ruf seine Unschuldsbeteuerungen kaum zu stützen vermögen. So gilt Näf als Lügner, und im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit als Zahntechniker liess er sich auch für illegale Abtreibungen engagieren.
Seine Verteidiger, von einem Fehlurteil überzeugt, nehmen in der Folge mehrere Anläufe, den Entscheid des Geschworenengerichts umzustossen. Und dann, vier Jahre nach dem Tod von Luise Näf, kommt es zu einem neuen Prozess …
Den Babyquäler-Prozess geleitet
Die hier extrem komprimiert wiedergegebene, in Realität um viele spannende Aspekte und Nebenstränge reichere Geschichte wird in ihrem vollen Umfang im neuen Buch «Der Mordfall Näf» erzählt. Geschrieben hat es der doktoriere Jurist Christian J. Huber.

Der Pfäffiker war von 1999 bis 2005 Zürcher Regierungsrat. Davor arbeitete er als Staatsanwalt, Oberstaatsanwalt, Oberrichter und Präsident des Geschworenengerichts. In letzterer Eigenschaft leitete er auch den Prozess gegen den schweizweit für Entsetzen sorgenden Babyquäler René Osterwalder, der in Dübendorf eine Firma geführt hatte.
Wertvolle Praxisbezüge
Und genau das, Hubers langjährige Erfahrung im Justizbereich, macht den Unterschied dieses Buchs zu den vielen anderen sogenannten True Crime Stories aus, die in den letzten Jahren in zunehmender Zahl auf den Markt kamen. Denn dieser Autor weiss aus der Praxis, worüber er schreibt.
So schildert er nicht nur den Fall und die Gerichtsverhandlungen präzis, detailliert und interessant, sondern ergänzt die Erzählung mit fachlichen und zeitgeschichtlichen Einordnungen, Erklärungen und Zusatzinformationen. Dadurch wird die sonst oft komplizierte und trockene Juristerei anhand eines Strafprozesses auch für Laien problemlos nachvollziehbar und zur attraktiven Lektüre.
Die Geschichte begann mich wunderzunehmen.
Christian Huber zum Auslöser für das Buch
Huber, heute 79, wurde zum Autor, nachdem er vom auch schon im Pensionsalter stehenden Sohn des einen Verteidigers von Johann Näf ein umfassendes Dokument zum Fall erhalten hatte. Er schaute sich das Papier an – «und dann begann mich die Geschichte wunderzunehmen».
Schliesslich fiel der Entscheid, ein Buch darüber zu schreiben. Ein Entschluss, den er wohl «in einem Anfall geistiger Umnachtung» fällte, wie er rückblickend gegenüber dem ZO/AvU meinte.
Schnell einen Verlag gefunden
Etwa acht Monate lang, verteilt auf die Jahre 2021 und 2022, arbeitete er an dem Werk. Recht aufwendig sei dabei gewesen, noch andere Quellen als die im Buch grossflächig zitierte, äusserst ausführliche damalige NZZ-Berichterstattung zu finden.
Die Suche nach jemandem, der das Bändchen dann auch veröffentlicht, gestaltete sich für einen Neu-Autor, wie Huber es ist, vergleichsweise sehr einfach. «Schon der vierte oder fünfte Verlag, den ich anfragte, sagte zu», freut sich der Pfäffiker noch heute.
Sag niemals nie.
Huber zu weiteren Buchplänen
Und ist er nun auf den Geschmack gekommen, wird es neben seinem vor vielen Jahren herausgekommenen Büchlein zur Schweizer Drogenpolitik und dem Ende 2023 erschienenen Werk «Der Mordfall Näf» bald ein weiteres Buch von Christian Huber geben? «Sag niemals nie», lautet da die Antwort des alt Regierungsrats. Doch Pläne in diese Richtung gebe es zurzeit nicht.
Christian J. Huber: «Der Mordfall Näf», Edition Königstuhl, 2023. 184 Seiten, ISBN 978-3-907339-56-5.
