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E-Vignette, Ausland-Einkauf – das ändert sich 2024

Im nächsten Jahr gibt es neue Gesetze und Vorschriften zu beachten. Hier finden Sie die wichtigsten im Überblick.

Wechsel der Autobahnvignette: Im nächsten Jahr muss nicht mehr geklebt werden. (Archiv)

Foto: Tanja Frei

E-Vignette, Ausland-Einkauf – das ändert sich 2024

Neue Gesetze und Vorschriften

Im nächsten Jahr gibt es neue Gesetze und Vorschriften zu beachten. Hier finden Sie die wichtigsten im Überblick.

Bernhard Kiesling

Mehr Rechte für Opfer von Straftaten

Die neue Strafprozessordnung, die Anfang Jahr in Kraft tritt, sieht eine Reihe von Änderungen vor. Unter anderem erhalten Opfer von Straftaten mehr Informationsrechte. Neu erhalten sie unentgeltlich Zugang zum Urteil oder Strafbefehl gegen den Täter oder die Täterin.

Dies auch dann, wenn das Opfer nicht als Partei im Strafverfahren involviert ist. Zudem wird dem Opfer nun unentgeltliche Rechtspflege gewährt, und zwar sowohl für die Durchsetzung von Zivilansprüchen wie auch für eine Strafklage. Die unentgeltliche Rechtspflege bedeutet, dass Personen mit unzureichenden finanziellen Möglichkeiten die Kosten für einen Anwalt oder ein Verfahren erlassen oder reduziert werden.

Tiefere Schwelle für IV-Rente

Jahrelang wurde bei der Bestimmung des Invaliditätsgrads von zu hohen Durchschnittsgehältern ausgegangen. Denn die tatsächlichen Einkommensmöglichkeiten von Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung liegen in der Regel unterhalb der angenommenen Referenzbeträge. Die Folge waren zu tiefe Invalidenrenten. Schon mit der 2022 in Kraft getretenen IV-Reform wurde diesem Problem Rechnung getragen.

Ab Anfang Jahr werden die hypothetischen Einkommen bei Invalidität um zehn Prozent verringert. Das führt zu höheren IV-Renten und vermehrten Umschulungen. Betroffene können bei der zuständigen Ausgleichskasse oder kantonalen IV-Stelle eine neue Berechnung zu verlangen.

Die Mehrwertsteuer steigt

Ab Januar steigen die Mehrwertsteuersätze und damit auch die Preise für alle Konsumentinnen und Konsumenten. Der ermässigte Satz steigt von 2,5 auf 2,6 Prozent. Diesem Satz unterliegen etwa Nahrungsmittel oder Medikamente. Neu werden ab kommendem Jahr auch Frauen-Hygieneartikel zum tiefen Satz besteuert. Der Spezialsteuersatz für die Beherbergungsbranche nimmt von 3,7 auf 3,8 Prozent zu.

Und der allgemeine Steuersatz für die meisten anderen Dienstleistungen und Güter steigt von 7,7 auf 8,1 Prozent. Der Preisüberwacher schaltet ab Januar auf seiner Website einen Mehrwertsteuerrechner auf. Wer Unregelmässigkeiten feststellt, kann diese dann per Onlineformular dem Preisüberwacher melden.

Die Autobahnvignette gibt es jetzt digital

Zusätzlich zur an der Windschutzscheibe aufgeklebten Autobahn-Vignette gibt es neu eine digitale Version. Sie kostet ebenfalls 40 Franken und kann online über eine Website des Bundes bezogen werden. Davon profitieren insbesondere Besitzer mehrerer Fahrzeuge mit Wechselnummern. Die Kontrolle der neuen E-Vignette soll mittels Stichproben erfolgen. Dabei wird die Nummer des Kontrollschilds mit den für die E-Vignette in einer Datenbank hinterlegten Informationen verglichen. Sollte der Missbrauch zunehmen, könnten später automatisierte Kontrollen folgen.

Die Klebevignette, von welcher der Bund bisher jährlich rund 10 Millionen Stück verkauft hat, wird beibehalten. Laut Parlament wird sie erst abgeschafft, wenn sie weniger als zehn Prozent zum Gesamtumsatz beiträgt.

Ausgebauter Kundenschutz im Versicherungsgeschäft

Anfang Jahr tritt das revidierte Versicherungsaufsichtsgesetz in Kraft, das in einzelnen Punkten einen besseren Schutz von Kundinnen und Kunden vorsieht. Dazu zählt eine gewisse Informationspflicht vor Vertragsabschluss. Ungebundene Versicherungsvermittler müssen insbesondere Entschädigungen offenlegen, die sich von Versicherungen oder weiteren Parteien erhalten.

Während gebundene Makler für ein bestimmtes Unternehmen arbeiten, sind die ungebundenen Vermittler mehr oder weniger unabhängig. Doch auch sie arbeiten mit Provisionen und entsprechenden finanziellen Anreizen, weshalb diese Transparenz für Kundinnen und Kunden wichtig sein kann. Weiter hat die Kundschaft unter anderem Anspruch auf folgende Informationen: Ausbildung der Maklerin oder des Maklers, Name der für Fehler haftbare Person und Umgang mit persönlichen Daten.

Krankenkassenschulden: Kinder nicht mehr mitverantwortlich

Nach bisherigem Recht waren Kinder mitverantwortlich für die Bezahlung von Krankenkassenprämien. Bei Zahlungsrückständen führte das bisher dazu, dass junge Menschen mit dem Start ins Erwachsenenleben bei Volljährigkeit von Krankenversicherern gleich für einen grösseren Schuldenberg zur Verantwortung gezogen wurden.

Das ändert sich ab kommendem Jahr: Das Parlament hat das Krankenversicherungsgesetz dahingehend angepasst, dass junge Erwachsene nicht mehr für Prämienrückstände belangt werden können, die während der Minderjährigkeit entstanden sind.

Höherer Sold im Zivilschutz

Der Sold im Zivilschutz wird auf Anfang Jahr demjenigen der Armee angepasst. Der Bundesrat hat Anfang November diese Gleichstellung beschlossen. Weil der Sold von Armeeangehörigen vor gut einem Jahr erhöht wurde, kam es zu Differenzen.

Neu bekommt ein Rekrut 6 Franken (bisher 4) und ein Leutnant 17.50 Franken (bisher 12). Die Gesamtkosten für die Änderung liegen bei rund 1,3 Millionen Franken.

Tiefere Preise dank Aufhebung der Industriezölle?

Als Massnahme gegen die Hochpreisinsel Schweiz setzt der Bundesrat auf Anfang 2024 die Aufhebung von Industriezöllen in Kraft. Früher dienten diese Zölle dazu, die inländische Industrie vor ausländischer Konkurrenz zu schützen. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass diese Zölle vor allem das Material verteuern, das die Industrie zur Herstellung benötigt.

Konsumentinnen und Konsumenten sollen profitieren, da der Zoll auf Gütern wie Autos, Velos, Haushaltsgeräten, Kleidern und anderem mehr wegfällt. Insgesamt rechnen Behörden mit einem Wohlfahrtsgewinn von etwa 860 Millionen Franken. Wenn der Wettbewerb funktioniert, sollten Einsparungen an Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben werden. Ob das klappt, soll mit einem Monitoring geprüft werden.

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