Junges Leben im alten «Freihof» in Schmidrüti
Sandra Kämpf ist mit ihrer Familie im «Freihof» eingezogen und belebt ihn durch und durch. Vier Kinder spurten beim Besuch herum. Daneben baut sie den Betrieb im Gasthaus auf besondere Weise wieder auf.
Dass Sandra Kämpf mit ihrer Familie im Gasthaus Freihof einzieht und dort sogar noch wirtet, war eigentlich nicht geplant. Viel eher führte sie nach Jahren der Abwesenheit der Zufall zurück an den Ort, wo sie als Sandra Stahl zusammen mit einem Bruder in der Chalchegg aufgewachsen ist.
Jetzt verheiratet, hat Sandra Kämpf zusammen mit ihrem Ehemann Michael vier Kinder im Alter von drei bis neun Jahren. Die Familie wohnte in Wetzikon, wo sie sich aber zunehmend nicht mehr wohlfühlte. Auf der Suche nach einem neuen Daheim sprang das Inserat mit dem «Freihof» in Schmidrüti ins Auge.
Ihre Bewerbung stiess bei den jahrelangen, umsichtigen Gastgebern Ursula und Jakob Furrer auf Zustimmung. Ein Glücksfall für alle. Eine Einheimische belebt das lange ruhig dastehende Gasthaus wieder, das freut auch die Umgebung.
Gasthaus zum Freihof Kämpf
Mit dem Bezug des Hauses im Frühjahr änderte sich einiges. Die Fremdenzimmer werden nun durch die Familie selber genutzt, und das Restaurant ist nicht alle Tage geöffnet. Wanderer oder Velofahrer können sich im Schopf selber bedienen, wo es neben Snacks ein gängiges Getränkeangebot gibt.
Der im Mai dieses Jahrs erwachte «Freihof» läuft nun unter dem neuen Namen Gasthaus zum Freihof Kämpf. Offen ist die Gaststube jeweils von Freitagabend bis Sonntag.
Als gelernte Servicefachfrau bringt Sandra Kämpf für den Betrieb einige Gastro-Erfahrung mit. Ihre Speisekarte ist bewusst klein gehalten, so kann sie die Küche neben dem Service selber stemmen. Es sind gut laufende Gerichte wie etwa Schnitzel mit Pommes frites oder ein Wurstsalat. «Aber ich koche immer auch ein Menü, davon hat es dann, so lange es hat», berichtet sie. Und schiebt nach, dass sie diese Hausmannskost bei ihrer Mutter gelernt hat.
Wenn sie am Wochenende wirtet, übernimmt ihr Mann Michael die Aufsicht über die Kinder. Diese können sich in der Spielscheune, die die Eltern von ihren Vorgängern übernommen haben, austoben. Das ist der Wirtin wichtig, denn: «Wir möchten eine familienfreundliche Atmosphäre schaffen.»
Sonntagsbrunch und mehr
Immer am letzten Sonntag des Monats führt Sandra Kämpf den von den Furrers ins Leben gerufenen Sonntagsbrunch im grossen Saal weiter, wo man sich ab 9.30 Uhr bis zum Mittag am reichhaltigen Buffet für 33 Franken den Bauch vollschlagen kann. Dazu braucht es eine Voranmeldung, wie auch dafür, dass die 35-Jährige unter der Woche kocht. Die Gasthaustür öffnet sich – vorerst auch gegen Anmeldung – zudem für Gesellschaften oder am Abend für Vereine.
Jedoch ist Kämpf wichtig, dass ihre Kinder nicht zu kurz kommen, denn Michael Kämpf arbeitet unter der Woche in Wetzikon. «Ohne die Familie geht es nicht», weiss die junge Wirtin und spricht dabei von ihren Eltern. Sandra Kämpf hat einen Weg gefunden, wie sie Familie und Wirtschaft unter einen Hut bringt.
Was sie noch lernen möchte, ist das Einheizen des alten Kochherds aus dem Jahr 1891, um darauf schmackhafte Gerichte zuzubereiten – oder später einmal gar eine Metzgete. Auch das Brotbacken, das eine lange Tradition im Haus hat, steht irgendwann auf dem Programm.
Das altehrwürdige Gasthaus
Ursprünglich wurde der «Freihof» im Jahr 1711 von einem Ulrich Furrer erbaut, 1830 brannte das Gebäude jedoch ab. Nach einer zweijährigen Bauzeit konnte es wieder eröffnet werden und steht nun seither stoisch am Wegrand da.
In der Neuzeit haftet vielen der 1917 geborene Eduard Furrer in Erinnerung. Ein offensichtlich vielseitiges Talent, war er doch Bäckermeister sowie Gast- und Landwirt. Unter ihm entstand 1963 die neue Stallsiedlung. Und es gab zudem unzählige Ferienkolonien im Gebäude. Edi, wie er allgemein genannt wurde, wirtete 40 Jahre zusammen mit seiner Frau Vreni und hiess Prominenz wie Schaggi Streuli oder Toni Vescoli willkommen.
In der zehnten Generation haben Jakob Furrer und seine Frau Ursula das Gasthaus erfolgreich in das neue Jahrtausend und das gut 300-jährige Bestehen geführt. Die elfte Generation der Furrer-Familie hat sich anderweitig orientiert, weshalb Jakob und Ursula Furrer vor einiger Zeit beschlossen, den Hauskomplex zu verkaufen oder allenfalls zu vermieten. Letzteres ist nun eingetreten. Wie heisst es doch so schön – gut Ding will Weile haben.
Das Gasthaus zum Freihof Kämpf ist wie folgt geöffnet: von Montag bis Freitag von 8.30 bis 20 Uhr in der Remise, in Selbstbedienung. Offen ist die Wirtsstube am Freitag von 16 bis 23 Uhr, am Samstag von 9 bis 23 Uhr sowie am Sonntag von 9 bis 18 Uhr. Mehr Infos unter www.gasthauszumfreihofkaempf.ch. (rg)