Invasive Neophyten – warum sind sie ein Problem?
Neophyten verdrängen heimische Pflanzenarten und bieten wenig bis gar keinen Nutzen für hiesige Insekten. Nun bieten Kommunen spezielle Entsorgungsmöglichkeiten für die gebietsfremden Gewächse an.
Neophyten sind «neue Pflanzen», die durch den Menschen in neue Gebiete gelangen. Viele wurden gezielt eingeführt, manche wurden ungewollt eingeschleppt. Ohne den Menschen wären die Gebiete jedoch für diese Pflanzen unerreichbar gewesen. Einige Neophyten haben sich bei uns etabliert und verursachen heute erhebliche ökologische oder wirtschaftliche Schäden.
In der Schweiz entscheidet das Bundesamt für Umwelt (Bafu), welche Pflanzen als invasive gebietsfremde Arten gelten. Ein prominentes Beispiel ist das Einjährige Berufkraut, das sich in Dübendorf und Umgebung aktuell stark verbreitet. Es kam vor über 200 Jahren von Nordamerika nach Europa. Erst seit etwa 20 Jahren gilt es bei uns als invasiv. Vor allem an Ruderalstandorten – durch menschliche Aktivitäten gestörte und brachliegende Flächen – und auf Magerwiesen verdrängt es einheimische Pflanzen.
Kaum Nutzen für Insekten
Die heimischen Insekten hatten keine Chance, sich in dieser kurzen Zeit an die Neophyten anzupassen. Darum ist es nicht überraschend, dass diese Pflanzen nur für wenige einheimische Insektenarten nützlich sind – wenn überhaupt.
Manch invasiver Neophyt profitiert von der Klimaveränderung, einheimische Pflanzen haben dem wenig entgegenzusetzen und werden verdrängt. Auch die Nahrungsgrundlage zahlreicher spezialisierter Insekten geht verloren. Die Artenvielfalt geht weiter zurück.
Ein Sack für Neophyten
Die Bekämpfung und die korrekte Entsorgung invasiver Neophyten erfordern besondere Massnahmen, um die unkontrollierte Verbreitung zu vermeiden. Seit dem 27. Mai bieten Dübendorf, Volketswil und andere Gemeinden spezielle Neophyten-Säcke gratis an. Neophyten werden mit ihren Wurzeln eingesammelt und die verschlossenen Säcke an den offiziellen Sammelstellen der Gemeinde abgegeben.
Weitere Informationen zu Neophyten und zum Bezug der Säcke sind auf der Website der Stadt Dübendorf zu finden. Die Gemeinde Volketswil hat eine ausführliche Übersicht mit Fotos und Tipps zu den häufigsten Neophyten im Siedlungsraum und einheimischen Alternativen mit einem deutlich höheren Nutzen für die hiesigen Insekten. Smartphone-Apps wie Flora Incognita unterstützen bei der korrekten Bestimmung der Pflanzenarten. Am 19. Juni findet für Interessierte in Dübendorf ein Workshop über invasive Neophyten statt.
Die Mitglieder des Vereins für Familiengärten Dübendorf begleiten die Leserinnen und Leser des «Glattalers» durchs Gartenjahr. Sie geben Tipps für Aussaat und Pflege, wobei der Anbau von Obst und Gemüse nur ein Aspekt ist. Ebenso wichtig ist ihnen, wie man durch Verzicht auf Pestizide und chemischen Dünger einen naturnahen Garten erschaffen kann.