Ins Auge sticht der Fällander Beobachtungsturm
Die offizielle Eröffnung des Erlebnispfads mit geladenen Gästen fand am Samstag wie schon der Spatenstich im August 2019 bei strömendem Regen statt. Das trübte die Freude der Redner über die Fertigstellung des Erlebnispfads und der Renaturierungs- und Aufwertungsmassnahmen allerdings nicht.
Als Vertreter der Greifensee-Stiftung, in deren Hand die Projektleitung lag, sprach der Stiftungsratspräsident und alt Stadtrat von Uster, Thomas Kübler (FDP). Dann folgten Ansprachen des Zürcher Stadtrats Michael Baumer (FDP), von Ursina Widmer, Fachstellenleiterin Naturschutz des Kantons Zürich und Ute Schnabel-Jung, Projektleiterin und Geschäftsführerin der Greifensee-Stiftung.
Auf Regen folgt Sonne
Nachdem offiziellen Teil lichteten sich die Wolken langsam und mit dem Ende des Apéros übernahm dann definitiv die Sonne das Zepter.
Sie bescherte den Besuchern einen Nachmittag gespickt mit Informationen über das Projekt. Ute Schnabel-Jung trat auf die Treppe der Aussichtsplattform und bat die Gäste, die Plattform zu verlassen, um die coronabedingten Abstandsregeln einzuhalten.
Sie sei glücklich, dass nun auch am unteren Ende des Greifensees in Fällanden das Naturschutzgebiet mit seinen zahlreichen Facetten dem Publikum nähergebracht werden könne. «Wir wollten nicht nur die Riedlandschaft aufwerten, sondern sie auch dem interessierten Publikum präsentieren», sagte Schnabel-Jung.
Etwas mehr als ein Jahr haben die Renaturierungsarbeiten gedauert. Die endgültigen Resultate dieser Arbeiten werde man erst in einigen Jahren sehen und beurteilen können. Schnabel-Jung wies darauf hin, dass bei einigen Tümpeln auf dem Areal der Wasserstand reguliert werden könne, um die Vielfalt an Pflanzen und Insekten zu fördern.
Flachmore wie in der Stocklen gebe es in der Schweiz nicht mehr viele, sie zu erhalten und zu pflegen sei deshalb wichtig für den Erhalt spezifischer Pflanzen und Tiere, die auf solche Moore angewiesen seien.
Wie quaken Frösche?
Nach den Erläuterungen von Schnabel-Jung nahmen die meisten Besucher den Weg auf dem hölzernen Erlebnispfad unter die Füsse. Er verbindet verschiedene Beobachtungsstationen, an denen man Riedvögel auf den Feuchtflächen zwischen Turm und Aussichtsplattform beobachten und anhand der Silhouetten bestimmen kann.
Ausserdem kann man sich auch anhören, wie Frösche, Kröten, Unken und andere Amphibien quaken, rufen und pfeifen oder sich Geschichten über das Moor anhören.
Turm als Blickfang
Ein ganz besonderes Erlebnis ist der überwältigende Blick vom Aussichtsturm über das Naturschutzgebiet und Greifensee. Einem äusserst gelungenen Bauwerk, dessen senkrechte Balken zum Schutzgebiet hin dichter angeordnet sind als auf der gegenüberliegenden, Fällanden zugewandten Seite. Die Beobachtungsplattform mit ihren Sichtöffnungen erreicht man über eine Wendeltreppe.
Weiter wird entlang des Erlebnispads auch noch über die Resultate der Ausgrabungen orientiert, die erstaunliches zutage gebracht haben. Gefunden wurden neben Feuersteinen zahlreiche Mikrolithen.
Als «Sensationell» bezeichnete die Ausgrabungsleiterin Anna Kienholz die Funde, weil sie aus der späten Mittelsteinzeit stammen. Aus einer Zeit also, die weit vor der Ansiedlung der Pfahlbauer liegt. Eine Fällanderin bemerkte dazu: «Da sieht man, dass schon vor 7000 Jahren Fällanden ein begehrter Ort war, um sich niederzulassen.» ( Eduard Gautschi)