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Gesellschaft

In Wila ertönen sieben Schüsse für eine Heilige

Jedes Jahr am 4. Dezember veranstaltet die Schwarz Spreng- und Felsbau AG für ihre Mitarbeitenden eine Barbarafeier.

Für Sprengfachmann Thomas Schwarz ist die Feier zu Ehren der heiligen Barbara eine wichtige Tradition.

Fotos: Marcel Vollenweider/Unsplash

In Wila ertönen sieben Schüsse für eine Heilige

Traditionelle Barbarafeier

Am 4. Dezember ruhen die Arbeiten bei der Schwarz Spreng- und Felsbau AG in Wila. An diesem Tag begeht die Firma ein Fest, um die heilige Barbara zu ehren.

Fünf lange Hornsignale, drei kurze, gefolgt von sieben Böllerschüssen, und zum Abschluss wieder ein langes Hornsignal. Diese Geräuschkulisse wird am Montagmorgen um 7 Uhr im halben Tösstal zu hören sein – von Bauma über Saland und Wildberg bis Turbenthal.

Ihren Ursprung hat sie in Wila, auf dem Gelände des Sprengunternehmens Schwarz Spreng- und Felsbau AG. Nicht etwa, weil dringende Arbeiten anstehen würden, sondern weil der 4. Dezember einen besonderen Stellenwert in der Firmenagenda hat. Die Schüsse an diesem Tag sind schon lange Zeit Tradition.

Schutz gegen Unfälle

Seit 1981 ertönen sie fast jedes Jahr in Wila. «Wenn es am 4. Dezember ‹chlöpft›, ist Barbaratag», sagt Thomas Schwarz. Mit Barbara meint der Geschäftsführer eine Heilige. Sie ist unter anderem die Schutzpatronin der Mineure, Artilleristen und Sprengmeister. Zu Letzteren zählen sich auch die Sprengtechniker.

Eine legendenumrankte Heilige

Die heilige Barbara ist eine der populärsten Heiligen. In vielen Kalendern ist der 4. Dezember als ihr Namensfest ausgewiesen. Für Katholikinnen und Katholiken zählt sie zu den vierzehn Nothelfern und soll vor plötzlichem Tod und Blitzschlag schützen. Sie gilt als Schutzpatronin der Bergleute, aber auch der Mineure, Artilleristen und Sprengmeister.

Obwohl nicht bekannt ist, ob die heilige Barbara wirklich im 3. Jahrhundert gelebt hat, gibt es verschiedene Legenden über sie. Eine davon besagt, dass ihr Vater sie eigenhändig enthauptete, weil sie sich zum christlichen Glauben bekannte. Daraufhin wurde er sofort vom Blitz erschlagen und verbrannte.

«Die heilige Barbara soll die Leute schützen, damit sie bei ihren Arbeiten nicht zu Schaden kommen», so Schwarz. Mit dem Tag zu ihren Ehren wolle man ihr Respekt zollen und «danke sagen, dass wir das Jahr über keine Unfälle hatten».

Deswegen gilt der 4. Dezember bei der Schwarz Spreng- und Felsbau AG als Feiertag. «Nach den sieben Schüssen muss der Mineur seine Arbeit niederlegen», sagt Schwarz. Das erklärt auch die früh gewählte Uhrzeit. «Sonst arbeitet man doch am Tag der heiligen Barbara. Und das soll nicht das Ziel sein.»

Für den Feiertag bringt das Team jeweils die Werkstatt auf Vordermann und putzt alles sauber. Anschliessend wird sie dekoriert, bis sie den nötigen Festhütten-Charakter ausstrahlt. Dann ist sie bereit für das Fest, das im Anschluss an die Schüsse beginnt.

Dieses sei als Mitarbeiteranlass gedacht und sozusagen Pflicht für alle, betont der Geschäftsführer. Und das bereits seit 40 Jahren. Nur im Dezember 2020 und 2021 musste das Unternehmen mit seiner Tradition brechen. Wegen der Corona-Pandemie war keine Feier möglich. «Wir haben die sieben Schüsse abgelassen, in kleinem Rahmen angestossen und nachher weitergearbeitet.»

Lang gehegte Familientradition

In regelmässigem Turnus findet das Barbarafest ausserhalb von Wila statt. Dann besucht das Team Orte, wo es einst auf Baustellen tätig war, beispielsweise das neue Ressort auf dem Bürgerstock. Was dabei niemals fehlen darf, sind die sieben Schüsse. «Wir haben sie auch schon in einem Skigebiet, auf oder in einem Bunker abgelassen», erinnert sich Schwarz.

Die Barbarafeier ins Leben gerufen hatte Thomas Schwarz’ Grossvater. In den 1950er und 1960er Jahren war er Oberst in der Schweizer Armee und verantwortlich für ein Genie-Bataillon, das vorwiegend mit Sprengen zu tun hatte. «Er selbst hatte eine Leidenschaft für Sprengtechnik und wollte das Militärische ins Zivile bringen», erzählt Schwarz.

Deswegen habe er auf einem Testgelände in Illnau den Brauch ins Leben gerufen, immer am 4. Dezember zur siebten Stunde die heilige Barbara mit sieben Schüssen zu ehren. Im Anschluss habe es immer eine warme Mehlsuppe gegeben. Diese gibt es übrigens bis heute an jeder internen Barbarafeier der Schwarz Spreng- und Felsbau AG zu essen.

Zündung durch den Spezialisten

Im Gegensatz zur Suppe braucht das Unternehmen für die sieben Schüsse eine kostenpflichtige Bewilligung. Nur wenn die Gemeinde diese erteilt, dürfen die Kugelblitz-Bomben gezündet werden. Und das nur von einem Spezialisten. «Ich selber bin Sprengfachmann, ich darf sie nicht zünden», erklärt Thomas Schwarz. Dafür zuständig sei eine Fachperson mit einer Pyrotechniker-Ausbildung.

Diese geht jeweils am frühen Morgen vom 4. Dezember auf die Wiese hinter dem Werkhof und wartet auf ihr Zeichen. Sind die fünf langen und drei kurzen Hornsignale verklungen, folgt ihr Einsatz. Für die heilige Barbara lässt sie es sieben Mal knallen.

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