Gesellschaft

Stille Nacht, heilige Nacht in Wetzikon

Elf Szenen mit Krippenfiguren – und nein, das sind keine Puppen

Zuerst gibt es nur ein Drahtgestell - am Schluss steht einen Krippenfigur. Wie das geht, erzählt Veronika Weder.

Diese Szene zeigt die Gottesdienstbesucher beim Singen.

Foto: Luc Müller

Elf Szenen mit Krippenfiguren – und nein, das sind keine Puppen

Weihnachtszeit ist auch Krippenzeit. Wie man die passenden Figuren herstellt, zeigt Veronika Weder in Kursen in ihrem Atelier. Dort ist ab Sonntag auch eine Ausstellung an Krippen- und Bibelfiguren zu sehen.

Jetzt ist es dann bald wieder so weit: Das weltbekannte Weihnachtslied «Stille Nacht, heilige Nacht» wird von zahlreichen Kehlen gemeinsam gesungen oder von den Organisten gespielt. Wie das Lied, das 1818 erstmals in der Kirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg mit einer Melodie von Franz Xaver Gruber und dem Text von Joseph Mohr erklungen ist, entstand – darüber erzählt die aktuelle Weihnachtsausstellung von Veronika Weder.

Frau quer
Veronika Weder kreiert seit Jahren Schwarzenberger Krippenfiguren.

In ihrem Atelier an der Bertschikerstrasse 9 in Wetzikon werden elf Szenen gezeigt – in allen agieren Krippenfiguren. «Für diese Ausstellung habe ich 50 neue Figuren kreiert», erzählt Veronika Weder. Seit Jahren beschäftigt sie sich mit der Herstellung von Krippen- und Bibelfiguren.

Dabei erstellt sie sogenannte Schwarzenberger Krippenfiguren. Die ersten erschuf Klosterschwester Anita Derungs 1964 im Kloster Ilanz. Später wurden im Bildungshaus Schwarzenberg Kurse zur Erschaffung solcher Figuren angeboten. Daher der Name Schwarzenberger Krippenfiguren.

Raum beleuchtet
In der aktuellen Weihnachtsausstellung gibt es viel zu sehen.

Die Figuren tragen keine Gesichtsmerkmale wie Augen, Nase oder Lippen. «Sie transportieren ihre Gefühle und Stimmungen über ihre Körperhaltung», erklärt Weder, die seit 2013 ihre Kursleiterausbildung bei der Vereinigung Kursleiterinnen Biblischer Figuren Schwarzenberg (VKBFS) absolviert hat.

Veronika Weder war zwischen 2003 und 2014 unter anderem in Hinwil, Fischenthal, Rüti, Tann und Dürnten als Religionslehrerin tätig. «Schon damals habe ich die Krippen- und Bibelfiguren in den Unterricht eingebaut.» Die Ausstellung werde auch von Kindern mit ihren Eltern oder von Schulklassen besucht, weshalb die Szenen leicht verständlich gestaltet seien.

Auch Mäuse zu sehen

Wer die Augen offen hält, entdeckt dabei so manches Detail – auch solche mit Witz – wie die vielen Mäuse oder den kleinen Papierkorb voll mit zerknülltem Papier, die davon zeugen, dass der Komponist bei seiner Arbeit zahlreiche Versuche benötigte für seinen späteren Welthit.

Figuren
Mit solchen Rohfiguren fängt man an.

Heute gibt sie ihr Wissen an Kursen in ihrem Wetziker Atelier weiter, an denen die Teilnehmerinnen ihre eigenen Figuren gestalten und erarbeiten. Zu Beginn gibt es eine bewegliche Drahtfigur, die mit Bleifüssen versehen wird. Die Arme und Beine werden nach und nach mit Tricotstreifen umwickelt.

Das Gesicht besteht aus einem Styroporblock, der in Form geschliffen, modelliert und nochmals geschliffen und mit einem speziellen Gesichtsstoff überzogen wird. Danach werden den Figuren auch die Kleider selber genäht und je nach Figur auch bestickt.

Viele Figuren
In ihrem Atelier hat sie zahlreiche Accessoires gelagert.

«Im Kurs stellen die Teilnehmerinnen – bisher nahm noch nie ein Mann teil – auch die Kulissen wie Stall, Palmen oder Krippe, in dem das Jesuskind liegt, selber her.» In ihrem Atelier stehen Regale voller Accessoires, von denen Veronika Weder viele selber hergestellt hat.

Haus
In ihrem Atelier an der Bertschikerstrasse 9 in Wetzikon gibt Veronika Weder auch Kurse für Krippen- und Bibelfiguren.

Puppen bastelt sie übrigens nicht. «Dieses Vokabular verwende ich bewusst nicht. Wir erarbeiten Figuren und kreieren Figuren – das in aufwendiger Handarbeit. Das ist mehr als nur Basteln.» Viele der Teilnehmerinnen sind stolz auf sich, wenn sie ihre Krippe fertig haben. Sie schicken mir dann ein Foto, wie sie diese in ihrer Stube aufgebaut haben. Das ist ein schönes Gefühl für mich, zu sehen, dass ich mein Wissen weitergeben konnte», sagt Veronika Weder, die in Bubikon wohnt.

Die Krippen- und Bibelfigurenkreateurin stellt auch zahlreiche andere Figuren her. Neu beispielsweise Feen, die man das ganze Jahr aufstellen kann. Für Silvester hat sie auch schon einen Kaminfeger erschaffen, für einen Geburtstag einen Gärtner, und auch die Kinderfiguren Pumuckl und Pippi Langstrumpf sind schon entstanden.

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