In Uster wurde die Ökonomie auf den Punkt gebracht
BSU-Wirtschaftsupdate
Information und Inspiration auf verschiedenen Flughöhen: Reto Cueni, Chefökonom der Bank Vontobel, und Unternehmerin Dorothee Auwärter referierten am BSU-Wirtschaftsupdate in Uster.
«Es ist verdammt schwierig, hierzu etwas Gescheites zu sagen», meinte Reto Cueni auf die Frage eines Gasts am Wirtschaftsupdate der Bank BSU. Dabei hatte der Chefökonom der Bank Vontobel zuvor sehr viele, sehr gescheite Dinge von sich gegeben.
Die Frage, die Cueni am Dienstagabend im Ustermer Stadthofsaal leicht in Bedrängnis brachte, drehte sich um den Zusammenbruch der Silicon Valley Bank und verschiedener weiterer Regionalbanken in den USA. Ob diese Krise einen Flächenbrand auslösen könne, wollte der Mann im Publikum wissen. Nach kurzer Denkpause war Cuenis Antwort klar: «In Europa muss man sich keine Sorgen machen.» Die Silicon Valley Bank, die im März kollabiert sei, sei an «wirklich sehr groben Managementfehlern» gescheitert.
Reto Cueni referierte vor rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörern über die grossen wirtschaftlichen Themen. Der Volkswirt spannte in seiner Tour d’Horizon den Bogen von der Corona-Pandemie über die Inflation, den russischen Angriffskrieg in der Ukraine, den Handelsstreit zwischen den USA und China bis hin zu den US-Wahlen im kommenden Jahr.
Dabei zeigte er – trotz zahlreichen Statistiken, Charts und Diagrammen – sehr anschaulich auf, welche Faktoren die Finanzmärkte bewegen. Und zog daraus seine Schlüsse, wohin die Weltwirtschaft und damit eng verbunden auch die Schweizer Volkswirtschaft steuern werden.
Die wirtschaftliche Zukunft sieht Cueni trotz ungünstigen Vorzeichen wie Inflation und gestiegenen Zinsen gar nicht mal so düster. Weltweit werde sich das Wachstum in den nächsten Jahren abschwächen, analysierte er, um gleich anzufügen: «Für die Schweiz habe ich keine grossen Bedenken.»
«Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen»
Der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und deren Chef Thomas Jordan wand der Banker ein Kränzchen: «Die SNB hat einen guten Job gemacht.» Sie habe den Kurs des Schweizer Frankens gegenüber dem Dollar und dem Euro steigen lassen und dadurch die Inflation gedämpft. «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.»
Während Cueni das grosse Bild malte, zeigte Dorothee Auwärter anschliessend auf, wie sich diese politischen und wirtschaftlichen Realitäten auf ein KMU auswirken. Als Verwaltungsratspräsidentin von Kuhn Rikon ist Auwärter Teil der vierten Generation, die das Familienunternehmen heute führt. Das Rikemer Unternehmen beschäftigt in der Schweiz, in Grossbritannien, den USA und Spanien insgesamt 240 Mitarbeitende.
Und sie illustrierte an einem eindrücklichen Beispiel, was Inflation und gestiegene Energiekosten für ein KMU bedeuten können: «Bis Ende 2022 bezahlten wir 6 Rappen für die Kilowattstunde. Seit dem 1. Januar sind es 24 Rappen!» Beim Stahlpreis sei die Entwicklung ähnlich.
Dorothee Auwärter ging auf die zahlreichen Herausforderungen ein, die sich ihrem Unternehmen stellen. Ein Thema war der Produktionsstandort Schweiz mit seinem hohen Lohnniveau. Kuhn Rikon werde sein Kochgeschirr weiterhin im Tösstal produzieren, «aber wir müssen die Produkte auch verkaufen». Unternehmertum sei eine Gratwanderung: «Es stellt sich die Frage: Wie viel unserer Produktion wollen wir automatisieren? Wir sind ein soziales Unternehmen.»
«Wir finden unsere Produkte cool und haben Freude daran»
Auch die Entwicklungen im Einzelhandel seien herausfordernd, erklärte Auwärter am Beispiel der Stadt Zürich: Manor an der Bahnhofstrasse ist Geschichte, Globus am Bellevue löst seine Abteilung mit Haushaltsartikeln auf, und auch Jelmoli wird seine Verkaufsfläche drastisch reduzieren. Kuhn Rikon reagiert darauf mit verstärktem Online-Handel und mit der Eröffnung eigener Ladenlokale. Im Juni soll in Zürich ein Kuhn-Rikon-Shop eröffnet werden, «wenn wir Mitarbeitende finden».
Neben allen Herausforderungen stellte Dorothee Auwärter auch klar, dass es Spass macht, ein Unternehmen zu führen: «Wir finden unsere Produkte cool und haben Freude daran.»
Das grosse Panoramabild mit Kurven, Daten und Charts sowie die Miniatur am konkreten Beispiel eines Unternehmens aus dem Tösstal: Das BSU-Wirtschaftsupdate war ein starkes Stück aktuelles Wirtschaftsgeschehen.