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Gesellschaft

In Uster bauen sie sich die Welt, wie sie ihnen gefällt

Tausende Besucher werden sich am Wochenende in Uster durch Legolandschaften staunen. Ein Besuch bei den Menschen hinter den Steinen.

Auch in Uster geht der Kampf zwischen Gut und Böse weiter: Mitten im Lego-Modell «Mittelerde».

Foto: Simon Grässle

In Uster bauen sie sich die Welt, wie sie ihnen gefällt

Lego-Ausstellung Brixpo 24

Auf dem Ustermer Zeughausareal werden dieses Wochenende riesige Miniatur-Welten aus Millionen von Legosteinen präsentiert. Wer baut sowas?

«Herr der Ringe», «Jurassic Park», «Pirates of the Caribbean», «Star Wars»: In den Räumen des Ustermer Zeughausareals wird an diesem Wochenende mit einer gigantischen Menge von kleinen Steinen grosses Kino geboten.

Die Grundzüge der Lego-Ausstellung sind an diesem Freitagmorgen gut zu erkennen. Vollendet ist sie allerdings nicht. Auf mit schwarzen Tüchern bedeckten Tischen stehen Fahrzeuge, Schienen, Riesenräder, Schlachtschiffe, Flugzeuge, Lastwagen. Am Boden liegen offene Holzkisten und Kartonschachteln.

Ein Blick in die Boxen offenbart, wie sorgfältig die bereits im Vorfeld fertig gebauten Werke in einzelnen Stücken transportiert worden sind. Die Konstruktionen sind fragil, können schnell auseinanderbrechen.

Vorsichtig nehmen die anwesenden Männer und Frauen die ersten Grundplatten von 25 auf 25 Zentimeter aus ihnen hinaus und positionieren sie. Sofort wird klar: Hier entstehen Welten nach einem akribisch ausgearbeiteten Plan.

Impressionen und Portraits kurz vor der Brixpo-Eröffnung.
Der sichere Transport ist eine Kunst für sich: Boxen mit vorgebauten Lego-Platten.

Dazwischen steht Michael Strasser. Der Ustermer organisiert mit seinem Verein Brixpo zum zweiten Mal eine Lego-Ausstellung auf dem Zeughausareal. Obschon er sich Zeit nimmt, Fragen zu beantworten, merkt man ihm an, dass er unter Strom steht. Es gibt noch viel zu tun, in nur wenigen Stunden muss alles bereit sein. Und «alles» ist in diesem Fall alles andere als wenig.

Genaue Zahlen zum Material und dessen Wert gibt es keine. Das Bauchgefühl des Beobachters sagt: Millionen von Steinen und mehr als eine Million Franken. «Das scheint mir durchaus realistisch», sagt Strasser – und bestätigt damit zumindest die schwindelerregenden Dimensionen, die in diesen farbig-eckigen Landschaften steckt.

Tatsächlich kommt die Brixpo grösser daher als noch im Vorjahr. Damals wurde das gesamte Angebot auf 1000 Quadratmeter gepackt– die Ausstellung, der Shop, die Workshops und die Gastronomie.

Nun gehört diese Fläche allein den verschiedenen Lego-Welten. Die Verpflegungs- und Partizipationsmöglichkeiten werden ins Freie verlagert, der Shop in einen separaten Raum.

Der Organisator Michael Strasser im Portrait.
Michael Strasser ist der Kopf hinter der Brixpo-Ausstellung.

Ein Grund dafür ist das hohe Interesse der Akteure. Einerseits der Ausstellerinnen und Aussteller, von denen sich deren 65 aus dem In- und Ausland angemeldet haben. Andererseits des Publikums.

Im Vorjahr waren die Veranstalter überrascht worden. «Wir hatten mit total 3000 Personen gerechnet. Gekommen sind gut 6500», erzählt Strasser. So musste er am Abend des Eröffnungstages kurzerhand noch Sicherheitspersonal anheuern, um den Besucherandrang zu managen.

Das zeigt: Die Faszination der farbigen Plastikbausteine aus dem dänischen Billund wirkt bis heute ungebrochen. Ja mehr noch, sie scheint ein eigentliches Revival zu erleben. Viele Menschen, die in den 1960er und 1970er Jahren mit Lego aufgewachsen sind, entdecken über ihre Kinder ihre alte Leidenschaft wieder.

Impressionen und Portraits kurz vor der Brixpo-Eröffnung.
Ein Familienprojekt: Vater Stefan und Sohn Luke bauen ihr Miniatur-Festivalgelände.

Diese Erzählung hört man unter den Ausstellern oft. Zum Beispiel von Organisator Strasser, der seinen zehn Quadratmeter grossen Dinosaurier-Park, den er an der Brixpo ausstellt, gemeinsam mit seinen Kindern erstellt hat. Aber auch von einem Mann aus dem sankt-gallischen Rheineck, der sich als Stefan vorstellt. Er ist gerade dabei, seinem Sohn Luke zu helfen, ein Konzert-Festival-Areal aufzubauen.

Er sagt: «Ich habe meine alten Lego-Sets im Estrich gefunden. Als ich sie mit Luke zusammenbaute, realisierte ich schnell, dass ich es auch nach vielen Jahren immer noch im Kopf habe. So hat es mich wieder reingezogen.»  

Ähnlich klingt es im ersten Stock. Dort ist der deutsche Rentner Michael Janneck mit seiner Frau Gertrud in der Mitte eines Tischkreises damit beschäftigt, Maschinen aufzustellen. «Zuerst spielten meine Kinder mit Duplo, dann mit Lego und schliesslich mit Lego Technic. Schritt für Schritt habe ich dabei das Kind im Manne wiedergefunden.»

Michael und Getrud Janneck vor ihrer Lego Technic-Kugelbahn.
Die Techniker: Michael und Gertrud Janneck haben sich auf die Disziplin «Great Ball Contraption» spezialisiert.

Sein «extensives Hobby», wie er es nennt, hat Janneck in seiner Heimatstadt Kaiserslautern in einen Lego-Verein geführt, den «Lauter Steine e.V.». Dieser ist in Uster mit zehn Personen und einer Vielzahl von Werken präsent: die Kirche Notre-Dame, Mosaikbilder der Klonkrieger aus «Star Wars» oder eine mit fliessendem Wasser ausgestattete Version der «Pirates of the Caribbean»-Bahn aus dem Disneyland Paris, um nur einige zu nennen.

Janneck hat sich dagegen auf eine Disziplin spezialisiert, die sich «Great Ball Contraption» nennt. Dabei bewegen sich Kugeln minutenlang durch ausgeklügelte Systeme, die elektrisch betrieben werden. Es geht um Mechanik, Logik, Präzision, aber auch um Ästhetik.

Die Konstruktionen hat der frühere Elektrotechniker zu Hause nach Plänen aus dem Internet und Youtube-Videos eines japanischen Ausnahmekönners nachgebaut. Er sagt: «Das Tolle ist die Versatilität. Man kann ein Teil aus einem Set nehmen und für etwas völlig anderes verwenden.» Oder anders formuliert: Michael Janneck kostet die riesige kreative Freiheit aus, die sich ihm im Rahmen der physikalischen Gesetze bietet.

Gleichzeitig mag er es, seine Faszination zu teilen. Jährlich reist er an bis zu zehn Ausstellungen. Er spreche halt gerne mit den Besucherinnen und Besuchern. Die Redseligkeit, man merkt das bei fast allen Ausstellenden, scheint in der Szene generell ausgeprägt.

Das gilt auch für Peony Schütz und Ming Li aus Basel. Die beiden sind im Fantasy-Bereich zu Hause. Gemeinsam mit Freunden haben sie in den letzten zwei Jahren mit mehr als einer halben Million Steinen die Mittelerde aus «Herr der Ringe» nachgebaut. Jetzt stellen sie diese erstmals aus.

«Während Corona habe ich mit Lego-Sets zu ‘Herr der Ringe’ begonnen», erzählt Schütz. Als diese schliesslich nicht mehr verkauft wurden, beschloss sie kurzerhand, auf eigene Faust zu bauen. So fand sich Schritt für Schritt eine Gruppe, die zusammen das Projekt der ganzen Mittelerde in Angriff nahm.

Der Aufwand ist beträchtlich. Die Gestaltung eines Grundplans, die der Kartengenauigkeit der Mittelerde und den Dimensionen der personellen und materiellen Ressourcen entspricht, ist so anspruchsvoll, dass das Team mit dem ebenfalls anwesenden Martin Wittwer gar einen Architekten bestimmt hat.

Ein grosses Kriegsschiff, rein aus Lego gebaut.
In der USS Flint von Pius Lacher stecken 47’000 Lego-Bauteile.

Wie sehr die Macherinnen und Macher mit ihren Werken verschmelzen, zeigt schliesslich Pius Lacher. Der Mann aus Pfäffikon im Kanton Schwyz hat die USS Flint repliziert, einen leichten Kreuzer der US-amerikanischen Armee aus den Zeiten des Zweiten Weltkriegs.

Wenn er über das viereinhalb Meter lange Schiff doziert, wirkt er wie ein Professor. Lacher scheint alles über das Original zu wissen. Seine Einsätze in Schlachten, die Grösse der Besatzung, die Kaliber der Kanonen. Er sagt: «Die Geschichte meines Werks fasziniert mich genauso sehr, wie es zu erschaffen.»

Die Brixpo 24

Nachdem die Premiere im Vorjahr die Erwartungen der Organisatoren übertroffen hat, findet nun die zweite Austragung statt. Die «Lego-Fan-Ausstellung» Brixpo 24, wie sie offiziell heisst, hat am Freitag ihre Türen auf dem Zeughausareal in Uster geöffnet. Sie wird noch am Samstag von 9 bis 19 Uhr und am Sonntag von 9 bis 17 Uhr zu besichtigen sein. Tickets können online (Link zu https://www.brixpo.ch/tickets/) oder vor Ort gekauft werden. (mmu)

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