Gesellschaft

In Rüti braucht es noch Freiwillige für eine gelungene Integration

Damit Integration glückt, braucht es engagierte Akteure - so wie sie im Verein Sichtbar und im Brockolino anpacken.

In Rüti braucht es noch Freiwillige für eine gelungene Integration

Verein Sichtbar und Verein ohne Grenzen

Taten statt Worte – das ist das Motto der Kulturstube, wo sich Einheimische und Geflüchtete begegnen. Hinter dem Projekt stehen vor allem engagierte Frauen wie die Ukrainerin Yuliia Bezruchko, die das Brockolino leitet.

FRau mit Schild
Die Ukrainerin Yuliia Bezruchko ist Leiterin des Brockolinos.

Yuliia Bezruchko, eine Ukrainerin, leitet das Brockolino. Über die Integration von Geflüchteten wird viel gesprochen, aber in Rüti setzen der Verein Sichtbar und der Verein Ohne Grenzen auf konkrete Taten. Solche Projekte hängen von den Menschen ab, die sie initiieren und vorantreiben.

Zu diesen treibenden Kräften gehören Annette Carle, die für ihr Engagement 2020 den Innovationspreis der Gemeinde Rüti und 2022 den Kulturförderpreis der Stadt Wetzikon erhalten hat, sowie Claudia Rüegg. Annette Carle, eine Filmemacherin, hat an der Moosstrasse eine alte Bäckerei in ein autonomes Kulturzentrum verwandelt, in dem Theater-, Film- und Malkurse stattfinden. Diese Angebote richten sich sowohl an Einheimische als auch an Geflüchtete und fördern den Austausch.

«Das Ziel ist es, das Quartier zu beleben und den Menschen, die hier vorbeischauen, ein Lächeln mit auf den Weg zu geben», schreibt Annette Carle auf der Homepage der Filmbäckerei.

Auch Claudia Rüegg, reformierte Pfarrerin in Rüti, setzt sich aktiv für Geflüchtete ein. Gemeinsam mit einem Team hat sie spontan Gesprächsrunden vor einer ehemaligen Flüchtlingsunterkunft organisiert – eine Geste, die von den Asylsuchenden sehr geschätzt wurde. Ihr Motto: einfach handeln, statt nur abzuwarten.

Drei Frauen auf Sofa
Annette Carle (links) und Claudia Rüegg (rechts) bieten viele Projekte für Flüchtlinge. So das Brockolino, welches Yuliia Bezrucko (Mitte) leitet.

Eines der neuesten Projekte ist das Tandem-Projekt «zäme da», eine Initiative der Caritas Schweiz und der reformierten Kirche Zürich. Hier verbringen Schweizerinnen und Schweizer Zeit mit Geflüchteten, um gemeinsam Deutsch zu sprechen und kulturellen Austausch zu fördern.

«Solche Projekte sind wichtig. Sie fördern den Austausch zwischen Einheimischen und Geflüchteten. Das führt zu ganz neuen Sichtweisen über die fremden Kulturen», betont die Pfarrerin.

Neu findet jeden Montag von 20 bis 21 Uhr in der Turnhalle Lindenberg ein offenes Turnen für Frauen mit Kindern. Hier können Frauen mit Kindern teilnehmen. Anmeldungen erfolgen über die Kulturstube.

Mehrere Tische
Im gleichen Gebäude wie das Brockolino befindet sich auch die Kulturstube, wo regelmässig Projekte für Geflüchtete stattfinden.

Im selben Gebäude wie das Brockolino befindet sich die Kulturstube, ein zentraler Ort für Integrationsprojekte. Hier wird auch das nationale Programm Femmes-Tische angeboten, bei dem Migrantinnen in ihrer Muttersprache oder auf Deutsch über Themen wie Familie, Gesundheit und Integration sprechen. Auch ein Männer-Tisch gehört zum Angebot, ebenso wie kostenlose Deutschkurse.

Laden von aussen
Die Kulturstube ist auch gleichzeitig eine Brockenstube.

Alle diese Projekte finden in der Kulturstube statt, die sich seit 2022 in Rüti an der Rapperswilerstrasse 7 befindet. Die Kulturstube ist sozusagen die Zentrale der Vereine Sichtbar und ohne Grenzen, der 2017 von den Jugendlichen Alex Denzler und Raphael Strupler gegründet wurde, mit dem Ziel, Sportanlässe für Geflüchtete und Einheimische anbieten zu können.

Die Kulturstube ist mehr als nur eine Brockenstube: «Aber vor allem ist es ein Ort, an dem sich die Geflüchteten wohlfühlen. Viele schauen einfach mal rein und trinke hier einen Kaffee, wie in einer gemütlichen Stube eben. Hier finden sie Freunde», betonen Annette Carle und Claudia Rüegg.

Yuliia Bezruchko leitet das Brockolino gemeinsam mit einem internationalen Team von Freiwilligen. Menschen aus der Ukraine, Afghanistan, Eritrea, der Türkei, Tunesien und der Schweiz arbeiten hier zusammen.

«Wenn ich hier bin, kann ich für kurze Zeit den Krieg in meiner Heimat vergessen», sagt die Brockolino-Leiterin, «die Arbeit macht mir viel Spass – und vor allem lerne ich Deutsch.» Sie kommt aus Charkiw, wo sie als Bankkauffrau tätig war. Seit knapp zweieinhalb Jahren lebt sie hier mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Rüti.

Vor dem Brockolino steht eine Telefonkabine, die zu einem «Foodwaste Schrank» umfunktioniert wurde. Hier können Lebensmittel, die nicht mehr gebraucht werden, zur Verfügung gestellt werden. Dieses Projekt, wie viele andere, kommt sowohl Einheimischen als auch Geflüchteten zugute. Aber eben: nicht nur darüber reden, sondern etwas tun – das ist das Motto. Deshalb: Freiwillige vor! Und Gönner und Sponsoren seinen auch herzlich willkommen, sagen die beiden Frauen.

Engagement beim Verein Sichtbar

Alles zum Angebot vom Verein Sichtbar findet man unter www.filmbaeckerei.ch.
Wer sich freiwillig engagieren möchte, kann sich bei Annette Carle (078 681 55 88, oder annette@carle.ch) melden.
Weitere Infos zum «Tandem»-Projekt : www.zaeme-da.ch.

Das Brockolino, an der Rapperswilerstrasse 7 in Rüti, hat wie folgt geöffnet:
Montag und Sonntag: geschlossen
Dienstag bis Freitag: 15 bis 18 Uhr
Samstag: 10 bis 13 Uhr.

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