Gesellschaft

Fahrtwind im Haar

In Pfäffikon sorgt ein Hecht für Fahrspass

Wenn dieses Boot durch den Pfäffikersee gleitet, dann ist Spass angesagt – dafür sorgen drei Freizeitkapitäne von Mai bis Oktober.

Einfach herrlich: eine Rundfahrt mit der «Hecht».

Foto: Luc Müller

In Pfäffikon sorgt ein Hecht für Fahrspass

Fahrtwind im Haar

Wenn dieses Boot durch den Pfäffikersee gleitet, dann ist Spass angesagt – dafür sorgen drei Freizeitkapitäne von Mai bis Oktober.

Am strahlend blauen Himmel tanzen weisse Wölkchen. Der Wind säuselt über den Pfäffikersee. Und auf der Nase sitzt die Sonnenbrille. Los kann es gehen – mit der Fahrt im historischen «Hecht». Das zehn Meter lange, offene Fahrgastschiff wurde 1911 hier am Pfäffikersee von Bootsbauer Emil Leemann hergestellt, der auch einer der Besitzer des Restaurants Hecht war und zusätzlich einen Fischereibetrieb führte.

Drei
Die drei Kapitäne der «Hecht»: Urs Mock, Beat Kirchhofer und Markus Horisberger (von links).

Seit 2019 gleitet die Bootsschönheit wieder über den Pfäffikersee, angetrieben mit einem Elektromotor, der das Boot mit einer Spitzengeschwindigkeit von 20 km/h antreibt. In der Regel wird aber bedeutend langsamer gefahren – umweltfreundlich eben.

Die drei Kapitäne der «Hecht», Markus Horisberger, Beat Kirchhofer und Urs Mock, haben zur Saisoneröffnung geladen. Eben haben sie das Boot noch geputzt. Von Mai bis Oktober kann man das historische Boot, das Platz für zwölf Personen plus Kapitän bietet, für eine rund einstündige Rundfahrt über den Pfäffikersee für 180 Franken pro Stunde buchen. «Wer will, kann auch einen Apéro mitnehmen», erklärt Horisberger, der wie seine zwei Mitkapitäne über einen Motorbootschein verfügt. Das erlaubt den Transport von maximal zwölf Passagieren.

Fahrt nur bei trockenem Wetter

«Wir müssen bei unseren Fahrten immer vorausschauend auf gutes Wetter hoffen», sagt Urs Mock, der früher lange bei der Seerettung auf dem Pfäffikersee tätig war. «Mit unserem offenen Boot fahren wir ja nur bei trockenem Wetter, sonst macht es keinen Spass.» Ob eine gebuchte Fahrt stattfindet, wird immer rund zwei Tage vor Fahrbeginn mit den Kunden abgesprochen und notfalls ein Ausweichtermin gesucht.

Boot
Das offene Boot ist zehn Meter lang und wurde 1911 gebaut.

Das historische Boot, das von 1911 bis zum Zweiten Weltkrieg die Schifffahrtslinie Pfäffikon–Seegräben–Robenhausen–Auslikon–Pfäffikon bediente, kehrte 2019 nach der Übernahme und einer umfassenden Sanierung durch die Stiftung Historische Zürichsee Boote auf den Pfäffikersee zurück. «Das Boot war in sehr schlechtem Zustand. Wir haben es für den symbolischen Betrag von einem Franken gekauft und bei einer spezialisierten Bootswerft am Bodensee umfassend saniert», berichtet Beat Kirchhofer. Die Sanierung hat rund 240’000 Franken gekostet und wurde vor allem durch Spendengelder finanziert.

Boot klein
Das Boot ist zehn Meter lang.

Jeden ersten Sonntag im Monat von Mai bis Oktober findet eine anderthalbstündige Schiffstour in Zusammenarbeit mit dem Naturzentrum Pfäffikon statt. Der See und seine ausgedehnte Verlandungszone bilden die grösste Moorlandschaft des Kantons Zürich. Während der Fahrt erhalten die Teilnehmenden Einblicke in die Pflanzen- und Tierwelt des Pfäffikersees, in die Bedeutung der Seeschutzzonen sowie in den Einfluss menschlicher Nutzung – früher wie heute. Die Exkursion richtet sich an Erwachsene und Familien.

Private Motorboote nicht erlaubt

Die «Hecht» ist übrigens nur eines von vier Motorbooten auf dem Pfäffikersee, die eine Erlaubnis haben, hier fahren zu dürfen. Motorisiert unterwegs sind sonst nur der grössere Bruder der «Hecht» mit Namen «Tödi», welcher noch immer im Besitz der Bootsvermietung booti.ch ist, der Seerettungsdienst und ein saisonaler Berufsfischer. Privatpersonen dürfen nicht mit ihrem Motorboot hier fahren, erlaubt sind nur Segel- und Ruderboote.

Wie erwähnt gehört die «Hecht» der Stiftung Historische Zürichsee Boote. «Ein repräsentatives Portefeuille von an Zürcher Seen gebauten Booten sammeln, in Betrieb halten und so für die Nachwelt erhalten», das ist das Ziel der Stiftung, wie es auf der offiziellen Website der Stiftung heisst. Aktuell besitzt die Stiftung über zehn solcher historischer Boote vor allem auf dem Zürichsee. «Wir sind sozusagen die Aussenstation hier auf dem Pfäffikersee», erklärt Horisberger.


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