Gesellschaft

Mit Wasserkraft betrieben

In Maur werden Baumstämme wie zu alten Zeiten verarbeitet

Urs Kunz bist Revierförster der Gemeinde Maur - und kennt sich mit der historischen Sagi im Dorf aus.

Revierförster Urs Kunz präsentiert die historische Säge.

Foto: Luc Müller

In Maur werden Baumstämme wie zu alten Zeiten verarbeitet

Mit Wasserkraft betrieben

Die historische Sagi war bis 1961 in Betrieb. Nun wird nur noch zu speziellen Anlässen gesägt – so am Samstag beim Schweizer Mühlentag.

Was plätschert denn da? Wer sich dem Wasserrauschen nähert, sieht ein Wasserrad, das sich bewegt. Das wiederum treibt ein Sägeblatt an. Urs Kunz, der Revierförster der Gemeinde Maur, ist noch im Untergeschoss der historischen Sagi am Werkeln.

Morgen Samstag findet erneut der Schweizer Mühlentag statt. Die Vereinigung Schweizer Mühlenfreunde (VSM) führt jeweils am Samstag nach Auffahrt den Schweizer Mühlentag durch. An diesem nationalen Tag öffnen in allen Landesteilen historische Mühlen, aber auch Sägewerke ihre Türen für Interessierte. Seit 2002 ist auch die Sagi Maur jeweils am Mühlentag offen.

Köbi Frei: Ein Leben für die Sägerei

Jahrelang hatte Köbi Frei, der 2024 verstorben ist, die Sagi betreut. Freis Vater besass eine Schreinerei und pachtete die Sagi. Mit Pferden wurden die Baumstämme dorthin transportiert und zu Brettern verarbeitet. Schon mit zwölf Jahren half Köbi Frei bei der Sagi mit. Jahrelang wartete Köbi Frei die Säge und hielt sie mit viel Arbeit und Herzblut instand.

Bild 3
1778 zerstörte eine Überschwemmung des Dorfbachs die Sagi.

Ein Sägewerk bestand schon 1596 und wurde 1617 als Eigentum des Müllers erstmals urkundlich erwähnt.
1778 wurde der Bau durch eine Überschwemmung zerstört und später als offenes Fachwerk wieder aufgebaut. Nach 1921 ersetzte ein Elektromotor die Wasserkraft als Antrieb des Wasserrads. 1961 wurde die Sagi eingestellt. 1971 verschenkte die Besitzerin Bertha Unholz-Kunz sie der Gemeinde Maur. Der Gewerbeverein Maur restaurierte 1976 das Gebäude und rekonstruierte später noch das Wasserrad. 1983 wurde auch der Wasserkanal über die Burgstrasse wiederhergestellt. Seit 1979 gilt die Sagi als nationales Schutzobjekt.

Weiher
Im Mühleweiher staut das Wasser, das für die Sagi und die Mühle gebraucht wurde.

Was hat es mit diesem Wasserkanal auf sich? Urs Kunz bittet gleich zu einem kurzen Spaziergang. Erhöht über der alten Mühle und der Sagi befindet sich der künstlich angelegte Mühleweiher. Hier wurde Wasser aus dem Haumesserbach und auch vom Dorfbach gesammelt.

Über eine Klappe kann Urs Kunz Wasser aus dem Weiher in den Kanal leiten, der dieses schliesslich auf das Wasserrad in der Sägerei bringt und es antreibt. «Oft hatte es aber in den vergangenen Jahren zu wenig Wasser. Aber grundsätzlich lässt sich das Sägeblatt auch heute noch über Wasserkraft betreiben», erklärt der Revierförster. Doch wenn die Sagi heute mal ab und zu für Demonstrationszwecke läuft, wird sie durch den Elektromotor angetrieben.

Bretter
In der Sagi können auch heute noch Bretter gesägt werden.

«Früher wurden hier vor allem Bretter und Balken für den Bau geschnitten», erzählt Kunz. «Mir ist wichtig, dass wir das Wissen nicht verlieren, wie man die Sägerei betreibt.» Er selber habe die nötigen Handgriffe von Köbi Frei gelernt. «Die Tradition, die historische Technik – das fasziniert mich. Deshalb engagiere ich mich in meiner Freizeit schon seit Jahren für die Sagi hier.» Am morgigen Mühlentag seien sechs Leute vor Ort, welche die Säge betrieben und Fragen beantworteten. «Vor allem Zimmerleute. Wir Holzer sind an Sägen schon von Berufs wegen interessiert», berichtet Urs Kunz.

Foto
Die Belegschaft von Mühle und Sagi um 1910.

Die Sagi spielt jeweils an der Chilbi in Maur eine wichtige Rolle. Denn hier ist im Inneren und um die Sägerei herum eine beliebte Festwirtschaft integriert. Nun hat man also morgen Samstag eine weitere Möglichkeit, sich über die Faszination der historischen Sägerei zu informieren – und zu hören gibt es viele Geschichten.


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