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In Hinwil werden Klaviertöne optimiert

Was passiert in einer Firma für Klaviere und Konzertflügel? Josias Sigrist erklärt es.

Josias Sigrist öffnet die Tür zu seiner Firma Piano Sigrist in Hadlikon.

Foto: Luc Müller

In Hinwil werden Klaviertöne optimiert

In Hadlikon stehen Klaviere und Flügel im Mittelpunkt – dafür sorgt die Firma Piano Sigrist, die sich hier unter anderem um Lernende, Konzerte und Klavierspenden kümmert.

Schon die Eingangstüre stimmt einen wortwörtlich ein – auf die Firma Piano Sigrist, die in Hadlikon im Areal im Tobel zu Hause ist. Das übergrosse Bild auf der Türe zeigt den Firmenchef Josias Sigrist, wie er in Montréal im Maison symphonique einen Konzertflügel stimmt.

Der 35-Jährige aus Egg nimmt das «Regio» auf einen Rundgang durch das Unternehmen mit, in dem zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sind. «Wir sind hier seit sieben Jahren. Ich und meine Frau Laura haben die Firma von meinem Vater übernommen, der noch als Einzelperson arbeitete.» Inzwischen hat sich Piano Sigrist einen internationalen Ruf erarbeitet. Seine Frau sei übrigens zunächst Sekundarlehrerin gewesen und habe dann zusätzlich eine Lehre als Klavierbauerin EFZ absolviert.

Mann sitzt
Bei der Reparatur wird das Instrument auseinandergenommen – so auch die Tasten.

Warum dies nötig war, erklärt Josias Sigrist gleich an einem Flügel, der hier in Revision ist. Reparieren und optimieren – das sind die Hauptarbeiten der Klavierbauerinnen und Klavierbauer hier. Dazu braucht es einiges an Fachwissen.

Hier in Hadlikon werden keine Flügel und Klaviere gebaut. «Ich weiss aber, wie das geht. In meiner vierjährigen Lehre zum Klavierbauer EFZ musste ich ein ganzes Klavier bauen», sagt Josias Sigrist. In der Schweiz ist er der Fachmann für Resonanzböden. Das Wissen dazu hat er sich über viel Recherche, Forschung und internationale Kontakte erworben.

Klavier offen
Hier ist das helle Holz, der Klangboden, zu sehen.

Sigrist klopft auf den hellen Holzboden im Innern des Klaviers. «Das ist der Resonanzboden aus Schweizer Bergfichte. Wir verarbeiten nur die besten Hölzer dafür.» Der Resonanzboden überträgt die Schwingungen der Saiten auf die Luft, verstärkt den Klang und prägt die Klangfarbe.

«Wir machen hier oft Flügel klanglich besser als zuvor – durch das Optimieren des Resonanzbodens. Das können wir beispielsweise durch das Abschleifen des Bodens erreichen.» Um klanglich tote Punkte zu entdecken, wird Sand auf den Resonanzboden gestreut und mit einem Subwoofer (monofone Lautsprecherbox) bespielt. Wo sich der Sand nicht bewegt, schwingt der Boden nicht – dort gibt es Klangprobleme.

Auch bekannte Flügelhersteller versuchen heute, die Herstellungskosten zu drücken. Gespart wird gerne genau bei dem Resonanzboden. So kann es gut sein, dass ein Flügel aus den 1920er Jahren wegen hochwertigerem Klangboden besser klingt als ein neuer Flügel.

Schlegel
Diese mit Filz beschlagenen Hämmer treffen auf Stahlsaiten, welche den Ton erklingen lassen.

Zudem hat die Firma inzwischen eine eigene Serie der mit einem Filz versehenen Hammerköpfen entwickelt, die beim Anschlagen der Taste auf die Stahlsaiten treffen und eine Schwingung erzeugen, die zum Ton wird. Und so kann es sein, dass sich im Innern einer bekannten Flügelfirma wie Steinway & Sons nicht mehr die Originalteile befinden, sondern die verbesserte Technik aus dem Hause Sigrist. «Dem Pianisten geht es um den Klang und nicht um eine originalgetreue Kopie», sagt Sigrist.

Trio
Chef Josias Sigrist (links) mit Klavierbauer Felix Ramming und Klavierbauerin Nicole Reller.

«In unserer Firma legen wir Wert auf die Ausbildung», sagt der Chef beim weiteren Rundgang. Und so bildet die Firma auch regelmässig Lernende aus. Derzeit ist das eine junge Frau, die 2027 ihre Lehre als Klavierbauerin abschliessen wird.

Auch als Prüfungsexperte enagiert

«Wir sind ein Kleinstberuf. Pro Jahr schliessen maximal vier Klavierbauerinnen oder Klavierbauer eine Ausbildung ab.» Sigrist, auch bei der Interessengemeinschaft Instrumentenbau als Prüfungsexperte engagiert, will mit Blick in die Zukunft die Ausbildung und den Nachwuchs stärken. Denn im Schweizer Verband der Klavierbauer und -stimmer seien über 80 Prozent über 55 Jahre alt.

Mann am Klavier
In der Firma finden hier im Flügelsaal regelmässig hochkarätige Klassikkonzerte statt.

Piano Sigrist ist ein Kompetenzzentrum für Flügel und Klaviere. Im Haus werden auch Flügel lackiert, was aber selten ist. Zudem finden im Flügelsaal – wo zahlreiche Flügel auch zum Verkauf stehen – jeweils am zweiten Freitag im Monat Werkstattkonzerte statt.

«Das kam auf Wunsch der Kunden zustande», erklärt Sigrist. «Wir wurden immer öfters von Musikern angefragt, ob sie auch mal bei uns auftreten könnten. Zudem gab es Anfragen von Privatpersonen, ob wir auch Konzerte veranstalten.» Und so finden inzwischen auch aktuelle Klassikstars wie Alma Deutscher (21) den Weg nach Hadlikon.

Saal
Auch einen Saal mit Klavieren gibt es bei der Firma.

Zum Service des Hauses gehört auch das Klavierstimmen. Bis zu 3000 Kunden werden dabei betreut. Einmal im Jahr sollte man seinen Flügel oder sein Klavier stimmen, rät der Chef.

In einem weiteren Saal stehen zahlreiche Klaviere. «Wir verkaufen diese Instrumente, auch gebrauchte. Wir wollen die Freude an der Musik auch an jene ohne grossen Geldbeutel vermitteln», so Josias Sigrist. Ein neuer Flügel kostet schnell mal über 60 000 Franken, ein Klavier gibt es hingegen schon ab 4000 Franken. «Wir haben auch einige, die hier in unsere Räume zum Klavierspielen kommen. Wir vermieten Instrument und Raum dafür.» Auch E-Pianos kann man hier mieten. «Ich empfehle aber, nach spätestens einem Jahr auf ein Klavier umzusteigen – das hat doch einen anderen Klang und vermittelt ein anderes Gefühl», betont Sigrist.

Klaviere werden gespendet

In einer Ecke der Firma stehen zahlreiche verpackte Klaviere und Flügel, welche der Förderverein seiner Eltern eingelagert hat. «Die sind eigentlich bereit für den Abtransport in Entwicklungsländer. Sie sind für Musikschulen vorgesehen. Aber die politische Weltlage verunmöglichte die letzte Lieferung.» Jetzt seien sie auf der Suche nach einer neuen Musikschule beziehungsweise einem neuen Abnehmerland. Schon sein Vater Beni Sigrist habe Klaviere als Spende nach Rumänien verschickt. Josias und Laura Sigrist haben diese Tradition aufgenommen und 2019 Klaviere in Musikschulen in Eritrea gebracht sowie die örtlichen Klaviere gestimmt und repariert.

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