Gesellschaft

Gemeinsame Exkursion

In Egg sind die Fledermäuse im Fokus

Brigitte Schneider-Ganz ist offizielle "lokale Fledermaus Schützende". Was dahinter steckt, erklärt sie hier.

Brigitte Schneider-Ganz ist Präsidentin des Natur- und Heimatschutzvereins Egg. Sie führt die Fledermaus-Exkursion durch.

Foto: Luc Müller

In Egg sind die Fledermäuse im Fokus

Am kommenden Mittwoch lädt der Natur- und Heimatschutzverein Egg zu einer Fledermaus-Exkursion an den Greifensee ein. Was dort passiert, erzählt Exkursionsleiterin Brigitte Schneider-Ganz.

Brigitte Schneider-Ganz kramt ein ganz spezielles Gerät aus ihrem Rucksack. Es ist ein sogenannter Batscanner. Damit kann man die für das menschliche Ohr nicht hörbaren Rufe der Fledermäuse hörbar machen. Denn um sich in ihren nächtlichen Flügen orientieren zu können, stossen die Tiere einen Schrei aus, der als Schallwelle auf einen Gegenstand stösst und als Echo zum Tier zurückkommt. «Mit dem Gerät kann ich anhand des empfangenen Rufs hören, ob Fledermäuse da sind», betont Schneider-Ganz.

Gerät
Mit diesem Gerät kann das Echo der Fledermäuse hörbar gemacht werden, dessen Frequenz für das menschliche Ohr sonst nicht zu hören ist.

Am nächsten Mittwochabend, 27. August, lädt der Natur- und Heimatschutzverein Egg (NHVE) ab 20 Uhr zu einer Fledermaus-Exkursion an den Greifensee ein. Geführt wird diese durch Brigitte Schneider-Ganz, die seit April als neue HNVE-Präsidentin amtet.

Maus
Das Grosse Mausohr ist gefährdet.

Beim Fledermausschutz Kanton Zürich und der Stiftung Fledermausschutz Schweiz, die auch eine Pflegestation beim Zürcher Zoo betreibt, hat sie sich als «lokale Fledermaus Schützende», so der offizielle Titel, ausbilden lassen. Sie ist damit eine von rund 100 Personen im Kanton Zürich, die als Fledermaus-Beauftragte im Einsatz sind. Zudem hat sie die Ausbildung, um als Exkursionsleiterin Interessierten die Fledermäuse in freier Natur näherzubringen.

«Das ist eines der wichtigsten Ziele des Natur- und Heimatschutzvereins Egg: Über solche Projekte wie diese Exkursion den Menschen die Natur näherzubringen», betont die Exkursionsleiterin. Am 27. August trifft man sich um 20 Uhr beim Parkplatz Silberweide in Mönchaltorf. Dann erzählt Brigitte Schneider-Ganz für rund eine Stunde anhand von Schaubildern ein paar interessante Fakten über die Fledermäuse. Danach geht es an drei verschiedene Orte an den Greifensee und den Aabach.

Mit der Taschenlampe unterwegs

«Es gibt leider immer noch viele Vorurteile über die Fledermäuse. So beispielsweise, dass sie sich in unseren Haaren verfliegen sollen oder Blut saugen», sagt Schneider. Das sei alles unwahre Schreckgeschichten. «Nur in Südamerika leben Fledermäuse, die sich von Tierblut ernähren», sagt die Fledermaus-Expertin.

«Ich habe am Greifensee eine starke Taschenlampe dabei, um die Tiere kurz anzuleuchten und für alle sichtbar zu machen.» Nach solchen Exkursionen bekomme sie oft positive Rückmeldungen. Die Besuchenden sehen danach die Natur und die Tiere mit ganz anderen Augen.

Bild
An diesen Orten, die gelb eingekreist sind, leben die Fledermäuse gerne.

In Egg arbeitet Brigitte Schneider-Ganz eng mit der Gemeinde zusammen. Haben Private ein Problem mit den Fledermäusen oder haben ein Tier gefunden, dann gilt es Brigitte Schneider-Ganz zu kontaktieren. «Pro Jahr gibt es rund fünf solcher Anrufe.» Manchmal helfe es, ein aufgefundenes Tier, das nicht verletzt ist, über den Tag zu Hause in einer Schachtel mit Luftlöchern zu deponieren. «Am Abend kann man die Fledermaus am Fundort wieder ablegen – meist fliegt sie dann wieder zu ihrem Wohnort zurück.»

Junge Fledermäuse werden jetzt selbständig

Seit Ende Juli/August sind die Jungtiere nun selber am Fliegen und werden nur noch selten von der Mutter gesäugt. Schon bald werden sie ihr eigenständiges Leben führen. «Ab Mitte August findet dann die Paarungszeit der Fledermäuse statt. Das ist die einzige Zeit im Jahr, in der Weibchen und Männchen zusammenleben», ist auf der Website des Natur- und Heimatschutzvereins zu lesen, wo Brigitte Schneider-Ganz gerade einen Artikel unter dem Titel «Was machen die Fledermäuse im Sommer?» aufschaltet. Von Oktober bis April befinden sich die Tiere dann im Winterschlaf. «Wo sie genau in Egg oder Umgebung überwintern, wissen wir nicht. Sie hängen sich aber in Ritzen oder Höhlen und verlangsamen den Herzschlag und fahren ganz runter», weiss die Egger Fledermaus-Expertin.

Frau mit Bildern
Brigitte Schneider-Ganz ist Präsidentin des Natur- und Heimatschutzvereins Egg.

In Egg gebe es mindestens 20 Standorte, an denen die Tierchen leben, wie ein Monitoring vor Jahren gezeigt hat. «Gewisse Standorte sind inzwischen verlassen, neue sind dazugekommen. Einige bevorzugen Dachstöcke ländlicher Gebäude, andere in Spalten von modernen Liegenschaften.» Regelmässig werden die Fledermäuse in Egg beobachtet und gesammelte Daten an die Fledermausschutz-Beauftragten des Kantons Zürich übermittelt.

«Früher fanden Fledermäuse beispielsweise in Kirchtürmen oder Estrichen in Häusern gute Lebensräume. Aber nach Gebäudesanierungen werden alle Ritzen verschlossen, und so verschwindet Lebensraum.» Und Schneider-Ganz weiter: «Eine Fledermaus braucht pro Nacht bis zu 3000 Insekten als Nahrung. Aber auch diese verschwinden immer mehr in der Natur.»

Aber man könne durchaus etwas für die gefährdeten Fledermäuse – in der Schweiz leben 30 Arten – machen. «Man kann im Garten heimische Pflanzen anpflanzen, die Insekten anlocken, und die Beleuchtung ums Haus dimmen oder ganz weglassen, denn Licht haben die Fledermäuse nicht gerne.» Zudem könne man Fledermaus-Nistkästen anbringen. An welchem Ort genau: Darüber berät Brigitte Schneider-Ganz Private gerne.

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