In diesem Wald wird das Holz versteigert
Im Dübendorfer Wald wird noch eine traditionelle Holzgant durchgeführt. Die Holzkorporation verkauft dabei ihr Ernteholz an den Höchstbietenden. Aber den Organisatoren ist der Gewinn nicht wichtig.
«Der hat viel Fleisch am Knochen», sagt Nils Mändli, der Revierförster von Dübendorf und Betriebsleiter der Holzkorporation. «Es ist ein diverser Haufen.» Gemeint ist der Berg aus zersägten Baumstämmen und Ästen, den er als Auktionsmeister zu versteigern versucht. Buche, Esche und Fichte liegen hier bunt gemischt nebeneinander.
Weniger vielfältig ist dagegen sein Publikum, das sich an diesem schönen Frühlingssamstagnachmittag im Dübendorfer Wald versammelt hat. Zwischen den noch kahlen Bäumen blitzen vor allem karierte Hemden, leuchtend gelbe Jacken und grau-grüne Schnittschutzhosen hervor. «Es sind hauptsächlich Ur-Dübendorfer hier», verrät Mändli.
Diese besuchen, viele schon seit Jahren, die sogenannte Holzgant. Bei dieser versteigert die Holzkorporation Dübendorf einmal jährlich einen Teil ihres Ernteholzes an den Meistbietenden. Der Anlass ist öffentlich, lediglich eine Voranmeldung ist nötig.
Holzen als Hobby
Verkauft werden Ster-Rugel, also Holzscheitbündel, aber auch grob zerschnittene Bäume. Deshalb stapfen hinter Mändli rund 50 Leute über die frischen Blumen im Gockhauser Wald. «Die Ster-Rugel verkaufen sich nicht gut», sagt Mändli. Die groben Holzstücke hingegen schon. Er kann sich das erklären: «Den Leuten macht es mehr Spass, das Holz selbst zu Brennholz zu verarbeiten. Es ist für sie wie ein Hobby.»
Wenn Mändli sich neben einen dieser Haufen auf einen Baumstumpf stellt und den Basispreis bekannt gibt, sammeln sich die Leute um ihn herum. In 5-Franken-Schritten wird geboten. Hitzigkeit entsteht dabei aber kaum. Auf nonchalante Weise werden die Gebote präsentiert, die Nonchalantesten heben gar nur den Finger zum Bieten.
Die Gewinner werden im Anschluss auf einer Liste vermerkt. Aus dem Wald holen müssen sie die Ware aber selbst. Einer der Besucher stupst seinen Kollegen an, der gerade einen Baum ersteigert hat: «Du, der liegt noch blöd hier mitten im Wald, wie willst du den denn mit dem Auto rausziehen?» Aber der andere scheint sich nicht zu sorgen: «Ach, das geht schon.»
Im Dienst der Gemeinde
Die Ausgangspreise für das Holz reichen von 20 Franken für einen kleinen Asthaufen bis zu 200 Franken für einen grossen Stamm. «Den Preis rechtfertigen wir durch unseren Arbeitsaufwand», sagt Mändli. Aber um einen grossen finanziellen Gewinn gehe es der Korporation in diesem Fall nicht.
«Wir wollen der Gemeinde einen Dienst erweisen», sagt Mändli. «Wir geben den Anwohnern die Möglichkeit, von ‹ihrem› Wald zu profitieren und ihr eigenes Brennholz herzustellen.» Und im Gegensatz zu anderen Gemeinden, in denen die Holzgant nach und nach ausgestorben sei, sei das Interesse in Dübendorf nach wie vor da.
Es gibt aber noch einen weiteren Grund für die Durchführung: die Öffentlichkeitsarbeit. «Durch die Gant können wir im Gespräch bleiben und unsere Arbeit bekannt machen», sagt Mändli. Während seiner Tour durch den Wald bleibt er ab und zu stehen, um etwas über eine alte Tanne oder den neuen Traktor der Korporation zu erzählen.
Eigentlich könnten sie das geerntete Holz auch einfach als Schnitzel verkaufen. Aber: «Das Durchführen der Gant hat für uns Priorität», sagt Mändli. «Es gibt sie seit über 100 Jahren und ist ein gesellschaftlich wertvoller Anlass.»
Stichwort Gesellschaft: Wurde alles Holz versteigert, fahren die Mitarbeiter der Korporation mit ihren Traktoren samt Anhängern vor. Darauf haben sie Holzbänke montiert, auf welche die Teilnehmer nun klettern, um sich zurück zum Werkhof chauffieren zu lassen. Denn dort warten bereits kühle Biere und heisse Würste.