Dies sind die beiden letzten Esel der Stadt Illnau-Effretikon
Ende einer tierischen Tradition
700'000 Franken hätte der Ersatz des maroden Stalls auf der Schulanlage Eselriet gekostet. Nun streicht der Stadtrat seine Pläne für einen Neubau – und damit auch für neue Esel.
In der Pause kurz mal die Esel Selena und Struppi streicheln und ihnen ein paar Chrottepösche über den Zaun reichen – dies wird für die Schulkinder der Primarschule Eselriet in absehbarer Zeit nicht mehr möglich sein. Verstirbt eines der beiden über 15-jährigen Tiere, soll für den verbleibenden Esel ein neues Zuhause gesucht werden.
Die Haltung von zwei Eseln – und früher auch vier Ziegen – hat eine lange Tradition auf der Schulanlage in Effretikon. Die ersten Tiere zogen 1972 als Geschenk des damaligen Architekten im «Esi» ein. Nach dem Tod der letzten Ziege und dem Verzicht auf einen Ersatz sind heute nur noch zwei Langohren übrig.
Stallung stark sanierungsbedürftig
Esel benötigen zwingend Sozialkontakt zu Artgenossen, Einzelhaltung ist verboten. Dass sich die Stadt am Tag X kein Ersatztier zulegen will, ist dem stark sanierungsbedürftigen Zustand der Stallung geschuldet, wie der Stadtrat in seinem Beschluss schreibt.
Neben ausreichend Platz fehlten eine Güllegrube sowie ein Wasser- und Kanalisationsanschluss. Der Boden im Aussenbereich, auf dem sich die Tiere überwiegend aufhielten, sei oftmals morastig. Zudem seien Strohlieferungen und die Abfuhr des Mists über den Pausenplatz unpraktisch.

Um die Mängel zu beheben, liess die Stadt von einem Planungsbüro einen Masterplan für die Anlage erstellen. Die neue Tierstallung wäre demzufolge im Bereich der heutigen Parkplatzeinfahrt zu stehen gekommen. Die geschätzten Realisierungskosten für Stall und Umgebung: 700'000 Franken.
Zu viel, kam der Stadtrat bei seinen Diskussionen im Rahmen des städtischen Sparpakets zum Schluss. Zumal neben den zu erwartenden Investitionen für eine tiergerechte Haltung laufend Kosten für den Unterhalt und Betrieb anfallen. «Das Projekt für die Erneuerung der Tierstallung ist unvollendeter Dinge abzuschliessen», lautet denn auch sein Fazit. Womit für Selena und Struppi bis zum Tag X alles beim Alten bleibt.