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Wirtschaft

Illnau-Effretikon auf dem Podest

Die Gemeinde sorgt mit dem 3. Platz im Rating für Aufsehen. Dass es eine Stadt mit knapp 18'000 Einwohner aufs Podest schafft, ist einzigartig.

Die Stadt Illnau-Effretikon beschafft nachhaltig.

Foto: Till Burgherr

Illnau-Effretikon auf dem Podest

Rating bezüglich nachhaltiger Beschaffung

Im Gemeinderating von Solidar Suisse sorgt Illnau-Effretikon mit dem dritten Platz für eine Überraschung. Uster schafft es unter die Top 20, und Weisslingen landet im hinteren Teil des Ratings.

Wenn es darum geht, wie nachhaltig Gemeinden einkaufen, ist Illnau-Effretikon spitze. Nur die Städte Zürich und Lausanne schneiden im Gemeinderating von Solidar Suisse noch besser ab. Illnau-Effretikon erreicht mit 57 von 70 möglichen Punkten den dritten Platz.

Insgesamt nahmen 97 Gemeinden am Rating teil, einem Ranking, das die globale Verantwortung der Gemeinden im Hinblick auf ihre Kaufkraft bewertet.

Gemeinderating von Solidar Suisse

Solidar Suisse zeichnet mit dem Gemeinderating bereits zum fünften Mal jene Schweizer Gemeinden aus, die sich durch nachhaltige Beschaffungspraktiken und ihren Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit hervorgetan haben.

Mit rund 16 Milliarden Franken üben die Schweizer Gemeinden einen direkten Einfluss auf die globalen Produktionsketten und die Bedingungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus.

Neben dem nachhaltigen Einkauf misst das Rating auch die Beiträge, welche die Gemeinden zur Unterstützung von Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen in der Entwicklungszusammenarbeit leisten. (tbu)

«Illnau-Effretikon ist ein Beispiel einer Kleinstadt, die sehr vorbildlich agiert und seit Jahren Anstrengungen unternimmt, sich zu verbessern», begründet Solidar Suisse den Spitzenplatz.

Seit 2021 sind neue Richtlinien zur nachhaltigen Beschaffung gültig, die eine verbindliche Grundlage für die Verwaltung schaffen.

Laut Peter Wettstein, dem Stadtschreiber von Illnau-Effretikon, wurden diese im Dialog mit den für Beschaffungen verantwortlichen Personen erarbeitet und auf die Umsetzbarkeit geprüft. Die Richtlinien bewertet Solidar Suisse als umfassend, konkret und pragmatisch.

Der Bahnhof von oben.
Illnau-Effretikon erreicht im Gemeinderating den dritten Platz. (Archiv)

Illnau-Effretikon habe nicht nur allgemeine verbindliche Richtlinien zur nachhaltigen Beschaffung, auch in den verschiedenen Produktekategorien würden verbindliche Vorgaben bestehen.

Illnau-Effretikon kauft nachhaltig ein

Umsetzungsbeispiele seien die Umstellung auf nachhaltige Reinigungsmittel oder die kontinuierliche Ablösung der Fahrzeugflotte durch Elektrofahrzeuge, erklärt Stadtschreiber Peter Wettstein.

«Ein spezielles Augenmerk wird auf die Verbrauchsreduktion gelegt.» Speziell ist auch der partizipative Ansatz, den die Stadt laut Wettstein verfolgt hat.

Ein Mann hält Blumen in der Hand.
Stadtschreiber Peter Wettstein freut sich über den dritten Platz von Illnau-Effretikon.

Zudem werde mit einem regelmässigen, bereichsübergreifenden Erfahrungsaustausch das Wissen à jour gehalten und voneinander gelernt.

Eine Überraschung

Dass kleine Gemeinden und Städte überhaupt mit den grossen mithalten könnten, sei eher selten, heisst es bei Solidar Suisse.

Darum ist es eine Überraschung, dass es Illnau-Effretikon auf das Podest geschafft hat. «Tatsächlich ist es so, dass kleinere Gemeinden über weniger Marktvolumen verfügen und sich deswegen teilweise vor der Aufgabe drücken.»

Teilweise fehle es aber auch an Wissen, oder es werde ein grosser administrativer Aufwand befürchtet, heisst es bei den Verantwortlichen des Ratings.

Mittlerweile gebe es aber viele Unterlagen und Leitfäden zum Thema. «Vieles hängt auch vom politischen Willen ab», meint etwa Peter Wettstein. «Wenn die Exekutive das Thema wichtig findet, dann kann man auch im Kleinen mit relativ wenig Aufwand bereits einiges ausrichten», führt der Stadtschreiber von Illnau-Effretikon aus.

Auch Uster gehört zu den Top-Gemeinden

Uster ist national unter den Top-20-Gemeinden und unter den Deutschschweizer Gemeinden auf dem zehnten Rang. Die Stadt erreicht mit 36 Punkten aber deutlich weniger als Illnau-Effretikon.

Das Spital Uster aus der Vogelperspektive.
Uster ist gut, kann sich aber laut dem Rating noch verbessern. (Archiv)

Uster ist laut Solidar Suisse auf einem guten Weg und setzt sich mit dem Thema der nachhaltigen Beschaffung stark auseinander. Im Gegensatz zu Illnau-Effretikon gibt es in Uster in bestimmten Produktkategorien aber «nur» Empfehlungen.

Weisslingen weit abgeschlagen

Die Gemeinde Weisslingen landet mit 4 von 70 möglichen Punkten im hinteren Teil des Rankings. Sie gehört zu den sehr kleinen Gemeinden, die teilgenommen haben. Weisslingen fehlt es laut dem Rating an einer ausgefertigten Strategie in Bezug auf eine nachhaltige Beschaffung.

Gemeindeschreiber Silvano Castioni meint dazu: «Der Gemeinderat hat zwar keine eigentliche Strategie, aber wir beheizen alle unsere Liegenschaften mit Holzschnitzeln, die ausschliesslich aus den Wäldern der Gemeinde gewonnen werden. Dies als Beispiel, dass Weisslingen nicht so neben den Schuhen steht.»

 

Eine Gemeinde von oben, Häuser und Wiesen.
Weisslingen kann sich punkto nachhaltiger Beschaffung noch verbessern. (Archiv)

Immerhin anerkennt Solidar Suisse, dass die Gemeinde Weisslingen in den Kategorien «Natursteine» und «Reinigungsmittel» Empfehlungen ausgearbeitet hat. Es würden aber die Vorgaben fehlen. «Dies bedeutet in der Regel, dass sie beim Einkauf auf gewisse Labels achten, diese aber kein Muss-Kriterium sind für den Einkauf.»

Gemeindeschreiber Silvano Castioni entgegnet: «Was nachhaltige Beschaffung bedeutet, ist interpretationsbedürftig.»

In Weisslingen ist man also überzeugt, dass man in der Praxis besser dasteht als auf dem Papier.

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