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Höhere Bauten, mehr ÖV – so plant Rüti seine Ortsentwicklung

Die Bevölkerung wächst, auch Rüti muss sich den Gegebenheiten anpassen.

In Rüti stehen hinsichtlich der Ortsplanungsrevision wichtige Schritte an. Auch der Platz vor dem Gemeindehaus ist davor nicht gefeit. (Archiv)

Foto: Nicolas Zonvi

Höhere Bauten, mehr ÖV – so plant Rüti seine Ortsentwicklung

Leben in 15 Jahren

Die Bevölkerung wächst, es wird überall enger. Obwohl Rüti ein unterdurchschnittliches Wachstum aufweist, muss die Gemeinde ihre Ortsplanungsrevision vorantreiben. Das heisst: höher, verdichteter und auf den öffentlichen Verkehr ausgerichtet bauen.

Erst kürzlich haben die Zahlen des prognostizierten Bevölkerungswachstums auch im Oberland ihre Wellen geschlagen. Die Gemeinden wissen etwa, was bis 2050 auf sie zukommen wird. Deshalb gilt für alle, frühzeitig zu planen und entsprechende Massnahmen zu ergreifen. Als passendes Werkzeug dafür dient der Gemeinde Rüti die Ortsplanungsrevision. Mit ihr will man die Entwicklung vorerst bis 2040 steuern.

Rütis Bevölkerung ist seit 1992 kantonal betrachtet zwar unterdurchschnittlich gewachsen, nimmt in den letzten Jahren aber deutlich zu. Zudem weist Rüti im regionalen Vergleich ein überdurchschnittliches Wachstum bei der Anzahl der Beschäftigten auf. Der ehemalige Textilindustriestandort ist für Firmen demnach weiterhin interessant.

Diesen Trend will die Gemeinde mit einer weiterhin guten Voraussetzung für neue Arbeitsplätze um jeden Preis fördern. Dies allerdings unter Beachtung einer im Gleichschritt mit den Arbeitsplätzen wachsenden Bevölkerungszahl. Rüti soll keinesfalls zu einer Schlafstadt werden.

Eine Grafik, die eine Entwicklung der Bevölkerungszahl aufweist.
Das Bevölkerungswachstum in Rüti ist zwar unterdurchschnittlich, geht aber in den letzten Jahren stetig nach oben.

Klar ist: Spielraum für neue Wohnzonen besteht nicht, dafür besteht Bedarf für die Schaffung von neuen Misch- und Arbeitsplatzgebieten. Entwickeln will Rüti vordringlich im Zentrum des Joweid-Areals über das Bahnhofgebiet und die Bandwies bis zum Gemeindehaus sowie entlang den Buslinien.

Im Bestand bauen

Die Ortsplanungsrevision ermöglicht in einigen Gebieten eine etwas höhere und dichtere Bauweise, wie Rütis Bauvorsteher Peter Weidinger (Die Mitte) erklärt. «Damit werden für die Grundstücksbesitzer interessante Möglichkeiten zur Erstellung von Wohnraum geschaffen.»

Mittels Sondervorschriften könnten zudem bestehende Quartiere erhalten und durch die Ergänzung bestehender Bauten mit jeweils einem zusätzlichen Stockwerk gezielt gefördert werden. «Wir bezeichnen dies wie der Kanton als qualitatives Wachstum.» 

Ein Wohnquartier bei Sonnenschein.
Dieses Wohnquartier im Zentrum ist noch relativ neu und bereits sehr verdichtet. Nun sollen auch ältere Bauten an die Reihe kommen.

Man will demnach den Spielraum ausschöpfen, die sogenannte Innenentwicklung. «Für einen Hausbesitzer als direkten Nachbarn ist eine Aufzonung natürlich ein Nachteil, da höher gebaut werden darf», sagt Weidinger. Pro Wohngeschoss gelten künftig Fassadenhöhen von 3,3 Metern. Somit steigen die Fassaden um 0,3 bis 1,2 Meter an.

Ähnlich äusserst sich der renommierte Raumplaner Peter von Känel: «Es gilt, vermehrt aus dem Bestand weiterzubauen und sich die Frage zu stellen, ob man ein Haus abbricht oder die gegebene Substanz erhält.»

Dies gilt vordringlich für Häuser aus den 1960er bis in die 1980er Jahre. Auch Ersatzneubauten mit geringeren Grenzabständen kämen infrage, wobei der Fokus auf der Aufstockung der Gebäude liegt. Hierfür kommen lediglich sechs Siedlungsgebiete von Rüti infrage, die in unmittelbarer Nähe der Walder- und der Rapperswilerstrasse liegen. «Die Verdichtung ist dort sinnvoll, wo ein Anschluss ans Dorfzentrum oder an die Hauptverkehrsachse besteht», sagt von Känel.

Wohnraum im Gewerbegebiet

Und dann ist da auch noch reichlich Potenzial in Gewerbegebieten vorhanden. Namentlich im Joweid-Areal, wo umgezont wird. «Für das Joweid-Areal gibt es bereits einen Masterplan, der neben Gewerbe- und Industrieraum auch etwas Spielraum für Wohnraum übrig lässt», sagt Weidinger. Hierfür ist allerdings noch ein Gestaltungsplan erforderlich, der an einer anstehenden Gemeindeversammlung zur Abstimmung kommen soll.

Zudem soll mittels der Ortsplanungsrevision die Planung des Gartens der Sinne beim Rekrutierungszentrum gesichert werden. Dieser soll zu einer Erholungszone ausgebaut werden. Hinzu kommt die Erweiterung des Sportplatzes Schützenwiese, wo der FC Rüti zu Hause ist. Das Konzept dafür ist bereits seit längerer Zeit in Arbeit.

Kommunaler Mehrwertausgleich

Eine Mehrwertabgabe muss entrichtet werden, wenn auf einem Grundstück gebaut wird.

Der Abgabesatz der Gemeinde beträgt 25 Prozent.

Es gilt eine Freifläche von 1200 Quadratmetern oder eine Freigrenze von 250’000 Franken.

Die Erhebung eines Mehrwerts erfolgt bei zirka 250 Grundstücken, die Gemeinde informiert betroffene Grundeigentümer schriftlich über die Mehrwertprognose.

Kommunaler Mehrwert: total 64,3 Millionen Franken.

Die Verkehrsplanung

Obwohl Rüti ein hohes Mass an Durchgangsverkehr bewältigen muss, ist der grösste Verkehrsanteil hausgemacht, wie der Bauvorsteher betont: «Beim grössten Teil liegt der Start oder das Ziel in Rüti selbst.»

Allerdings bestehe dank E-Bikes, dem Ausbau von Fusswegverbindungen und der Erweiterung der Busfrequenzen ein grosses Potenzial für eine Umlagerung auf Fuss-, Velo- und öffentlichen Verkehr. Die Gemeinde strebt nämlich Massnahmen zur Reduktion von Zeitverlusten im Busnetz, sprich eine Taktverdichtung auf 15-Minuten-Verbindungen, an. «Davon würden alle Einwohnerinnen und Einwohner profitieren», sagt Weidinger.

Für die Umsetzung werden keine neuen Strassen gebaut, sondern drei neue Bushaltestellen an der Fägswilerstrasse, der Dachseggstrasse und dem Hofacher gebaut. Die bestehenden Haltestellen Sonnenplatz und Gruebenplatz sollen etwas verschoben werden.

Verkehrsziele und Strategien

Höherer Anteil von ÖV sowie Fuss- und Veloverkehr an der Gesamtmobilität (ÖV-Anteil bisher 16 Prozent, Ziel bis 2030 25 Prozent).

Auf Vereinbarkeit mit dem Ortsbild achten.

Zuverlässigere Umsteige- respektive Anschlussmöglichkeiten am Bahnhof.

Dichteres und sicheres Wegnetz mit höherer Aufenthaltsqualität für Fuss- und Veloverkehr.

Siedlungsverträgliche Lenkung der Verkehrsströme.

Neue Breitenhofstrasse

Zuletzt liegt neben all den Umzonungen und den Verkehrsmassnahmen auch noch das Gestaltungskonzept für die Breitenhofstrasse vor, die vom Sonnenplatz über die Jona am Gemeindehaus, am Friedhof und am Lindenbergweg vorbei führt.

Nicht nur die Strasse selbst, sondern all die gerade genannten Orte, abgesehen vom stetig fliessenden Fluss, sollen einen neuen «Anstrich» erhalten. Beim Feuerwehrstellplatz am Lindenbergweg soll eine Boule-Bahn mit Sitzbänken entstehen und beim Kindergarten ein Wendeplatz für Autos.

Ein Parkplatz vor einem Friedhof.
Die Breitenhofstrasse vor dem Friedhof soll umgestaltet werden (siehe unten stehende Grafik). (Archiv)
Eine Visualisierung einer Strasse mit Passanten und Individualverkehr.
So will Rüti die Breitenhofstrasse gestalten. Ob das Projekt so umgesetzt wird, steht allerdings noch offen.

Beim Gemeindehausvorplatz plant die Gemeinde eine bessere Anbindung an die Bandwiesstrasse, Sitzmöglichkeiten unter Bäumen und mehr Begrünung sowie versickerungsfähige Beläge und bessere Zufahrten für die Feuerwehr und den Unterhalt. Beim Sonnenplatz will man generell mehr begrünen und stufenartige, in den Hügel integrierte Sitzgelegenheiten schaffen, damit der Platz sowohl als Park als auch als Festplatz genutzt werden kann.

«Die Umsetzung ist noch völlig offen. Zunächst kommt es zu einem Vorprojekt», betont Weidinger. Allein die Sanierung der Breitenhofstrasse werde wohl zwei bis drei Jahre andauern.

Nach der öffentlichen Auflage der Ortsplanungsrevision bis zum 21. März werden die Rückmeldungen verarbeitet. Anschliessend wird die definitive Vorlage für die Gemeindeversammlung vorbereitet. Geplant ist die Behandlung an der Gemeindeversammlung im Herbst 2025 oder Frühling 2026.  

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