Hochmoderne Recycling-Anlage in Volketswil eröffnet
Zum besseren Verständnis: Das Wort «Recycling» bildet sich aus der lateinischen Vorsilbe «re» (zurück) und dem griechischen «kyklos», was Kreis oder Zyklus bedeutet.
Rezyklieren bedeutet: Neben- und Abfallprodukte aus der Industrie und Hausmüll werden gesammelt, aufbereitet und als Rohstoff zur Herstellung neuer Produkte wiederverwendet. Heisst: Der Müll kommt in den Kreislauf zurück. Die Schweiz hat 2019 eine Recycling-Quote von 53% erreicht. Und gehört damit europaweit zur Spitze.
Nach 15 Monaten Bauzeit nahm das Familien-Unternehmen Schneider Umweltservice am Samstag in Volketswil Hard sein neues Recycling-Center in Betrieb. Ab 10 Uhr stieg das Eröffnungsfest mit Festzelt und vielen Verpflegungsständen. Trotz anfänglichem Nieselregen strömten viele Begeisterte zur Anlage im Chies.
Wachsende Nachfrage nach Rohstoffen
Rund 20 Millionen hat das neue Recycling-Center gekostet. Fördergelder von der öffentlichen Hand gab’s keine. Rico Sommerhalder, Geschäftsführer von Schneider Umweltservice, sagt mit einem Schmunzeln auf den Lippen: «Es ist alles selbst finanziert. Deshalb sind wir vielleicht auch ein wenig innovativer.»
Armin Huhn, Leiter Recycling, führt am späteren Morgen eine interessierte Besucher-Gruppe durch die Anlage. Im neuesten 52-seitigen Magazin von Schneider erklärt Huhn, worum es bei der neuen Recycling-Anlage geht: «Die Nachfrage nach Rohstoffen wächst weltweit und mit der neuen Anlage gewinnen wir diese zurück und leisten einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft.»
Löschkanone unterm Dach
Ins Auge fällt unter einem Hallendach schnell ein Gerät, das an eine Schneekanone erinnert. Es ist eine Löschkanone. Sie wird unterstützt von zwei Wärmebildkameras, die rund um die Uhr alles scannen.
Das grösste Risiko für Brände besteht bei Batterien und Akkus. Erkennt eine Kamera einen Brandherd, löscht die Kanone mit 2800 Litern Wasser pro Minute. Auch nachts. Die Feuerwehr wird erst danach benachrichtigt.
Kontaminiertes Holz wird aussortiert
In der Halle A wird auf dem Sortierplatz von drei Baggern die Vorsortierung vorgenommen. Aus den Bau-Abfällen wird ein hoher Anteil brennbares Material maschinell herausgefiltert.
Beim Altholz wird weiter unterteilt in unbehandeltes, behandeltes oder kontaminiertes Material. Das unbehandelte Holz wird in der Spanplattenindustrie wiederverwendet.
Behandeltes Holz (zum Beispiel mit dickem Lackanstrich) wird als Energieträger für industrielle oder kommunale Verbrennungsanlagen genutzt. Kontaminierte Althölzer wie Bahnschwellen, Telefon- und Stromasten werden ausschliesslich in Kerichtverbrennungs-Anlagen (KVA) verbrannt.
Lastwagen mit Elektro-Antrieb
Beim Bau der neuen Anlage wurden 8000 Tonnen Recycling-Material verwendet. Der gesamte Beton und aller Asphalt, der verbaut wurde, stammt aus der Recycling-Produktion.
Die drei Hallendächer sind mit 11 800 Solarmodulen bedeckt. Durch die Solaranlagen werden neu 320 Tonnen CO2 pro Jahr gespart.
Unter dem Boden liegt ein Regentank, der 100 000 Liter fasst. «Wir bekommen im Schnitt 3000 bis 4000 Liter pro Tag gratis vom Himmel», sagt der Geschäftsführer.
Ein Teil der 130 leuchtgrünen Lastwagen fährt jetzt schon mit Elektro-Antrieb. Das Ziel des Unternehmens ist es, bis 2028 ganze 90 Prozent der Transportaufgaben rein elektrisch durchführen zu können. 10 neue Elektrofahrzeuge werden allein in diesem Jahr beschafft.
(Max Kern)