Hochdrucktechnik-Firma erhält Anerkennungspreis 2022
So manches erfolgreiche Unternehmen im Zürcher Oberland bleibt den Augen der Öffentlichkeit weitgehend verborgen. Ausserhalb seiner Branche gilt es als stiller Schaffer.
Die Stadt Illnau-Effretikon und die Gemeinde Lindau werfen jetzt ein Licht auf einen solchen «Hidden Champion» im Bereich Hochdrucktechnik: Die Nova Werke AG in Effretikon hat am Dienstag den Anerkennungspreis für Unternehmungen 2022 erhalten.
Bekanntheit durch Kolben
«Die Auszeichnung kam völlig überraschend und macht mich stolz», sagt CEO Marco Schade. Er leitet das Unternehmen seit sieben Jahren und freut sich, dass ihnen der Preis eine höhere Sichtbarkeit als Arbeitgeber in der Region verschafft.
Die Nova Werke beschäftigen 110 Mitarbeitende sowie acht Lernende in Effretikon. Dazu kommen 30 weitere Beschäftigte an den Vertriebsstandorten in Deutschland und Hongkong sowie in ihrer Produktion für Anlagenbau in Frankreich.
Mit Kolben und Kolbenringen für Verbrennungsmotoren ist das 1921 in Zürich gegründete Unternehmen über die Schweiz hinaus bekannt geworden. 1971 verlagerte es seinen Sitz nach Effretikon. Dort erfolgte die Spezialisierung auf Komponenten, Systeme und Anlagen für Hochdruckanwendungen.
Der Hauptgeschäftspfeiler der Nova Werke sind Brennstoffleitungssysteme für Grossdieselmotoren. Zum Einsatz kommen sie in der Schifffahrt, in Bahnen und Mining-Trucks, aber auch bei Stromgeneratoren in Datenzentren, wie der CEO ausführt.
Auch Notstromaggregate in Krankenhäusern nutzen ihre Technologie. «Wir verbinden die Hochdruckpumpen mit den Einspritzventilen.» Ansonsten würden die Motoren gar nicht erst funktionieren. Oder schlimmer noch: Sie könnten bei einem Bauteildefekt in Brand geraten.
«Wir haben lange Anlernphasen im Betrieb.»
Marco Schade, CEO Nova Werke AG
Gefahr an Leib und Leben bestünde auch, wenn Schiffe durch den Ausfall des Motors plötzlich manövrierunfähig werden. «Das macht die Qualitätskontrolle so wichtig», sagt der 51 -Jährige .
Um den hohen Sicherheitsanforderungen zu genügen, würden die Nova Werke auch weiterhin auf eine manuelle Herstellung mit vergleichsweise geringen Stückzahlen setzen – und auf entsprechend ausgebildetes Fachpersonal. «Wir haben lange Anlernphasen im Betrieb.»
Wachstum durch Wasserstoff
Ziel sei es, den Nachwuchs möglichst aus den eigenen Reihen zu rekrutieren. Mit guten Weiterbildungsmöglichkeiten versuche man die jungen Polymechaniker und Konstrukteure nach der Lehre zu halten. Entsprechend hoch seien die Investitionen in Forschung und Entwicklung.
«Unsere Komponenten sind in fast allen Wasserstoff-Tankstellen der Welt enthalten. »
Marco Schade, CEO Nova Werke AG
Die Ausrichtung auf die Zukunft zeigt sich auch in einem anderen Geschäftsbereich der Nova Werke. Seit den frühen 1990er Jahren bedienen sie den in letzter Zeit wachsenden Markt für Wasserstoffmobilität. «Unsere Komponenten sind in fast allen Wasserstoff-Tankstellen der Welt enthalten und steuern die Befüllungsvorgänge.»
Laut Schade sorgen sie für die korrekte Zuschaltung und Absperrung der Wasserstofftanks, damit kein Wasserstoff austreten und Menschen gefährden kann.
Ein neuer Pfeiler
Ihre wichtigsten Abnehmer seien Hersteller in Korea und China, wo die Wasserstofftechnologie besonders forciert werde, so der CEO. Er rechnet mit einem starken Wachstum in den nächsten Jahren und könnte sich sogar vorstellen, dass dieser Geschäftsbereich bald zum neuen Pfeiler der Nova Werke avanciert.
«Bisher ist er eine zarte Pflanze, die langsam robuster wird und einmal zum Baum heranwachsen soll.»
Dass sich die Nova Werke – aus Oberländer Sicht – eher unter dem Radar bewegen, liegt vermutlich auch am internationalen Fokus. Ihre Hauptmärkte befinden sich in China, Korea, in den USA und Europa.
« Je nach Mixtur oder Komposition des Pulvers ergeben sich andere Eigenschaften.»
Marco Schade, CEO Nova Werke AG
Nur fünf Prozent der Abnehmer sind aus der Schweiz, wie Schade sagt. Diesen Kundenkreis bedient das Unternehmen hauptsächlich mit Oberflächentechnik – einem weiteren Geschäftsbereich.
Der CEO erklärt: Beim thermischen Spitzen von Oberflächen werden Pulver aufgeschmolzen und auf ein Grundmaterial aufgespritzt. «Je nach Mixtur oder Komposition des Pulvers ergeben sich andere Eigenschaften.»
Unter anderem entstünden so thermische Schutzschichten für Gasturbinen oder Verschleissschutzschichten für Hochdruckpumpen.
Wenn Schienen besser gleiten
Für die Weiterentwicklung solcher Verfahren arbeiten die Nova Werke mit der deutschen Fraunhofer-Gesellschaft zusammen, der weltweit führenden Organisation für anwendungsorientierte Forschung.
Gemeinsam tüfteln sie beispielsweise an Suspensionsspritzen. «Die damit erzeugten Oberflächen sind robuster und für die jeweilige Anwendung besser konfigurierbar.»
Nützlich sei dies etwa in der industriellen Werkzeugbearbeitung: Die Gleitschienen, auf denen sich die Maschinen in hoher Geschwindigkeit hin und her bewegen, würden durch die neue Beschichtung weniger verschleissen.
Mit dem gleichen Verfahren lässt sich laut Schade auch die Lebensdauer von Turbinenrädern in Wasserkraftwerken steigern. «Die längeren Wartungsintervalle senken nicht nur die Betriebskosten, sondern leisten auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit.»
Angesichts des Klimawandels und dem Gebot einer nachhaltigen, ressourcenschonenden Wirtschaft bewegt sich die Nova Werke AG in einem hochdynamischen Wachstumsmarkt. Mit dem Anerkennungspreis 2022 würdigen die Stadt Illnau-Effretikon und die Gemeinde Lindau deshalb die «Innovationskraft in einem hochkompetitiven Umfeld» und die «zielgerichtete Fokussierung auf die Kundenbedürfnisse».
Anspruchsvolle Phase
CEO Marco Schade nimmt die Auszeichnung auch als Ansporn in einer anspruchsvollen Phase entgegen. «Wir haben zurzeit eine sehr hohe Auftragslage und müssen schauen, wie wir die Auslastung mit den verfügbaren personellen Ressourcen stemmen können.»
Der gebürtige Thüringer führt die momentane Situation auf eine Überhitzung des Marktes zurück: Nach den Lieferengpässen in der jüngsten Vergangenheit würden sich viele Unternehmen stärker bevorraten.
«Die Wachstumsraten im Wasserstoff-Bereich sind enorm hoch und werden auch noch weiter steigen.»
Marco Schade, CEO Nova Werke AG
Auch die Nova Werken seien im zweiten Corona-Jahr mit Lieferproblemen konfrontiert gewesen – nicht bei Hightech-Produkten, sondern bei einfachen Normteilen.
Schade geht davon aus, dass die Auftragslage in ein bis zwei Jahren auf ein normales Niveau zurückkehrt. Von dieser Entwicklung nimmt er jedoch einen Geschäftsbereich aus: die Wasserstoff-Anwendungen, die durch den Wandel in der Energie-Politik einen Boom erleben. «Die Wachstumsraten im Wasserstoff-Bereich sind enorm hoch und werden auch noch weiter steigen.»