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Historiker wollen eine Lücke füllen

Eine aktuelle Darstellung über das Zürcher Oberland? Fehlanzeige. Nun will ein Verein zusammen mit der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich dieses Manko mit einem Buch beheben.

Die Entwicklung der Siedlung und Infrastruktur, hier der Bachtelturm, werden im Buch eigene Kapitel gewidmet. , Der Historiker Peter Niederhäuser, hier bei einem Vortrag in der Kirche Wila, arbeitet am neuen Buch über das Oberland mit.

Renate Gutknecht

Historiker wollen eine Lücke füllen

Es gibt zahlreiche Ortsgeschichten, dazu Fachpublikationen zu spezifischen Themen wie der Textilindustrie und es existiert auch eine moderne Kantonsgeschichte. Doch wer eine Gesamtdarstellung über das Zürcher Oberland sucht, wird nicht fündig. Hier will nun eine Gruppe von Historikern Abhilfe schaffen. Auf den Jahresanfang 2025 hin soll die erste derartige Publikation erscheinen.

Für ein breites Publikum

« Uns schwebt ein Werk vor, das in gut lesbarer, reich bebilderter Form einem breiten Publikum einen Überblick zur historischen Entstehung der Region wie auch zu den Besonderheiten des Zürcher Oberlands vermittelt » , hält der Historiker Peter Niederhäuser fest. Zu den zahlreichen Publikationen, die der Winterthurer schon verfasst hat, gehören auch einige Bücher zu Oberländer Themen.

Der freischaffende Historiker hat sich nun mit anderen Fachleuten zu einem Verein zusammengeschlossen, der dieses Projekt vorantreibt. Auf die Buchidee sind sie nach dem Vorhaben «1816 – das Jahr ohne Sommer» und den Arbeiten zu «Industrielandschaft Zürcher Oberland» gekommen. Bei beiden Gelegenheiten habe sich gezeigt, dass ein solcher übergreifender Ansatz attraktiv sei, wie er von Zürioberland Kultur initiiert worden ist.

Viele Bilder

Fachleute sollen Schwerpunkte der regionalen Geschichte anschaulich aufzeigen. Der Horizont reicht dabei von den natürlichen Gegebenheiten sowie der Ur- und Frühgeschichte bis in die Gegenwart. Das maximal 250 Seiten umfassende Buch soll reich bebildert sein. Angestrebt wird ein Bildanteil von rund einem Drittel.

Thematisch abgedeckt wird die Entwicklung der Siedlungslandschaft und der Infrastruktur, des politischen, gewerblichen und industriellen Lebens, dazu auch die Geschichte der religiösen Gemeinschaften, der Bildungsinstitutionen sowie des Kulturbetriebes.

Noch dunkle Flecken

Niederhäuser rechnet damit, dass mindestens punktuell neue Erkenntnisse gewonnen werden. « Aber das Buch ist ein Überblickswerk. Eine komplette Neudeutung wird es nicht geben. » Die Spezialisten, die sich ans Werk machen, dürften vor allem zur frühen Neuzeit ab der Reformation bisher Unbekanntes zu Tage fördern. « Die grosse Herausforderung ist aber, dass wir die Entwicklungen bis in die Gegenwart aufzeigen. » Das wird gleichzeitig die Attraktivität der Darstellung erhöhen. Und Niederhäuser betont: « Dies wird nicht einfach ein Geschichtsbuch. Angesprochen werden alle, die an der Region interessiert sind und sich hier daheim fühlen. »

Auch wenn das Konzept unter dem Titel « Einheit und Vielfalt: Regionalgeschichte Zürcher Oberland » den Fokus auf die drei Bezirke Hinwil, Pfäffikon und Uster richtet, werde auch über diese Region hinausgegangen und beispielsweise bis nach Rapperswil oder vor die Tore Winterthurs geschaut. « Wir wollen keinen Tunnelblick, sondern alles in einen grösseren regionalen Zusammenhang stellen » , unterstreicht Niederhäuser. Das zeige sich schon bei den Verkehrswegen, egal, ob es sich um den Jakobsweg oder die S-Bahn handle.

Sponsoren werden gesucht

Als Träger des Buches wird die Antiquarische Gesellschaft in Zürich auftreten. Diese ist laut Niederhäuser, der Vizepräsident dieses kantonalen Geschichtsvereins ist, auch Garant dafür, dass das Buch eine überregionale Verbreitung erhält. So wird jedes der rund 600 Mitglieder ein Exemplar erhalten.

Die Gesellschaft wird die Produktionskosten des Buches in der Höhe von rund 30‘000 Franken übernehmen. Dies ist allerdings der kleinere Posten: Für Honorare, Bildrechte und redaktionelle Arbeiten wird mit mindestens 100‘000 Franken gerechnet. Dafür werden Sponsoren gesucht. Doch Niederhäuser ist zuversichtlich, diese Summe bei Institutionen, Stiftungen und Einzelpersonen zusammenzubringen. Erste Gelder sind von Firmen und Stiftungen bereits zugesichert worden.

Druck statt Digitales

Dass es übrigens wieder ein Buch werden soll, war nicht von Beginn an klar. Zur Diskussion stand auch eine digitale Form. « Das wird aber rasch sehr teuer. Und zudem stellt sich die Frage, wer eine solche Site betreut. Denn im digitalen Bereich veraltet alles sehr schnell. » Daher seien sie pragmatisch geblieben und setzten nun auf den Druck. Ein Buch entspreche dem eher traditionellen Publikum auch mehr. « Das schliesst aber nicht aus, dass beispielsweise über Schulen digitale Folgeprojekte ausgelöst werden » , hält der Historiker fest.

Nun müssen die Autoren an die Arbeit. Bis zum Frühling 2024 müssen sie ihre Beiträge abliefern. Damit soll genügend Zeit bleiben für das Layout und den Druck des Buches. Dieses könnte übrigens das erste seiner Art werden. « Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass eine andere Zürcher Region oder auch ein angrenzendes Gebiet schon über eine solche Gesamtdarstellung verfügt » , meint Niederhäuser zum Schluss. 

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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