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Hier pflegen Freiwillige die geschwächten Igel gesund

Ab Sonntag gibt es in Kollbrunn 20 Pflegeplätze für hilfsbedürftige Igel. Die Station ist auf Initiative eines Vereins entstanden, der sich für den Schutz der Tiere einsetzt.

Juliette Roder ist Präsidentin des Trägervereins Igelstation Kollbrunn., Zu den Aufgaben der Igelstation gehört es, Igelwaisen aufzupäppeln., Interessierte können Gönner eines Pflegeplatzes werden – dieser erhält dann eine entsprechende Plakette.

Foto: Annabarbara Gysel

Hier pflegen Freiwillige die geschwächten Igel gesund

Der Tösspark in Kollbrunn bietet verschiedenen Kleinbetrieben, Künstlern und Musikern Platz – und bald auch hilfsbedürftigen Igeln. In einem der grossen Gewerberäume eröffnet am Sonntag eine Igelsta­tion.

Da, wo vor Kurzem noch gähnende Leere herrschte, reihen sich jetzt 16 schwarze Plastikwannen auf hölzernen Unterbauten aneinander. Vier weitere lagern gestapelt in einer Ecke. Auch ein kleiner Behandlungstisch, wie man ihn vom Tierarzt kennt, steht bereit.

Bereit für die Saison

Noch herrscht hier die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Die letzten Vorbereitungsarbeiten sind im Gange. Es gibt noch einiges aufzustellen, einzurichten und zu putzen. Eine junge Frau mit langen hellbraunen Haaren legt auf dem Holztisch beim Eingang Info-Flyer bereit, richtet sie aus und rückt entschlossen ihre Brille zurecht.

Ihr Name: Juliette Roder. «Sobald die Saison anfängt, die Igel aufstehen und auch die Babys zur Welt kommen, geht es los», sagt die 23-Jährige. Dann seien Leute gefragt, die sich um verletzte oder hilfsbedürftige Tiere kümmern könnten. Deswegen brauche es Igelstationen wie die in Kollbrunn.

«Was man kennt und liebt, wird auch geschützt»

08.04.2022

Igelschutz in Kollbrunn

Lisbeth Braunschweiler übernimmt die Leitung der neuen Igelstation in Kollbrunn. Beitrag in Merkliste speichern Roder ist die Präsidentin des verantwortlichen Trägervereins Igelstation Kollbrunn. Zu den Gründungsmitgliedern gehören auch einige ehemalige Fachpersonen der Igelhilfe Winterthur. Diese hatten sich nach unüberbrückbaren Differenzen dazu entschlossen, Winterthur hinter sich zu lassen und an einem anderen Ort neu anzufangen. Unter ihnen ist auch Lisbeth ­Braunschweiler. Sie übernimmt die Leitung der neuen Station.

Schwierige Raumsuche

Mittlerweile ist der Verein auf 20 Mitglieder angewachsen. «Lustigerweise sind wir bisher nur Frauen, dafür allen Alters», meint Roder. Der einzige Mann sei ein Rechnungsrevisor. «Wir hoffen natürlich, noch weitere männliche Gesellschaft zu bekommen.»

«Wir können den Bezirk Winter­thur und auch einen Teil von ­Pfäffikon abdecken.»
Juliette Roder, Präsidentin des Trägervereins Igelstation Kollbrunn

Der Vereinsgründung am 2. Februar dieses Jahrs war die Suche nach passenden Räumlichkeiten vorangegangen. «Wir wollten etwas in der Region Winterthur», erklärt Roder. «Es war aber schwierig, einen geeigneten Raum zu finden.» Denn nicht nur die richtige Grösse, sondern auch der Preis spielte eine wichtige Rolle. «Er durfte nicht zu teuer sein, da wir spendenfinanziert sind.»

In Kollbrunn, direkt neben dem Kreisel Richtung Weisslingen, wurde man schliesslich fündig. Mit dem Standort ist die Präsidentin ganz zufrieden. «So können wir den Bezirk Winter­thur und auch einen Teil von ­Pfäffikon abdecken.»

Wannen nach Mass

Seit Anfang März liefen die Arbeiten für die neue Igelstation auf Hochtouren. Der Raum musste geputzt und eingerichtet werden. Dafür brauchte es nicht nur Möbel, sondern auch Plastikwannen für die Igelhaltung. Der Verein liess sie bei ­einem Grossverteiler für Pflanzenwannen auf Mass anfertigen. Insgesamt 20 Stück. «Entsprechend können wir 20 Igel aufnehmen. Oder ein paar mehr, wenn es Familien oder Mut­tertiere mit Babys sind», sagt Roder.

Auf dem Foto sieht man blaue Wannen für die Igel in der Igelstation in Kollbrunn.

Bei Vollbetrieb rechne die Stationsleiterin Lisbeth Braunschweiler pro Tag mit acht Stunden Aufwand, um alle Igel zu pflegen, zu wägen, zu füttern und alles zu putzen, erklärt die Vereinspräsidentin weiter.

Das geschieht alles in ehrenamtlicher Arbeit, geleistet von den Igelfachpersonen und zahlreichen Helferinnen und Helfern. Bei medizinischen Anliegen stehen ausserdem verschiedene Tierärzte zur Verfügung.

Intensives «Schöppelen»

Ganz ohne Geld geht das aber nicht. Allein schon für Miete, Strom, Futter und Medikamente werden regelmässig Kosten anfallen. Nach erster Schätzung geht Juliette Roder davon aus, dass der Verein jährlich rund 20’000 Franken brauchen wird.

Ein Betrag, der sich aus Mitgliederbeiträgen und Spenden zusammensetzt. Interessierte haben auch die Möglichkeit, für ­einen fixen Betrag Gönner eines Igelpflegeplatzes zu werden. Interessierte erfahren am Tag der offenen Tür am Samstag (siehe Box) mehr über das Angebot.

Nach der Eröffnung wird Roder vor allem im Hintergrund tätig sein und sich um die Organisation und Administration kümmern. «Ich werde mich aber sicher anbieten, Igelbabys aufzuziehen», sagt sie. Diese Aufgabe kennt sie bereits von früher. «Es ist ein Vollzeitjob. Man muss die Babys alle zwei Stunden ‹schöppelen›.»

Tag der offenen Tür

Am Samstag, 9. April, lädt die Igelstation Kollbrunn von 13 bis 16 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein.

Die Station befindet sich im Tösspark an der Weisslingerstrasse 1 in Kollbrunn, direkt bei der Susy Utzinger Stiftung. Der Weg auf dem Areal ist ausgeschildert.

Besucher, die mit dem Auto anreisen, werden gebeten, den Waldparkplatz zu benutzen. Weitere Informationen gibt es im Internet.

Die Station ist ab dem 10. April geöffnet und kann ab diesem Tag hilfsbedürftige Igel aufnehmen. Das Beratungstelefon ist aber bereits seit Februar in Betrieb: Von Montag bis Freitag, 9.30 bis 11.30 Uhr, unter der Nummer 076 365 40 52. (agy)

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