Graffiti-Kunst statt verschmierter Wände
Die Personenunterführung beim alten Schützenhaus musste stets für Sprayereien und andere Verunstaltungen durch Unbekannte herhalten. Das verursachte der Gemeinde regelmässig Kosten von mehreren hundert Franken.
Aufgefallen sind die unschönen Beschriftungen auch den Schwestern Mirijam (19) und Rebecca (22) Baumann. Die beiden Wilemerinnen benutzten die Unterführung auf ihrem täglichen Schulweg.
Die Idee, die Wände mit einem grossflächigen Bild zu schmücken, kam ihnen vor ein paar Jahren. Die Schwestern zeichneten schon immer gern. Als sie dann in einem Geschäft für Künstlerbedarf Spraydosen entdeckten, regte das ihre Lust auf etwas Neues an.
In Zürich und Winterthur werden im öffentlichen Raum Flächen für legales Graffiti zur Verfügung gestellt. So können Sprayer, ohne Sachschaden zu verursachen, ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Auch Mirijam und Rebecca Baumann übten sich an diesen Plätzen fortan in ihrer Graffitikunst.
Vor rund drei Jahren stellten die jungen Frauen ihrer Heimatgemeinde das Gesuch, ihnen die kleine Unterführung zum besprayen freizugeben. Letzten Herbst bekamen sie die Zusage, diese Woche wird gemalt.
Ein farbiger Bambuswald, doch die Kirche bleibt im Dorf
Sujets für die Wandbilder hatten die Künstlerinnen mehrere vorbereitet. Ihr Lieblingsvorschlag, welcher sie der Gemeinde als erster einreichten, kam aber so gut an, dass es dabei geblieben ist. Die eine Seite der Unterführung soll von einem farbigen Bambuswald geschmückt werden. Wieso ausgerechnet Bambus? «Weil es cool ausschaut», sind sich Mirijam und Rebecca Baumann einig. Dazu eigne sich das Muster besonders gut für einen Farbverlauf.
Gegenüber soll im Kontrast zum Bambuswald eine Dorfansicht entstehen. «Wir wollten die Verbindung zu Wila aufzeigen», sagt Rebecca Baumann. Wie im Dorf ist auch der Mittelpunkt im Bild, die Kirche. Dahinter steckten aber keine religiösen Absichten, versichert Mirijam Baumann. «Ich denke, die Kirche gehört zu unserem Kulturgut. Würde in Wila eine Sehenswürdigkeit nominiert, wäre es sicher unsere Kirche.» Sie habe übrigens die verschiedenen Ideen auch mit einigen Dorfbewohnern besprochen, und «diese kam am besten an».
Seit Sommer arbeitet die 19-Jährige für einen Tag pro Woche im Waldkindergarten und beginnt nun bald ihr Studium; Kulturwissenschaften der Antike I und II. Rebecca Baumann studiert Wirtschaftsrecht an der ZHAW. Nebenbei arbeitet sie für eine Online-Medienagentur.
Weitere Pläne bezüglich ihrer Kunst haben Mirijam und Rebecca Baumann zurzeit nicht. Sie würden vor den nächsten Semesterferien nichts planen, dafür seien sie mit dem Studium zu beschäftigt. Ihre Unterführung zu verschönern habe nun aber Vorrang. Man merkt, es ist eine Herzensangelegenheit.
Die Gemeinde kostet das Bild rund 700 Franken Materialwert. Die Schwestern denken, dass das Graffiti künftig Schmierereien verhindern wird, in den Städten funktioniere das sehr gut. Falls nicht, würden die beiden bestimmt nochmals zur Spraydose greifen.