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Wirtschaft

Gewerbler rüsten sich für die Zukunft – mit Bewährtem

Braucht es im Zeitalter von KI noch analoge Messen? Roland Kessler vom OK der GEWA Turbenthal findet, ja – und griff dafür in die Trickkiste.

OK-Präsident Roland Kessler griff bei seiner Eröffnungsrede in die Trickkiste.

Foto: André Gutzwiller

Gewerbler rüsten sich für die Zukunft – mit Bewährtem

Eröffnung der GEWA Turbenthal

Mit Ansprachen und Apéros fiel am Freitagabend der Startschuss zur GEWA in Turbenthal. Dabei kam auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz und verdeutlichte, dass analoge Messen nach wie vor ihre Berechtigung haben.

«Ich freue mich sehr, Sie alle hier begrüssen zu dürfen, um die Vielfalt und Qualität des Gewerbes in unserer Gemeinde zu feiern.» Dass Eröffnungsreden zuweilen vor Floskeln und abgedroschenen Formulierungen nur so strotzen, dürfte kein Geheimnis sein.

Roland Kessler, OK-Präsident der Gewerbeausstellung Turbenthal, machte sich dies zunutze. Er liess seine Eröffnungsrede kurzerhand von der Künstlichen Intelligenz (KI) Chat-GPT schreiben. Entsprechend austauschbar klangen die Sätze, die er zum Besten gab.

«Ich wurde in den letzten Tagen oft gefragt, ob eine Messe in Zeiten von KI und Social Media noch Sinn macht», fuhr Kessler schliesslich in eigenen Worten fort, «und ich kam zum Schluss: Ja, jetzt erst recht!»

Gewerbe mit überregionaler Strahlkraft

Schliesslich gehöre der soziale Austausch zu den wichtigsten Fähigkeiten der Menschen – und die Gewerbler seien es, die jeden Morgen aufstehen und die anstehenden Herausforderungen annehmen würden.

Gemeindepräsident René Gubler (FDP), der seine Rede notabene selbst geschrieben hatte, drückte seinen Stolz für das Turbenthaler Gewerbe mittels einer Anekdote aus: «Ich war neulich auf dem Strassenverkehrsamt in Winterthur», begann er.

Der Prüfer habe ihn gefragt, ob sein Auto bei der Togra-Garage in Turbenthal im Service gewesen sei. «Ich fragte mich, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist», so Gubler.

Doch dann des Rätsels Lösung: «Der Prüfer meinte, es gebe sonst keine andere Garage, die den Unterboden der Fahrzeuge so sauber hinbekomme. Unsere Gewerbler kennt man also sogar in Wülflingen.»

Stefan Graf, Präsident des Gewerbevereins Turbenthal und Umgebung, lobte, dass die Messe von den Ausstellern selbst aufgebaut worden war. «Hier im Tösstal sind wir eben nicht nur Gewerbler, sondern auch kreative Messebauer», betonte er.

KMU als Motor des Wohlstands

Im Anschluss an seine Grussbotschaft verabschiedete er Roland Kessler, Patrick Schmid und Mario Petruzzi, die die Ausstellung heuer zum letzten Mal mitorganisierten.

Als Gastredner war Kantonsrat Paul von Euw (SVP) mit von der Partie: «Ich weiss, Ihr habt alle genug anderes zu tun, als eine Ausstellung aufzubauen. Aber trotzdem seid Ihr mit Herzblut dabei, um den Leuten in Turbenthal etwas zu bieten.»

KMU seien das Rückgrat der Schweiz und würden massgeblich zum Wohlstand beitragen, betonte von Euw. Vergangenes Jahr ist der Baumer Politiker als Energieberater selbst unter die Unternehmer gegangen. «Die Gewerbler und vor allem die Handwerker haben das grosse Glück, dass man sie nicht so einfach ersetzen kann», sagte er in seiner Rede.

Dennoch sei es «Wahnsinn, was da mit der Künstlichen Intelligenz auf uns zukommt». Diesen Wandel könne man nicht unterbinden, man müsse ihn mittragen. Schliesslich hätten sich schon die Fuhrmänner vergeblich gegen den Siegeszug des Autos gewehrt.

Mehrere Messedebütanten

Ausserdem gelte es, die Generation Z, die gerade ins Berufsleben starte, ernst zu nehmen und ihre Bedürfnisse zu verstehen. Schliesslich warf der Kantonsrat, der vier Jahre lang Mitglied der Bildungskommission war, die Frage auf: «Ist die Bildungslandschaft noch auf Gewerbekurs?»

Und schob die Antwort sogleich selbst nach: «Heute bilden wir die jungen Leute zu wenig gewerbeorientiert aus.» Mit dem Abschluss der Gastrede und einem Applaus von den gut gefüllten Festbänken fiel sogleich der Startschuss zur Ausstellung. Während einige Besucher noch im Festzelt verweilten, machten sich andere auf den Rundgang durch die Reithalle.

Austausch mit Kunden und Gewerblern

60 Aussteller aus Turbenthal und Umgebung sind dieses Jahr mit dabei. Unter den Standbetreibern finden sich auch mehrere, die dieses Jahr zum ersten Mal an der Messe zu Gast sind. So etwa Rahel Bieri vom Hofladen Seehof in Seelmatten. Bieri bietet unter anderem selbst produzierte Joghurts an.

«Wir konnten Ende Jahr unseren neuen Produktionsraum in Betrieb nehmen. Deshalb haben wir uns entschieden, uns an der diesjährigen Messe zu zeigen», sagt Bieri. «Vorher hätte sich ein Stand nicht gelohnt, weil wir die Nachfrage nicht hätten stemmen können.»

Das Team des Fitnessstudios Well Come Fit wollte eigentlich schon im vergangenen Jahr an der GEWA ausstellen. Seit Sommer 2022 leitet Jana Ledergerber das ehemalige Tösstal Fit in Rikon. «Wir wollen nicht nur Präsenz zeigen, sondern auch in den Austausch mit den anderen Gewerblern kommen», sagt Ledergerber.

Ähnliche Gründe hat Bernardina «Berni» Milici vom Reinigungsunternehmen Tal-Reinigung aus Turbenthal. Die Messe sei ein guter Ort, um mit Kunden und anderen Gewerbetreibenden in Kontakt zu kommen. «Uns ist wichtig, unsere Dienstleistungen da anzubieten, wo wir herkommen», sagt Milici. Das «Tal» im Namen stehe da schliesslich nicht ohne Grund.

Die GEWA Turbenthal war am Samstag noch bis 21 Uhr geöffnet, am Sonntag von 11 bis 16 Uhr.

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