Gewerbe lehnt eine «konzeptlose» Fussgängerzone ab
Pläne für Usters Zentrum
Der Stadtrat will die Autos aus dem Ustermer Zentrum verbannen. Gewerbe und Wirtschaft sprechen sich gegen eine Umgestaltung aus.
In der ersten Junihälfte war das Ustermer Zentrum für den motorisierten Verkehr gesperrt. In zwei Aktionswochen unter dem Titel «S’Zentrum zum Sii» wurde ausprobiert, wie es wäre, wenn auf der Webern- und der Gerichtsstrasse nur noch Fussgänger unterwegs wären.
Der Stadtrat zog nach dem Experiment eine positive Bilanz. Und liess gleichzeitig das Vorprojekt «Attraktives Stadtzentrum» auflegen.
Ziel des Vorhabens ist es, auf den beiden Strassen um die Hauptpost einen Begegnungsort in grüner Umgebung zu schaffen. Statt der Autoparkplätze soll ein «Stadtgarten» mit Pavillon entstehen.
Fehlendes Gesamtkonzept
Von diesen Ideen gar nicht begeistert sind der Gewerbeverband (GVU) und das Wirtschaftsforum (WFU) Uster. «Im Konzept ist nicht ersichtlich, wie das Zentrum von Uster im Hinblick auf eine Fussgängerzone verkehrsmässig intelligent erschlossen werden könnte», betont GVU-Präsidentin Anita Borer.
Fürs Gewerbe sei ein attraktives Stadtzentrum wichtig. Um das zu erreichen, sei aber «zwingend», dass auch die ansässigen Detaillisten miteinbezogen würden, meint Borer.
Ins gleiche Horn stösst WFU-Präsident Jan Schibli. «Das WFU fordert den Stadtrat auf, Massnahmen zur Attraktivitätssteigerung des Stadtzentrums in ein übergeordnetes Gesamtkonzept einzubetten sowie die Wirtschaft und die im Zentrum ansässigen Firmen aktiv miteinzubeziehen.»
Umfrage unter Mitgliedern
Grundlage für die Aufforderung der beiden Verbände, auf eine solche Fussgängerzone respektive eine Verkehrssperrung zu verzichten, bildet eine Umfrage unter ihren Mitgliedern.
Über 180 Personen und Unternehmen, auch von solchen des Vereins Herzkern, haben laut Borer teilgenommen: «Über 60 Prozent der teilnehmenden und fast 73 Prozent der direktbetroffenen Unternehmen wollen keine Fussgängerzone respektive Verkehrssperrung auf den zentralen Abschnitten der Gerichts- und der Webernstrasse in Uster.
Vor allem nicht ohne konkretes Konzept, wie das Zentrum zusammen mit den Gewerbetreibenden belebt werden könnte.»

Ausserdem hat die Befragung ergeben, dass fast 70 Prozent der in dieser geplanten Fussgängerzone ansässigen Unternehmen nicht daran glauben, dass dadurch das Stadtzentrum belebt wird. Sprich: Sie bezweifeln, dass das Hauptziel des ganzen Projekts erreicht werden kann.
Für Wirtschaft nicht attraktiv
Anders als der Stadtrat erachten die Unternehmen die beiden Aktionswochen überhaupt nicht als erfolgreich. Teilnehmer der Umfrage kritisieren etwa die erschwerte Zugänglichkeit zur Post und zu weiteren Läden, aber auch generell den Abbau von Parkierungsmöglichkeiten in Gehdistanz.
Das WFU, das die Stadt- und Zentrumsentwicklung als sein Kernanliegen erachtet, kritisiert am Projekt, dass es sich «isoliert auf den Strassenraum» mit dessen Begrünung und Beschaffung fokussiert.
Nicht ersichtlich sei hingegen, «worin die Aufwertung für die Wirtschaft liegt», wie es in dessen Einwendung heisst. So werde auch nicht konkretisiert, wie die «Aneignung der Aussenplätze durch die Gastronomie» umgesetzt werden könne.
Das WFU erwähnt in diesem Zusammenhang auch die Idee, den Jelmoli-Parkplatz von der Zürichstrasse her zu erschliessen. Während vor zwei Jahren diese Möglichkeit in den Plänen noch aufgeführt worden sei, «ist davon in den aufliegenden Unterlagen keine Rede mehr».
Kritik an kurzer Auflagezeit
Und noch einen anderen Punkt kritisiert die GVU-Präsidentin: «Die Auflagezeit für das Projekt war sehr kurz.
Viele hatten keine Zeit für eine eigene Stellungnahme und dürften gar nicht bemerkt haben, dass sie unter dem Titel ‹Mitwirkung der Bevölkerung› sich äussern können.»
Deshalb hätten die Verbände auch den Weg der Umfrage unter ihren Mitgliedern gewählt.
Sie hofft, dass auch die Politik den Ball aufnimmt. Sollte der Stadtrat trotz den Bedenken der Gewerbetreibenden an einer «aktuell konzeptlosen Fussgängerzone» festhalten, so müsse im Minimum die Zahl der heute bestehenden Parkplätze in Zentrumsnähe und Gehdistanz gewährleistet werden.
Zudem gelte es, ein einfaches Parkleitsystem zu erstellen und barrierefreie Zugänge zu Läden und Post zu garantieren. Schliesslich müssten Zubringer auch in einer Fussgängerzone motorisiert anliefern können.
Sieben Einwendungen
Laut Usters Bauvorstand Stefan Feldmann (SP) sind innert Frist insgesamt sieben Einwendungen eingegangen: «Vier davon äussern sich grundsätzlich positiv, drei tendenziell negativ.»
Bei den positiven Einwendungen würden insbesondere der geplante «Stadtgarten» samt Pavillon an der Webernstrasse sowie unter dem Stichwort klimagerechte Stadt die generelle Gestaltung des Projekts mit Bäumen und Entsiegelung von Flächen gelobt.
Zusätzlich werden laut Feldmann aber auch der Einbezug der gesamten Poststrasse in das Projekt, mehr Veloabstellplätze sowie zusätzliche Spielmöglichkeiten für Kinder gefordert.
Pavillon und Spielplatz im Visier
Zu den negativen Einwendungen meint Feldmann, dass darin ganz grundsätzlich bezweifelt werde, «dass sich mit dem Projekt das Ziel einer Attraktivierung des Zentrums erreichen lässt». Und er spricht damit, ohne diese zu nennen, auch die Sammeleinwendungen von GVU und WFU an.
Sollte am Projekt festgehalten werden, werde eine Reihe von Forderungen aufgestellt.
Feldmann zählt dazu den Verzicht auf den Pavillon, den Ersatz der aufzuhebenden Parkplätze in Gehdistanz, die Garantie des Zubringerdiensts für die Anwohnerschaft und Zulieferende, den Einbezug der Anwohnerschaft und des anliegenden Gewerbes in die Ausarbeitung des Bauprojekts oder auch den Verzicht auf Spielelemente für Kinder.
1,5 Millionen Franken eingeplant
Feldmann möchte mit dem Projekt zügig vorwärtsmachen: «Ich hoffe, dem Gemeinderat im ersten Quartal des nächsten Jahrs eine Kreditvorlage unterbreiten zu können. Bei einer Zustimmung von Parlament und allenfalls an der Urne ist eine Umsetzung bis 2026 geplant.»
Wie der Bauvorstand auf Nachfrage ergänzt, sind für das Vorhaben aktuell 1,5 Millionen Franken in der Investitionsplanung eingeplant.