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Zum Schweizer Vorlesetag

Lesehund Lee lässt sich zum Wohl der Kinder Geschichten erzählen

In der Bibliothek Rüti gehört er zum Inventar, zum Vorlesetag ist er zu Besuch in Mönchaltorf: Lesehund Lee. Seine Besitzerin Esther Basler erzählt von der Arbeit mit Hund und Kindern.

Esther Basler mit Lesehund Lee in der Bibliothek Mönchaltorf – hier werden die beiden am Schweizer Vorlesetag einen Einsatz haben.

Foto: Lea Chiapolini

Lesehund Lee lässt sich zum Wohl der Kinder Geschichten erzählen

Zum Schweizer Vorlesetag

In der Bibliothek Rüti gehört er zum Inventar, am Vorlesetag ist er zu Besuch in Mönchaltorf: Lesehund Lee. Seine Besitzerin Esther Basler erzählt von der Arbeit mit Hund und Kindern.

Lee liegt ruhig auf seiner Decke. Nur ab und zu zuckt er mit einem Ohr, wenn ein Geräusch zu hören ist. Doch ihn bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Der fünfjährige Bolonka Zwetna – die Rasse wurde ursprünglich für das russische Zarenhaus gezüchtet – liebt den Trubel.

«Nach den Ferien merkt man richtig, wie er sich auf die Kinder freut», sagt Esther Basler. Die Grüningerin bildet gemeinsam mit Lee ein ausgebildetes Lesehund-Team. Und nein, Lee kann nicht lesen. Im Gegenteil: Er hört zu.

Viele Kinder leiden an einer Leseschwäche, die sich nur durch gezieltes Üben beseitigen lässt. «Leider lesen aber gerade die betroffenen Kinder nicht gern», sagt Basler. Doch ein Lesehund vermittelt Entspannung und Sicherheit. «Die Kinder lesen ihm vor und vergessen dabei ihre Schwächen.»

Unkritische Fellfreunde

Esther Basler arbeitet seit 14 Jahren in der Bibliothek in Rüti. Lee war zeit seines Lebens auch mit dabei. Seit letztem Jahr ist er offiziell zertifizierter Lesehund. «Oft arbeite ich mit Schulklassen zusammen, wobei sich alle Kinder darum reissen, neben ihm sitzen und für ihn lesen zu dürfen.»

Dabei sei es schon zu eindrücklichen Situationen gekommen. Basler erzählt von einem Jungen aus der Ukraine, der Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hatte. «Als die anderen Kinder vorlasen, lag Lee relativ teilnahmslos daneben – als dieser Junge an die Reihe kam, stellte Lee sich vor ihn und sah ihn aufmerksam an. Das nahm dem Jungen alle Angst, weil er nur noch für den Hund gelesen hat.» Danach habe sich der Junge sogar zum ersten Mal deutsche Bücher ausgeliehen: Sachbücher über Hunde.

Dass Kinder so positiv auf Lesehunde reagieren, hat verschiedene Gründe. «Einerseits sind Tiere einfach faszinierend für Kinder», sagt Esther Basler. Andererseits muss ein Kind keine Angst haben, von einem Hund Kritik zu erhalten. «Auch das Streicheln des Fells wirkt beruhigend und baut nachweislich Stress beim Kind ab.»

Berührungsängste fehl am Platz

Doch nicht alle Hunde sind für solche Einsätze geeignet. «Der Hund darf weder ängstlich, nervös, hyperaktiv noch ein Beller sein», heisst es auf der Website des Therapie Hunde Zentrums Schweiz, das die Ausbildungen durchführt. «Er muss über ein ruhiges und sicheres Wesen verfügen, darf darüber hinaus keine Berührungsängste vor Fremden, namentlich vor Kindern, haben und muss sich überall anfassen lassen.»

Alles Kriterien, die Lee problemlos erfüllt. «Wenn es ihm zu viel wird, geht er einfach ein wenig auf Abstand», sagt Esther Basler. So gehöre es bei den Treffen mit den Kindern jeweils auch dazu, ihnen zu vermitteln, dass sie sein Nein akzeptierten und mit Schmusen aufhören müssten.

In der Schweiz gibt es weit über 100 zertifizierte Lesehund-Teams. Esther Basler ist mit Lee sowohl in der Bibliothek als auch in der Schule unterwegs und begleitet beim Projekt «Buchstart» bereits Kinder im ersten Lebensjahr in die Welt der Bücher. Im Rahmen des Schweizer Vorlesetags ist sie am 27. Mai auch in der Bibliothek Mönchaltorf zu Gast, wo man sich für eine Lesesession anmelden kann.

Doch Lee brauche auch mal Freizeit, betont Basler, beziehungsweise «Hundezeit». «Er liebt die Hundeschule, wo er mit seinen Freunden herumtollen kann.» Doch sobald das Gstältli mit der Aufschrift «Lesehund» angezogen wird, ist für Lee klar: Jetzt wird wieder gearbeitet.

Schweizer Vorlesetag am 27. Mai

Der Schweizer Vorlesetag ist ein jährlich stattfindender nationaler Aktionstag, der vom Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien initiiert wurde. Am Mittwoch, 27. Mai, findet bereits der neunte Schweizer Vorlesetag statt. In der ganzen Schweiz wird an diesem Tag vorgelesen – in Familien, Schulen, Bibliotheken, Buchhandlungen und Museen, in vielen Sprachen und für alle Altersgruppen. 

Esther Basler ist im Rahmen des Vorlesetags mit ihrem Hund Lee von 14 bis 16 Uhr in der Bibliothek Mönchaltorf zu Besuch. Die Lesehund-Termine sind beschränkt, Anmeldungen werden bis zum 20. Mai in der Bibliothek entgegengenommen. Weitere Informationen unter www.bibliotheken-zh.ch/moenchaltorf. In zahlreichen Gemeinden finden weitere Angebote zum Vorlesetag statt.

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